15-Jähriger zu zwei Jahren Haft verurteilt
05.05.2010 | 18:08 Uhr 2010-05-05T18:08:00+0200
Bergkamen. Vor einem halben Jahr hielt ein vermeintlicher Amoklauf in einer Bergkamener Hauptschule eine ganze Stadt in Atem. Jetzt haben die beiden Täter, 16 und 15 Jahre jung, die Quittung bekommen. Der Jüngere geht für zwei Jahre ins Jugendgefängnis. Der ältere hat seine zweijährige Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt bekommen. „Er hat eine günstige Sozialprognose”, sagte Manuel Ginzel, stellvertretender Pressesprecher des Landgerichts Dortmunds nach der Urteilsverkündung am Mittwochnachmittag.
Dabei hatte dieser 16-Jährige im vergangenen November für den Einsatz einer Hundertschaft der Polizei und zahlreicher weiterer Sicherheitsdienste gesorgt, nachdem er mit gezückter Waffe in seine eigene, eine 9. Klasse, marschiert war, seine Lehrerin bedroht, geschlagen und beschimpft hatte.
Was zu diesem Zeitpunkt keiner wusste: Die Waffe war „nur” eine Schreckschusspistole, die der jüngere Täter, heute 15, seinem Vater stibitzt hatte.
Aus Angst vor dem Vater ohne Maske
Was ebenfalls keiner wusste: Der 16-Jährige hatte die dramatische Tat bewusst unmaskiert inszeniert, „um in den Knast zu kommen”, wie er gestern Richterin Brigit Vielhaber-Karthaus in nicht-öffentlicher Sitzung erzählte. Der Junge, der wegen Fehlverhaltens für eine Woche von der Heide-Hauptschule suspendiert worden war, hatte soviel Angst vor der Strafe seines Vaters, dass er offenbar lieber ins Gefängnis gehen wollte. Das glückte nur bedingt: Nach der relativ schnellen Festnahme kam er in U-Haft, später – bis zum Prozess – in eine betreute Jugendeinrichtung. Dort war das Verhalten des jungen Bergkameners so positiv, dass sich die Richterin entschloss, ihn dort bis auf Weiteres zu belassen. „Dass der Junge rundherum geständig war, hat ihm ebenfalls geholfen”, erläuterte Manuel Ginzel.
Die Lehrerin, die im November in Bergkamen-Weddinghofen mit der Waffe bedroht worden war, war erst einmal ein Krankenhaus eingeliefert worden. Mittlerweile unterrichtet sie wieder. Allerdings an einer Grundschule.
Die geschockten Mitschüler wurden erst einmal von Schulpsychologen betreut.
Die Sicherheitsmaßnahmen an der Heide-Hauptschule wurden nach dem Vorfall verschärft. Unter anderem gibt es jetzt Überwachungskameras auf dem Gelände.
Das Geständnis beinhaltete neben der Bedrohung und Beleidigung in der Schule auch einen gemeinschaftlichen Raub mit dem jüngeren Angeklagten. Die beiden hatten zwei alte Damen auf dem Friedhof überfallen und ihnen die Handtaschen geklaut. Zudem hatte der 16-Jährige eine Kioskbesitzerin und eine Mitschülerin mit der Schreckschusspistole bedroht.
Noch länger ist die Liste der Straftaten bei dem jüngeren Täter. Ein missglückter Versuch eines Handtaschenraubes vor einem Supermarkt und – in „Zusammenarbeit” mit anderen Jugendlichen – ein Motorraddiebstahl und ein Einbruch mit Diebstahl von PC-Spielen gehen auf sein Konto. Und nicht nur das: Der Junge, der erst im November 15 Jahre alt wurde, gilt als nicht „beschulbar”. Seine Schule – ebenfalls in Bergkamen, allerdings nicht die Heide-Hauptschule – hatte ihn verwiesen, da er sich in keiner Weise einfügen konnte oder wollte.
Auch vor Gericht zeigte sich der Jugendliche nicht sehr einsichtig, versuchte seine Taten herunterzuspielen, sagte Ginzel. Die Richterin war nicht überzeugt, auch nicht von der Sozialprognose. Sobald das Urteil rechtskräftig ist, muss der 15-Jährige seine Haftstrafe antreten. Schon zuletzt saß er in U-Haft, da er auch in der Jugendeinrichtung, in der er zuerst untergebracht war, aus der Rolle fiel.

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