Breite Unterstützung für den Präses
27.11.2009 | 17:25 Uhr 2009-11-27T17:25:00+0100Dortmund. Der offene Brief, den rund 100 Pfarrer der Evanglischen Kirche von Westfalen an Präses Alfred Buß geschrieben haben, um ihn bei seiner Haltung zum Thema Homosexualität den Rücken zu stärken, ist auf ein enormes Echo gestoßen.
Genau 550 Unterstützer - Pfarrerinnen und Pfarrer aber auch Presbyter, Diplom-Theologen, Professoren, Religionslehrer, Politiker, Journalisten und Laien- haben jenen Brief bislang online unterzeichnet. „Das ist Wahnsinn”, sagt Hanno May, Gemeindepfarrer in Dortmund-Wickede und Sprecher von „kreuzundqueer”, dem Konvent lesbischer und schwuler PfarrerInnen in der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Mit so einer breiten Unterstützung hatten wir nicht gerechnet.” Der 48-Jährige freut sich vor allem darüber, dass derart viele Kollegen unterzeichnet haben. „Das hat allen sehr sehr gut getan und zeigt, was wir gesagt haben: unsere Kirche steht woanders.” Und auch Initiator Thorsten Maruschke freute sich: "Deutlicher kann das Zeichen nicht sein."
Anlass für den Aufruf der homosexuellen Pfarrer vor knapp zwei Wochen war ein offener Brief von rund 30 Pfarrern überwiegend aus den Kirchenkreisen Lüdenscheid-Plettenberg und Soest an den Präses. Sie hatten darin unterstrichen, gelebte Homosexualität entspreche nicht der Schöpfungsordnung Gottes und ihn aufgefordert, diesen „Weg der Abkehr von der biblischen Orientierung” nicht weiter zu gehen.
Dies nahmen die 100 Pfarrer und Gläubigen zum Anlass, ebenfalls an Buß zu schreiben. In dem Brief heißt es: „Wir teilen mit Ihnen die Sorge um die weitere bestehende Diskriminierung homosexueller Menschen innerhalb der Kirche, aber auch innerhalb der Gesellschaft. Die Kirche Jesu Christi muss hier parteiisch sein und sich auf die Seite der Ausgegrenzten stellen, wie Jesus selbst es auch getan hat.” Das habe Buß mit seinen Äußerungen beispielhaft getan. Er bewege sich damit auf derselben Linie wie schon der Synodalbeschluss der Westfälischen Kirche von 1996 "Sexualität verantwortlich gestalten".
Die Unterzeichner teilen ebenso Buß' Einschätzung, dass die immer wieder zur Verurteilung männlicher Homosexualität herangezogenen Bibelverse dazu nicht aussagefähig seien. "Sie sind kontextuell zu betrachten und auszulegen, wie uns die moderne Bibelwissenschaft lehrt. Tut man dies, so kommt man wie Sie zu dem Ergebnis, dass sie von ganz anderen Dingen reden als von Homosexualität im heutigen Sinne."
Im Blick auf die Eheschließung für Homosexuelle sei man jedoch anderer Meinung als Buß. „Wenn in einer Partnerschaft generationenübergreifende Verantwortung gelebt wird, so ist dies Grund genug, dies staatlich, aber auch kirchlich anzuerkennen und zu fördern”, so die Unterzeichner. Sie seien sich jedoch darüber bewusst, dass gerade in diesem Punkt „noch viel kirchlicher (und gesellschaftlicher) Diskussionsbedarf” bestehe. Deshalb begrüße man die Anregung des Präses, die Diskussion nicht abreißen zu lassen.
Die Unterzeichner bitten Buß nachdrücklich, diesen Weg weiter zu verfolgen und bieten ihm dazu ihre Mitarbeit an. „Es wird kein bequemer und leichter Weg sein”, heißt es abschließend, „er wird unsere Kirche herausfordern, aber wir müssen ihn um des Evangeliums willen beschreiten.”

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