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Als Nazis die Redaktion besetzten

18.04.2008 | 19:18 Uhr

Die Westfälische Rundschau fühlt sich der Demokratie verpflichtet, seit sie 1946 zum ersten Mal erschien. Schon ihr Vorgänger, der General-Anzeiger, trat dafür ein. ...

... Zum Ärger der NSDAP: Vor 75 Jahren besetzten Nazis Redaktion und Druckhaus und beendeten die demokratische Tradition der auflagenstärksten Zeitung außerhalb Berlins. Äußerer Anlass für den Schlag der Nationalsozialisten gegen die Pressefreiheit war eine Zeichnung des berühmten Pressezeichners Emil Stumpp, die an "Führers Geburtstag" den neuen Reichskanzler Adolf Hitler zeigte.

Chefredakteur musste flüchten

Allerdings war dies nur ein fadenscheiniger Anlass: Der Generalanzeiger machte schon früh als Sprachrohr der demokratischen Republik Front gegen den aufkommenden Nationalsozialismus, den er offen als "Feind" des neuen Staates brandmarkte.

Noch nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 blieb sich der General-Anzeiger mit Leitartikeln wie "Männerstolz vor Nazi-Thronen" treu. Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Am 22. Februar wurde erstmals eine Ausgabe beschlagnahmt. Am 10. März erzwang ein SA-Kommando den Abdruck einer Göring-Rede. Der engagierte Chefredakteur Jakob Stöcker entzog sich am 17. März seiner bevorstehenden Verhaftung durch Flucht nach Holland. Obwohl sein Nachfolger keine nazikritischen Themen ins Blatt brachte, wollten die Nazis mehr: Sie wollten die zweitgrößte deutsche Zeitung instrumentalisieren.

Dabei war der Einmarsch von Polizei und SS keine Anweisung von Goebbels Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, berichtet Dr. Gabriele Toepser-Ziegert. "Das war nicht gesteuert. Damals waren die lokalen Größen noch sehr aktiv. Sie haben sich nicht groß was von Berlin erzählen lassen", berichtet die Leiterin des Instituts für Zeitungsforschung. Der Befehl kam vom Dortmunder Polizeipräsidenten.

Die Zeichnung war ein willkommener Vorwand, der Zeitung das demokratische Genick zu brechen. 250 000 Leser bekamen dies sofort zu spüren: Am nächsten Tag erschien die Zeitung mit einem Hakenkreuz, der Parole "im Dienst der nationalsozialistischen Revolution und einer "Gegendarstellung" in Form eines Hitler-Fotos und dem Titel "Der Führer, wie ihn jeder kennt und liebt".

"Schriftleitung"

übernahm NS-Organ

Die "Schriftleitung" übernahm der Chefredakteur des Bochumer NS-Organs "Rote Erde". Die Reaktion der Leser kam sofort: 100 000 Abos wurden gekündigt. Der Zeichner des Hitler-Bildes, Emil Stumpp, erhielt Berufsverbot. Die 1888 von dem Papierhändler Friedrich Wilhelm Ruhfus gegründete Zeitung, 1905 vom Verlag C.L. Krüger ("Bücher Krüger") übernommen, wurde am 30. Januar 1934 in "Westfälische Landeszeitung - Rote Erde" umbenannt.

Für zwölf Jahre verstummte die demokratische Stimme des General-Anzeiger. Erst nach dem zweiten Weltkrieg lebte sie wieder auf - als Untertitel in der Dortmunder Ausgabe der WR.

Von Alexander Völkel

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