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NRW kann Schlecker-Frauen nicht helfen

04.06.2012 | 14:32 Uhr
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Der Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, Guntram Schneider (SPD), traf am Montag mit Mitarbeiterinnen des insolventen Schlecker-Konzerns zusammen. Foto: Sascha Schürmann/dapd

Düsseldorf.   Das Land NRW kann den betroffenen Schlecker-Mitarbeitern keine konkrete Hilfe anbieten: Bei einem Treffen mit Beschäftigten sicherte Arbeitsminister Guntram Schneider lediglich zu, sich für einen Sonderfonds des Bundes stark zu machen. Die Jobchancen für die Schlecker-Frauen schwinden.

Nach dem endgültigen Aus für die Drogeriemarktkette Schlecker hat NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) einen finanziellen Hilfsfonds des Landes für die vor ihrer Entlassung stehenden Mitarbeiter abgelehnt. „NRW ist nicht in der Lage, den Fonds oder eine Transfergesellschaft zu stemmen“, sagte Schneider nach einem Treffen mit 100 „Schlecker-Frauen“ in Düsseldorf. Schneider drängte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Gespräch mit dem Gesamtbetriebsrat von Schlecker.

Der NRW-Minister sicherte den Schlecker-Mitarbeiterinnen zu, in Verhandlungen mit den Arbeitsagenturen alles auszuloten, was machbar sei. Die Frauen sollen in andere Betriebe vermittelt oder weiter qualifiziert werden. „Ich kann aber nicht versprechen, was ich nicht halten kann“, sagte der Minister. In NRW sind rund 2500 Beschäftigte von der Insolvenz betroffen.

Verdi: Erst wenige Schlecker-Mitarbeiter gekündigt

Lieselotte Hinz, Landesfachbereichsleiterin der Gewerkschaft Verdi, beklagte, dass bundesweit bisher erst 1500 Schlecker-Mitarbeiter vermittelt wurden. Häufig seien Frauen über Arbeitsagenturen in befristete Jobs oder lediglich in Betriebspraktika vermittelt worden. Hinz sprach mit Blick auf die Praktika für langjährige Fachkräfte von einem „Skandal“.

Auch die Arbeitsagentur ist skeptisch. Die Arbeitsmarktsituation für die vor der Entlassung stehenden Schlecker-Mitarbeiter sei angespannter als noch im März. „Der Arbeitsmarkt ist nicht so aufnahmefähig, dass er das so kurzfristig wegstecken kann“, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Im März mussten etwa 11.000 Schlecker-Mitarbeiter, vorwiegend Frauen, gehen. „Bei der ersten Entlassungswelle lag bei den meisten noch ein Sozialplan zugrunde“, sagte die Sprecherin. Es seien die Angestellten mit den besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt gewesen. Da sei die Arbeitsagentur noch verhalten optimistisch gewesen.

Nach der Entscheidung zur Stilllegung des Ehinger Unternehmens vom Freitag werden jetzt weitere mehr als 13.000 Mitarbeiter voraussichtlich Ende Juni gekündigt. „Es wird jetzt nicht leichter“, sagte die Arbeitsagentur-Sprecherin. „Jetzt kommen Menschen, die zu einer Personengruppe gehören, die es per se schwieriger haben“, sagte sie weiter. Dazu zählten ältere Mitarbeiter oder solche, deren Qualifikationsniveau nicht so hoch ist.

Viele Schlecker-Frauen fürchten finanziellen Absturz

Die Dortmunder Schlecker-Betriebsrätin Gabriele Wittig sieht die entlassenen Mitarbeiter „am Boden. Man stirbt stückchenweise.“ Falls sich Meldungen bestätigen sollten, dass sich die Schlecker-Familie geweigert habe, die fehlenden neun Millionen Euro zur Rettung des Unternehmens bereit zu stellen, mache sie das wütend.

Video
Berlin, 01.06.12: Das Ende der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker ist besiegelt, einen Verkauf an Investoren wird es nicht geben – das teilte der Insolvenzverwalter am Freitag mit. Rund 13.200 Mitarbeiter erhalten bis Ende Juni ihre Kündigung.

Beim Treffen der 100 Schlecker-Frauen in Düsseldorf war die Stimmung gedrückt. Da Schlecker übertarifliche Löhne gezahlt hatte, fürchten viele Frauen den finanziellen Absturz. Arbeitsminister Schneider hofft bis zuletzt auf einen bundesweiten Fonds zur Lohnfortzahlung, um die Arbeitslosigkeit um zwei bis drei Monate hinauszuschieben. Er sei bereit, dies mit dem Bund und allen Ländern zu besprechen. Auch Schneider glaubt aber nicht mehr, dass das Unternehmen in NRW gerettet werden kann.

Die bundesweit 13.200 Schlecker-Beschäftigten müssen bis Ende Juni mit ihrer Kündigung rechnen. Nach dem Beschluss des Gläubigerausschusses wird die Drogeriemarkt-Kette abgewickelt. Auf dem Treffen der „Schlecker-Frauen“ in Düsseldorf erneuerte Schneider seine Forderung an Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), den überwiegend weiblichen Mitarbeitern von Schlecker mit unorthodoxen Maßnahmen, schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Die Bildung einer Transfergesellschaft, um Zeit zu gewinnen, war nicht zuletzt am Widerstand der FDP gescheitert. (mit dapd)

Wilfried Goebels

Kommentare
06.06.2012
14:27
NRW kann Schlecker-Frauen nicht helfen
von mister_t | #23

Es ist die Aufgabe des Staates arbeitslos gewordenen Menschen zu helfen. Genau dafür gibt es die Arbeitslosenversicherung, die dann das Gehalt zu bestimmten Sätzen weiter zahlt. Jede zusätzliche Zahlung wäre eine Ungleichbehandlung der nicht unter die "Lex Schlecker" fallenden Arbeitslosen.

