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Bayerns buntester Bürgermeister

05.04.2008 | 09:09 Uhr

Bodenmais. Durch den Bayerischen Wald weht der Wind des Wandels. Der Wahlerfolg von Michael Adam, der am 1. Mai das Bürgermeisteramt von Bodenmais übernimmt, erschüttert die CSU im Freistaat.

Michael Adam jubelt zum Wahlsieg Stichwahl am 16. März 2008 (Bild: Michael Lukaschik)

Michael Adam hat nach Ansicht des bayerischen SPD-Fraktionschefs Franz Maget „alles, was man in Bodenmais nicht haben darf”: Er ist 23 Jahre alt, Sozialdemokrat, evangelisch und homosexuell. „Unwählbar”, hätte jeder Experte im schwarzen Bayern über diese Kombination geurteilt.

Doch Michael Adam weist das gelassen zurück. Die Stadt, in der er aufgewachsen ist, sei „weltoffen und tolerant”, unterstreicht er im Gespräch mit der WR. Er habe sich dort nie als Exot empfunden. Seine Homosexualität sei bekannt und „nie ein Problem” gewesen.

"Wir warten mal ab"

In der Bäckerei Strohmeier schwingt Skepsis mit. „Die Leute wollten's ja so”, sagt die Chefin, die sich für den neuen Amtsinhaber nicht begeistern kann. Zurückhaltend äußert sich auch Ruth Biendl-Weikl im Friseursalon am Ort. „Überrascht waren wir schon”, sagt sie, „vor allem durch die Jugend”. Aufregung herrsche aber nicht. „Wir warten mal ab.” „Ich freue mich auf meine Aufgabe”, sagt Michael Adam, Student der Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft im nahen Regensburg.

„Nein, ich habe keine kalten Füsse”, antwortet er selbstbewusst. „Die Menschen erwarten ja nichts Unmögliches von mir.” Aber doch etwas Neues, einen anderen Politikstil, mehr Offenheit und Transparenz. Vorgänger Fritz Wühr, den Adam mit seiner unbekümmerten Art herausforderte und in der Stichwahl mit 56 Prozent der Stimmen klar besiegte, war für ihn stets eine Respektsperson.

„Er kam gerade ins Amt, als ich eingeschult wurde”, erinnert sich Adam. Und dann blieb er da, wie das so üblich ist - gerade in den ländlichen Regionen. „Bayerisches Lebensgefühl - das war ja fast gleichgeschaltet mit der CSU.”

In fast jedem Verein dabei

Nicht für Michael Adam. Seine Eltern, in deren Haus er bis heute lebt, sind Mitglieder der SPD; seine Schwester, die in Frankfurt studiert, engagiert sich bei den Jusos. Der frischgewählte Bürgermeister mischt praktisch in jedem Verein mit, den es in Bodenmais gibt: in der Gewerkschaft, in der Feuerwehr und bei „Weißblau Königstreu”, einem Verein für Brauchtumspflege, der eine Folkloretanzgruppe unterhält. Zu festlichen Anlässen zieht Michael Adam seinen Trachtenanzug an. „Das gefällt mir”, sagt er, „das ist einfach schön.”

Über einen Verein, den Förderverein für offene Jugendarbeit, kam er auch zur Politik. Es ging um die Einrichtung eines Jugendtreffs. „Da habe ich gelernt, dass man im vorpolitischen Raum nicht weit kommt”, erinnert sich der künftige Bürgermeister eines 3300-Einwohner-Ortes, dessen Jugend schrumpft. „Die 18- bis 30-Jährigen machen noch 13 Prozent der Bevölkerung aus”, hat Adam ermitteln lassen. „Wir haben ein massives Abwanderungsproblem, genau wie im Osten oder schlimmer.” Der Fremdenverkehr im Bayerischen Wald ist ein wichtiges Standbein. Dem Tourismus verdanke er die „ganz kleine” evangelische Kirche am Ort.

Bei höchstens fünf Prozent protestantischer Bevölkerung sei das Gotteshaus ohne die Besucher aus Berlin und NRW kaum zu erhalten. Auf einen 18-Stunden-Tag stelle er sich ein. „Ich bin Single”, sagt er. Bei seinem Lebensstil sei es „schwierig, einen Partner zu finden, der das mitmacht”.

Vorbild: Willy Brandt

Nach seinen Vorbildern befragt, antwortet Michael Adam: „Sie werden es nicht glauben, das ist Willy Brandt.” Der langjährige SPD-Vorsitzende und ehemalige Bundeskanzler habe noch „Visionen” gehabt. Seiner Partei auf Bundesebene empfiehlt der Wahlsieger aus Bayern dringend, ihre „Grabenkämpfe” einzustellen. „Wir haben uns in Hamburg links positioniert, und Hessen hat gezeigt, dass wir mit linken Inhalten Erfolg haben können.”

Petra Kappe

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Kommentare
05.04.2008
15:21
Bayerns buntester Bürgermeister
von Dirk | #21

Merkwürdig, wie unterschiedlich geschriebene Texte aufgefasst werden können. Mein Text zumindest war in keinster Weise belehrend oder bewertend gemeint.

Nochmal zur Erklärung:
Ob Schwul, Behindert oder Ausländer. Die Kommentare unter den Texten sehr an der Grenze des guten Umgangs miteinander. Ich finde es genauso geschmacklos, wenn man sagt schickt alle Ausländer dahin, woher sie kommen, als auch den Kommentar von kinketatz: Das ist ja Ekelhaft, ich glaube es gibt mittlerweile mehr Schwule als richtige Männer.

