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Weinmesse

Auf der Suche nach dem guten Tropfen

29.03.2011 | 15:45 Uhr
Auf der Suche nach dem guten Tropfen
Rund 3600 Aussteller präsentieren ihre Weine auf der ProWein in Düsseldorf. Foto: Matthias Graben/WAZ

Düsseldorf. Hier warten geschätzte 150 000 bis 180 000 Liter Wein auf ein fachkundiges Publikum. Die ProWein gilt als weltweit wichtigste Fachmesse. Wie soll man hier den richtigen Wein finden?

Ernst Büscher lacht. „Sie meinen den berühmten guten Tropfen? Wenn Sie hier nur probieren wollen, verlieren Sie schnell den Überblick.“ Büscher ist Sprecher des Deutschen Weininstitutes (DWI), das ideeller Träger der Weinmesse ist. Man muss ein Raster entwickeln, so einfach es auch ist: rot oder weiß, trocken oder restsüß, nach Ländern oder...

Das DWI selbst macht in Burgunder. Nachdem die Riesling-Botschaft der vergangenen Jahre bei den Weintrinkern angekommen ist, gab es Themenbedarf. Deshalb dürfen drei Damen, das Haar in der jeweiligen Weinfarbe getönt, in Düsseldorf das Pinot-Trio präsentieren – Burgunder hoch drei: Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder. „Deutschland ist der drittgrößte Spätburgunder-Produzent weltweit, nur wissen viele das nicht“, sagt Büscher. Ausgesuchte deutsche Weingüter bestücken den DWI-Stand mit Burgunder. „Von den 700 Flaschen nehmen wir nicht mehr viel mit nach Hause“, meint Büscher.

INFO
Gutes Preis-Genuss-Verhältnis

Für den Jahrgang 2010 rechnet das Deutsche Weininstitut mit einer Preisanpassung nach oben. „Die Winzer hatten mit insgesamt sieben Millionen Litern rund 25 Prozent weniger Ertrag“, sagt DWI-Sprecher Büscher. Im Vergleich zu ausländischen Produzenten sei das Preis-Genuss-Verhältnis jedoch sehr gut.

Hauptproduzenten von Burgunderweinen sitzen traditionell in Baden und in der Pfalz.

Rund 800 deutsche Weingüter stellen den Hauptanteil der Aussteller auf der Düsseldorfer ProWein.

Eigentlich ist die ProWein ein Fachmesse und der Zugang entsprechend beschränkt auf Hersteller, Händler und Gastronomie. Holger Leidolf aus dem hessischen Beuerbach ist sozusagen Amateur, mit einem Weinhandel im Nebenerwerb. Holger „kann“ Bier, Holger kann Kurze, aber seine Leidenschaft sind die Weine. Auf der ProWein lässt er sich mit Küchenchef Peter und Steffi durch die Gassen treiben. Am Stand der „Gutskomplizen“, einem Zusammenschluss von fünf Winzern aus fünf Regionen, ist er hängengeblieben. Saubere, ehrliche Weine werden von Nägelsförst aus Baden-Baden ausgeschenkt, vielleicht ein Schuss Restsüße, gut wegzutrinken. „Eine Entdeckung aus dem Urlaub“, sagt Peter, der im Hotel Bad Camberg arbeitet. Was den Reiz der Messe ausmacht? „Du darfst alles probieren, a Wahnsinn“, sagt er. Holger nickt. Der 49-jährige Weinliebhaber will neue deutsche und spanische Entdeckungen machen. Die bekannten deutschen Spitzenweingüter lässt er hier aus, der Probeschluck aber, die Profiverkoster spucken ihn mit spitzem Mund in einen Napf, landet bei Holger stets im Bauch. Ein bisschen Spaß muss sein.

Gruppenbildung ist „in“. Mehrere kleine Winzer schließen sich zusammen, um gemeinsam zu vermarkten. Die Winzerinitiativen geben sich trendige Namen wie „Message in a bottle“ (Rheinhessen) oder „Frank + Frei (Franken). „Unser Name sollte peppig, nicht langweilig sein“, sagt Albert Mirbach von den Gutskomplizen.

Die Messe wird nicht nur von Getränkekonzernen, Großkellereien oder bekannten Gütern besucht. „Hierher kommen auch junge aufstrebende Winzer und kleine Betrieb, die Fuß fassen wollen“, sagt Ernst Büscher. Zu dieser Kategorie gehört Hans-Peter Ziereisen aus dem badischen Efringen-Kirchen. Ziereisen ist eigenwillig wie seine Weine, im Keller setzt er auf Spontanvergärung. Wilde Hefen aus Weinberg und Keller bringen die Vergärung des Mostes voran. Reinzuchthefen sind berechenbarer, sorgen aber auch für eine Vereinheitlichung des Weingeschmacks. Der landesübliche Gutedel, im besten Fall ein „milder“ Wein, bekommt bei ihm Muskeln, Blaue Spätburgunder heißen Tschuppen, Rhini oder Jaspis und bringen neben konzentrierter Frucht eine erdige Mineralität ins Glas. „Es sind keine easy-drinking-Weine“, sagt Thomas Jost vom Weingut Ziereisen, „man muss sie verstehen können.“

Nebenan läuft kurz Günter Jauch auf, als Winzer. Jauch ist Nachbar des Spitzengutes Van Volxem, dem TV-Mann gehört das Gut Von Othegraven. Kurzes Händeschütteln, weg ist er. Am späten Nachmittag ziehen Holger, Peter und Steffi noch ihre Runden. „Na, habt ihr einen guten Tropfen gefunden?“ – „Einen?“ Holger lacht.

Michael Schmitz



Kommentare
29.03.2011
22:58
Auf der Suche nach dem guten Tropfen
von LasseRuh | #1

Vollkommen egal, wie der Tropfen schmeckt - Hauptsache, er knallt rein.

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