Als im Sauerland die Wälder brannten
07.08.2009 | 13:02 Uhr 2009-08-07T13:02:00+0200
Es waren die größten Waldbrandkatastrophen nach dem Zweiten Weltkrieg im märkischen Sauerland: Vor exakt 40 Jahren stand der Wixberg zwischen Altena und Iserlohn in Flammen. Ein Feuerwehrmann aus Hemer kam dabei um. Bereits im Herbst 1959 hatte ein Großbrand an gleicher Stelle getobt.
Beliebt ist die Strecke bei Spaziergängern, Wochenendausflüglern, Hobby-Fotografen, Walkern und Joggern: der Rundweg, der unterhalb der Bergspitze um den Wixberg zwischen Altena und Iserlohn führt. Der Untergrund ist unerwartet gut planiert. Die Aussicht auf die beschauliche Burgstadt Altena drunten im Lennetal und die hügeligen Höhen des Sauerlands ringsum einfach grandios.
Die Strecke ist nicht ohne Grund so ausgebaut, dass sie auch von einem Pkw gefahrlos befahren werden könnte: Der Weg ist in den 1970er-Jahren der Feuerwehr geebnet worden. Auslöser war die zweite Brandkatastrophe in dem Waldgebiet, die ein Menschenleben forderte.
Helikopter als
Lastenträger
Der August 1969 begann, wie der Juli endete: mit einer Hitzewelle. Im märkischen Sauerland hatte die lange Trockenperiode dramatische Folgen: Am 7. August, einem Donnerstag, explodiert das Pulverfass Waldbrandgefahr. Der Südwesthang des 445 Meter hohen Wixbergs geht in Flammen auf. Der Kampf gegen die Flammen kostet nicht nur die Kraft von 500 Feuerwehrleuten – sondern dem damals 27 Jahre alten Feuerwehrmann Klaus Klein aus Hemer das Leben.
Klaus Klein sitzt am Steuer von „Gustav”. So haben die Hemeraner Blauröcke ihr Tanklöschfahrzeug genannt. 1600 Liter Wasser hat der Wagen im Tank. 1600 Liter, die das Gefährt zum Schwergewicht machen. Mit Unterbrandmeister Klaus Klein sitzen fünf weitere Wehrmänner aus Hemer in der Fahrerkabine. Auf einem besseren Pfad, der durch den Wald führt, passiert die Katastrophe: Der wuchtige Wasserlieferant gerät gegen einen Felsvorsprung und verliert den Halt. Der Wagen samt Besatzung stürzt den Abhang hinunter, überschlägt sich mehrfach; die Insassen werden herausgeschleudert. Nach rund 200 Metern bleibt das Fahrzeug liegen – oder besser das, was von ihm übrig ist: Ein Haufen zerknautschtes Blech hängt zwischen Baumstämmen.
Klaus Klein ist, wie die übrige Besatzung, schwer verletzt. Zwei Tage später stirbt er in einer Bochumer Klinik. Der jüngste Sohn von Klein ist da noch nicht auf der Welt. Er wird seinen Vater nie kennenlernen.
Kleins Kameraden – Helmut K., Wilhelm P., Friedrich T., Dieter T. und Franz R. – überleben, haben aber ein Leben lang an den Folgen ihrer Verletzungen zu leiden. Nicht nur der Körper, auch die Seele hat Schaden genommen. Reden mochten und möchten sie bis heute nicht über den Schicksalstag.
Hilfe beim Löschen am Wixberg kommt schließlich aus der Luft. Von einem Hubschrauber der Polizei Dortmund aus dirigiert der Altenaer Feuerwehrchef den Großeinsatz. 10 000 Meter Schläuche müssen in dem steilen und unwegsamen Waldgelände verlegt werden. Der Helikopter hilft auch logistisch. Als Lastenträger. „Der hat Pumpe und Schläuche an den Haken genommen und hat sie auf die Bergspitze geflogen”, erinnert sich Hermann Beckmerhagen, damals junger Feuerwehrmann und später stellvertretender Stadtbrandmeister der Burgstadt, an die Entlastung.
Die Lage bleibt lange angespannt. „Das Feuer kann jetzt unter Kontrolle sein und in zehn Minuten wieder ausbrechen”, heißt es noch nach drei Tagen intensiver Löscharbeiten. Als Brandursache ermittelt die Kripo später eine achtlos weggeworfene Zigarette.
Mit der Waldbrandkatastrophe 1969 wiederholte sich ein Feuersturm, der zehn Jahre zuvor an gleicher Stelle noch heftiger gewütet hat:
Munitionsreste
explodieren
Im Herbst 1959 gibt sich das Wetter lange trocken. Tagsüber steigt das Thermometer im Sauer- und Siegerland auf wenig herbstliche 20 Grad. Regen? Seit Wochen Fehlanzeige.
„Wälder in Flammen – Großalarm im Sauerland” titelt die WR Anfang Oktober.
Bei Plettenberg gehen 26 Hektar Wald in Flammen auf; es brennt bei Lüdenscheid, in Werdohl, in Herscheid. Der Waldboden ist so trocken, dass der Wasserstrahl aus den Feuerwehrrohren wie von Beton abprallt.
Am 4. Oktober 1959 beginnt es am Wixberg zu brennen. Gegen 21 Uhr fällt der Fernsehempfang im Umkreis aus – die Flammen haben die Antenne des Umsetzers auf der Bergspitze eingeschlossen. Das Feuer scheint bereits gelöscht, als es am 6. Oktober, durch einen auffrischenden Wind angefacht, völlig außer Kontrolle gerät.
800 Einsatzkräfte kämpfen schließlich gegen die Flammenwände: Feuerwehren aus Südwestfalen und dem östlichen Ruhrgebiet, Bundeswehreinheiten, belgische, englische und kanadische Streitkräfte. Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg explodieren, lösen eine Kettenreaktion aus. Haushoch schlagen den Wehrleuten die Flammen entgegen, bedrohen ein Wohngebiet und kommen einem Gasbehälter gefährlich nahe. Erst am 12. Oktober ist der Waldbrand gelöscht und der Katastrophenalarm kann aufgehoben werden.

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