1000 Unterschriften gegen Diskriminierung
05.03.2010 | 17:41 Uhr 2010-03-05T17:41:00+0100Dortmund. Mit einem Leitfaden zum Umgang mit dem Thema Homosexualität will die Evangelische Kirche von Westfalen nun auf die innerkirchliche Diskussion reagieren. Das kündigte Präses Alfred Buß (Foto) gegenüber unserer Zeitung an.
Die Betroffenheit war groß in dem Konvent „Kreuzundqueer” und unter vielen anderen homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern der Evangelischen Kirche von Westfalen, als Ende des vergangenen Jahres eine neue Diskussion zum Thema Homosexualität in ihrer Kirche entbrannte. Der Anlass: Präses Alfred Buß hatte sich beim Kirchentag in Bremen für einen „Weg vom Nein zum Ja” zu homosexuellen Menschen ausgesprochen und war davon von rund 30 Pfarrern - überwiegend aus dem sauerländischen Raum - kritisiert worden. „Sehr beunruhigt und bestürzt”, kritisierten diese in einem offenen Brief, habe man dies zur Kenntnis genommen. Den Weg, den der Präses einfordere, könne und wolle man nicht mitgehen. „Er ist aus unserer Sicht ein Weg der Abkehr von der biblischen Orientierung.”
Die homosexuellen Pfarrer konterteten ihrerseits mit einem offenen Brief, um ihrem Präses den Rücken zu stärken - und meldeten nun einen erfolgreiches Zwischenergebnis: Nach drei Monaten haben mittlerweile 1000 Unterstützer den offenen Brief unterzeichnet, der die Haltung von Präses Buß zur Annahme homosexueller Menschen in der Kirche unterstützt - darunter neben Pfarrern und Gemeindemitgliedern auch Wissenschaftler, Künstler sowie Landes- und Bundespolitiker.
„Ausgrenzung und Diskriminierung haben in unserer Kirche nicht das letzte Wort. Das haben wir mit unserer Reaktion unmissverständlich klar gemacht”, bilanzierte Thorsten Maruschke, einer der Initiatoren des offenen Briefes, gegenüber der WR. Und der Dortmunder Gemeindepfarer Hanno May, Sprecher von „Kreuzundqueer”, freute sich: „Das ist wirklich überwältigend, zu sehen, wieviel Kollegen, Laien, Presbyter und Mitglieder von Synoden unterzeichnet haben.” Damit sei das eingetreten, was man sich von dieser Aktion erhofft habe: „Unsere Kirche ist anders geworden und positioniert sich wirklich anders als die 30 Pfarrer sich dies gewünscht haben. Man sieht, dass es sich bei ihnen nur um eine ganz kleine Minderheit handelt, die wieder zurück möchte in Zeiten, wo es noch Diskriminierung gab.”
Der tausendste Unterzeichner ist Rolf Bürgers, Pfarrer der Ev.-Lutherischen Gemeinde Obernbeck im Kirchenkreis Herford. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Diese Aufforderung des Paulus (Röm 15,7) gilt es auch in der Begegnung mit homosexuellen Menschen umzusetzen“, sagt er. Er sei froh über die deutlichen Äußerungen von Präses Buß und wolle seine Landeskirche ermutigen, den von ihr eingeschlagenen Weg klar und mutig weiterzugehen.
Gegenüber unserer Zeitung kommentierte auch Präses Alfred Buß die 1000 Unterschriften: „Das Thema Homosexualität wird nicht mehr tabuisiert. Das ist gut. Gut ist auch, dass viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche sehr selbstverständlich miteinander umgehen - egal ob sie hetero- oder homosexuell orientiert sind.” Buß wies jedoch auch darauf hin, dass es in der Kirche weiterhin unterschiedliche Positionen gebe. „Mir liegt daran, diese unterschiedlichen Positionen miteinander im Gespräch zu halten.” Deshalb werde die Evangelische Kirche von Westfalen einen Leitfaden zum Umgang mit dem Thema entwickeln, in dem Empfehlungen für die Gemeinden gegeben werden.
Hanno May begrüßt das: „Das ist sicherlich eine gute Hilfestellung für Gemeinden, die sich mit diesem Thema schwer tun.”
Rolf Bürgers hält die theologische Weiterarbeit und Aufklärung an diesem Thema weiter für unerlässlich. So wollen die Beteiligten ihren offenen Brief nicht als Schlussakkord, sondern als Auftakt für den von Präses Buß angestoßenen Weg vom Nein zum Ja verstanden wissen.

10:23
Ich gehe eh nicht in die Kirche. Als ungläubiger Heide ist es mir daher egal ob dort nun ein schwuler Priester predigt oder irgendein anderer.
05:44
Das ist eine sehr erfreuliche Meldung für die EKD-Landeskirche Westfalen und zeigt wie offen und ehrlich die evangelische Landeskirche Westfalen homosexuelle Paare theologisch und ethisch akzeptiert. Als Mitglied der Landeskirche Westfalen finde ich dies gut.
Übrigens wenn man sich die Unterzeichnerliste der rund 30 Pfarrer aus dem sauerländischen Raum genauer anschaut, so waren dies überwiegend alles Personen, die mittlerweile bereits in Pension sind und im Altersdurchschnitt bei über 70 Jahren lagen.
Dies zeigt, das sich unsere Gesellschaft und unsere Landeskirche sehr positiv mit sehr grosser Mehrheit verändert hat. Die Menschen, in den Generationen unter 70 Jahre in unserer Kirche haben den offenen Umgang mit homosexuellen Paaren akzeptiert und begriffen. Dies merkt man auch beispielsweise, wenn man sich mit heutigen angehenden evangelischen Theologiestudenten in Münster unterhält.
Daher die 1.000 Unterschriften sind ein klares Signal und ein deutliches Statement für den weiteren Weg unserer Landeskirche Westfalen bei diesem Thema.
Homosexuelle Paare, die zum Standesamt gehen, stehen im Leben füreinander ein, unterstützen sich gegenseitig finanziell und gehen gemeinsam glücklich durch das Leben. Unsere CDU Familienministerin Schröder nannte dies sogar sehr treffend einen zutiefst konservativen Wert, das homosexuelle Paare zueinander finden und füreinander im Leben einstehen.
Als Kirche sind wir gefordert, diese Paare in unserer Kirche willkommen zu heißen und hierzu dient auch der Segnungsgottesdienst nach dem Gang des homosexuellen Paares zum Standesamt. Ich selbst war bereits zweimal Gast bei solchen gelungenen Segnungsgottesdiensten in der Landeskirche Oldenburg und in der Landeskirche Rheinland.