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Abschiedslied

23.11.2009 | 19:52 Uhr

Aufgepasst, es wird jetzt gleich ein bisschen schwarzhumorig. Nur damit Sie nachher nicht sagen, ich hätte Sie vorher nicht gewarnt.

Also: Neulich beim Radiologen. Der Patient, ein ziemlicher Hypochonder übrigens, lag auf der Pritsche des Kernspintomographen. Links über dem Auge Mörderkopfschmerzen. Seit Tagen schon. Das solle er besser mal checken lassen, hatte der Hausarzt gemeint. Nicht, dass da am Ende noch ein Tumor . . . - Wie beruhigend.

Die Arzthelferin, eine im Grunde nicht völlig unsympathische Person, gab letzte Anweisungen. „Ganz ruhig liegen, nicht bewegen. Ich setze Ihnen erst noch einen Kopfhörer auf, bevor ich Sie in die Röhre schiebe. Da kommt dann Musik.”

Was soll man in einem solchen Moment erwarten?! Musikalisch, meine ich. „Tunnel Of Love” von den Dire Straits vielleicht. Oder „Ein Licht ganz am Ende des Tunnels” aus dem Musical „Starlight Express”. Oder irgend einen anderen Song mit lebensbejahender Grundnote.

Es erklangen sodann die ersten Töne. Zwei Menschen sangen, ein Mann und eine Frau, Andrea Bocelli und Sarah Brightman - und sie sangen, ja genau: „Time To Say Goodbye.” Zeit, Abschied zu nehmen.

Der Patient lag ganz ruhig. Er bewegte sich nicht. Über dem linken Auge hämmerte die Stirnhöhlenentzündung.

Frank Fligge

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