Aktion gegen Neonazis: "Wir wollen Euch nicht in dieser Stadt!"
07.09.2008 | 15:18 Uhr 2008-09-07T15:18:00+0200
"Wir wollen Euch nicht in dieser Stadt!" Diese deutliche Botschaft richtete Hartmut Anders-Hoepken, Dortmunds Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, bei der Kundgebung auf dem Theaterplatz an die Neonazis.
Vor etwa 1000 Teilnehmern forderte der Theologe die Dortmunder auf, ein "deutliches und nachhaltiges Zeichen zu setzen". Mit Fahnen (SPD, AWo, Grüne, Die Falken, Die Linken und anderen), mit Transparenten ("Nazis - sag nein", Gewaltfrei gegen Neonazis) mahnten Dortmunder und Besucher aus dem Umland vor Faschismus und wachsender Fremdenfeindlichkeit. OB Dr. Gerhard Langemeyer ("Die Stadt bleibt bunt statt braun") wies auf die lange antifaschistische Tradition hin und warnte vor der "immer dreister werdenden rechtsextremen Szene". Dortmund dürfe nicht zu einer Hochburg der Rechten werden, sagte der OB, sondern müsse "eine Stadt der Vielfalt bleiben".
Vielfalt, Offenheit und Liberalität
Jede einzelne Genehmigung für einen Aufmarsch von Rechten sei einer zuviel, so die Schüler Jana Herrmann und Lennart Peiler (beide vom Emmanuel-Kant-Gymnasium) und Nora Froelich (von der Heinrich-Böll-Gesamtschule) auf der Kundgebung. Beifall erhielt das mutige, junge Trio für ihre Forderung nach "früher beginnenden und guten politischen Bildung von Kindern". Sie müsse schon im Grundschulalter beginnen.
Vielfalt, Offenheit und Liberalität müsse Dortmund auch künftig auszeichnen, hoffte Emre Gülec, der stellvertretende Vorsitzender des Ausländerbeirates: "Wir dürfen die Stadt nicht den Rechten überlassen", war Samstag Mittag seine deutliche Forderung. Zwischen Migranten und Deutschen gebe es längst "mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede".
Mahnwachen nicht zugelassen
"Wir müssen von Sonntag bis Sonntag aufmerksam sein", mahnte Eberhard Weber vom DGB und Sprecher des Arbeitskreises Dortmund gegen Rechtsextremismus. Vor allem aus den Stadtteilen und von "mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft" forderte Weber ein deutlich stärkeres Engagement. Dies gelte ebenso am Arbeitsplatz. Deutliche Kritik gab es von Weber in Richtung Polizeipräsident Hans Schulze, dass Mahnwachen an drei Stolpersteinen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nicht zugelassen worden seien: Besser wäre ein Verbot des Neonazi-Aufmarschs gewesen als "einzig richtige demokratische Antwort".
Schutz der Nazis, aber kein Schutz vor den Nazis
Tülin Dolutas vom Bündnis gegen Rechts kritisierte: "Zum Schutz der Nazis tut die Polizei alles, zum Schutz vor den Nazis tut die Polizei nichts". Sie forderte den Polizeipräsidenten auf, mehr zu tun für die Vielfalt in dieser Stadt oder sein Amt niederzulegen. Bei allem ernsten Hintergrund sorgte der türkische Kabarettist Ilhan Atasoy als selbsternannter "König vom Borsigplatz" für ein paar Minuten für Heiterkeit bei den Besuchern auf dem Theatervorplatz.