Die Familie Schlecker, aber auch die Gewerkschaften und die Presse, sind sehenden Auges in diese Insolvenz gelaufen. Mir kann keiner erzählen, dass weder Gewerkschaft, Familie Schlecker oder die Fachpresse etwas davon gewusst haben.

Jetzt nach der Politik zu schreien ist mal wieder die einfachste Lösung, aber definitiv die ungerechteste. Von daher meine Hochachtung für die Haltung der FDP, auch wenn ich die sonst ja gar nicht so mag ...

05.06.2012
15:19
@Dummberger #20
von feinripptraeger | #22

Tja, da ist Ihr Name wohl Programm !

1. Ich kann keine Beschimpfung meinerseits gegenüber Irgendjemandem erkennen.
2. Ihre, auf Unwissenheit basierende, Beschreibung meiner rückwärtigen Körperpartie
erfüllt eher den Tatbestand einer solchen!

Ich habe immer noch im Ohr, wie eine Betriebsratsvertreterin von Schlecker (NRW)
im Interview geschwärmt hat, wie schön es doch bei Schlecker war - und wie
regelmäßig das Gehalt gekommen sei - es wäre doch schöner alles bliebe so wie es war. Kein Scherz!

Mit ein wenig Mühe finden Sie den Beitrag vielleicht im der Mediathek des WDR2.

Was mich stört, ist das ein jeder seine Selbstverwirklichung und Freiheit in Anspruch nehmen will.
Kommt man mit den damit verbundenen Konsequenzen nicht zurecht, dann wird wieder nach dem Staat ( also der Allgemeinheit) geschrien.
Bes******t man aber bei der Steuererklärung - darfs dann gerne wieder etwas
weniger Staat sein ...
Darüber sollten Sie eher mal nachdenken - nicht über mein Gesäß ...

05.06.2012
07:04
NRW kann Schlecker-Frauen nicht helfen
von tho_mse | #21

Warum hat sich wohl kein Investor gefunden? Weil es sich nicht lohnt. Wenn ein Unternehmen gescheitert ist kann es nicht Aufgabe des Staates sein das Sterben zu verzögern.

05.06.2012
02:07
feinripptraeger | #19
von dummmberger | #20

Ekelhaft!

Man kann ja über den Sinn von Transfergesellschaften und staatlichen Hilfen diskutieren.

Aber hier die Menschen zu beschimpfen, die ohne eigene Schuld in die Arbeitslosigkeit stürzen, ist sowas von daneben.

Es ist immer leicht, wenn man auf seinem fetten A**** am Computer sitzt, über Probleme anderer Menschen zu lästern.

05.06.2012
01:36
NRW kann Schlecker-Frauen nicht helfen ...
von feinripptraeger | #19

Mir schwillt der Kamm, wenn ich nun das Gejammere höre!
Da stellen sich Betriebsräte und "Noch"-mitarbeiter vor die Mikros und reklamieren, das ein Fond nun eine Überbrückung von bis zu 2 Monaten bringen soll. -Toll!
Als wenn es im Juli - übrigens in den Schulferien in NRW - auf einmal mehr Arbeitsplätze geben wird ...

Wenn man übrigens wusste, wie schlecht es um das Unternehmen stand, dann wäre es doch wohl angebracht gewesen sich mal früher um einen Job zu kümmern - aber nein, jetzt soll mal wieder die Allgemeinheit ran!

Wer kümmert sich eigentlich um die Tausende, die jährlich in Klein- und Kleinstunternehmen ihren Job verlieren?
Da sind weder Politiker, noch Betriebsräte oder andere Gewerkschafter zu sehen.

Wahrscheinlich ist der werbeeffekt zu gering...

05.06.2012
00:36
NRW kann Schlecker-Frauen nicht helfen
von Rike57 | #18

Natürlich "DARF" die Politik nicht helfen.Was sollen denn alle anderen Arbeitslosen machen? Macht man in Sachen Schlecker eine Ausnahmen, kommt morgen Firma Schwarz und übermorgen Firma Weiß.
Die, die es schon lange getroffen hat, lässt man im Regen stehen!

Hier hilft nur eines.Sogar denen, die schon länger von der Keule Arbeitslosigkeit getroffen wurden.
Das bedingungslose Grundeinkommen!
Beugt Kinder- und Altersarmut vor und hilft gegen Lohndumping!

1 Antwort
Bedingungsloses Grundeinkommen
von feinripptraeger | #18-1

führt nur zu Massenarbeitslosigkeit - es sei denn diese Grundeinkommen ist lächerlich gering.

Auch den Sozialromantikern sollte langsam mal dämmern, dass es, aufgrund der demografischen Entwicklung, immer weniger Beitragszahler - aber mehr Empfänger geben wird. Warum soll ich dann noch arbeiten, wenn ich mindestens einen "bedingungslosen" Nassauer mitschleppen soll?
Die Rechnung geht nicht auf !

04.06.2012
23:57
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Name von Moderation entfernt | #17

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04.06.2012
23:26
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Name von Moderation entfernt | #16

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04.06.2012
22:31
NRW kann Schlecker-Frauen nicht helfen
von holeve | #15

Ich bin auch der Meinung, dass man als Staat keine besondere Hilfe leisten sollte. Jedes Arbeitslosenschicksal ist schlimm. Außerdem scheint ja diese raffgierige Schleckerfamilie genug Geld zu haben, um ihren bisherigen Arbeitnehmern/innen eine vernünftige Abfindung zu zahlen. Mithin genau den Beschäftigten, die dieser Familie das Vermögen erarbeitet haben.

04.06.2012
20:31
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Name von Moderation entfernt | #14

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