Ob die Menschen (allgemein) in bestimmte Schubladen passen, war letztlich auch nicht die Frage. Ich wollte lediglich mitteilen, dass in Bayern ein Politiker (nun kommt die Schublade) als katholisch, CSU-angehörig und Familienmensch gilt. Deshalb entstand auch dieser Text, der gewählte Poliker passt halt nicht in das typische Bild.

Letztlich noch in Bezug auf die Auswanderung in ein schwulenfreies Land, die jemand vollziehen wollte: Mein Kommentar Wir sind überall war keine Drohung (womit sollte wohl gedroht werden?), sondern vielmehr ein Denkanstoß, dass es in allen Ländern der Welt halt auch alle Arten von Sexualitäten gibt. Sibirien als Auswanderungsgebiet nannte ich nur, da dort offensichtlich eine sehr geringe Bevölkerung anzutreffen ist.

Einmal kurz Bezug nehmend auf den Artikel: Mir ist es egal, ob der Bürgermeister schwul, eine Frau oder ein Schwarzer ist.
Eigentlich bedarf es solcher Artikel überhaupt nicht, um Platz zu machen für wichtigere Dinge.

Abschließend der Satz von jcm: Ein Spätpubertierender aus genetisch verändertem Bodenmais, der ausser von Tu(n)ten und Blasen kaum Ahnung haben und somit Protestwahl-Sieger sein dürfte, ist nicht nur für mich kein politisches Vorbild.
Dieser Satz ist rhetorisch eine Kostlichkeit, jedoch von relativ wenig Sachverstand.

05.04.2008
14:26
Bayerns buntester Bürgermeister
von jcm | #20

Hach, wie gut dass Schwule ihre Stereo-Typen nicht pflegen, nicht wahr, G-Knight, mein Lieber?!Oder sollte ich besser sagen: über die Stereotypen regen sie sich nur auf, wenn sie von Nicht-Schwulen persifliert werden. Kein Deut besser als die CSU´ler, würde ich mal sagen, da könnt ihr euch noch so sehr als die Guten Männer hinstellen.

Schon garnicht, wenn ich dann sowas lese: Sibirische Tundra als Rat an Detlef. Schon vergessen, wer so alles dorthin zum verrecken verschickt wurde, vor nicht allzu langer Zeit? Genau: auch Homos!!

Bei eurem rosaroten Weltbild gerät ihr Hinweis, G-Knight, mein Lieber, dass ihr überall seid, als eine Drohung in mein Ohr. Aber so richtig aus den Löchern traut ihr euch auch nicht (ich zähle sie mal dazu, mit soviel Homo-Wissen, dass sie hier verbreiten). Denn trotz Gleichberechtigungs-Gesetz gibt es noch genug, die sich darüber aufregen, wenn ihr stereotyp daher gewackelt kommt! Ist nicht nur meine Beobachtung, nicht wahr G-Knight, mein Lieber?!

Wie auch immer: Ein Spätpubertierender aus genetisch verändertem Bodenmais, der ausser von Tu(n)ten und Blasen kaum Ahnung haben und somit Protestwahl-Sieger sein dürfte, ist nicht nur für mich kein politisches Vorbild.
Stößchen!!!!

05.04.2008
12:11
Bayerns buntester Bürgermeister
von mobel | #19

Haben nichts gegen Schwule jeder das seine !

05.04.2008
11:50
Bayerns buntester Bürgermeister
von G-Knight | #18

@ detlef
Es umgeben dich in deinem Leben mehr Schwule, als du dir jemals vorzustellen wagst. Wir sind überall!
Als Auswanderungsgebiet schlage ich die sibirische Tundra vor. Da gibt es kaum Menschen. Vielleicht kommst du dann mal zur Besinnung.

@mobel
In der Türkei gibt es nicht weniger Schwule als anderso. Allerdings gibt es Länder, in denen man das nicht zeigen darf, weil man sonst z. B. hingerichtet wird.
Juso, EV und schwul ist halt nicht das typische Bild eines Bayrischen Polikers. Es geht um Stereotypen.
Bayern ist traditionell, ist CSU, hat ne Familie mit Kindern, ist katholisch.

05.04.2008
11:46
Bayerns buntester Bürgermeister
von mobel | #17

Ich habe nichts dagegen , soll sich nur kein Beispiel an Herrn Westerwelle nehmen

Wir brauchen Politiker die uns nicht ,immer erzählen wie gut es uns geht in Deutschland !Sondern Fackt reden ,und nicht soviele Versprechungen machen ,aber sowas wäre ein Traum . mal sehen wie der Junge Mann sich entwickelt .


Eins noch :Juso, schwul und evangelisch- das habe ich nicht so ganz verstanden liebe WAZ ich habe mich schlapp gelacht über eure Überschrift !
Ich bin EV. bin ich jetzt auch schwul ? (-:

05.04.2008
10:46
Bayerns buntester Bürgermeister
von roosterkatze | #16

Warum eigentlich nicht. Laßt ihn doch erst einmal sein Amt antreten. Jung und dynamisch und vor allem ehrlich ist mir lieber als das was in der Politik so üblich ist. Lügen, Korruption ala Koch, Meyer, Huber und Konsorten.

05.04.2008
10:24
Bayerns buntester Bürgermeister
von mobel | #15

@detlef Türkei

05.04.2008
10:11
Bayerns buntester Bürgermeister
von Meinungsfreiheit | #14

detlef tu uns den Gefallen und wandere aus.

05.04.2008
09:14
Bayerns buntester Bürgermeister
von detlef | #13

@hermann
vielleicht macht er seinen Job ja richtig und nicht verkehrt.

05.04.2008
08:56
Bayerns buntester Bürgermeister
von mobel | #12

Genauuuuuuuuu,wen er besser ist wie die anderen KnallXXXen wähle ich nur noch Schwule .

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