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NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit

31.12.2012 | 11:51 Uhr
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
Ständig für den Chef erreichbar zu sein sorgt bei vielen Arbeitnehmern für Stress.Foto: ThinkStock

Düsseldorf.  Die NRW-Landesregierung fordert klare Regeln, wann ein Arbeitnehmer für seinen Chef erreichbar sein muss. Es sei nicht hinnehmbar, wenn diese ständig real oder auch nur durch die Erwartung, es könne ein wichtiger Anruf kommen, gestört würden, sagte Arbeitsminister Guntram Schneider.

Chemiekonzern
Evonik will klare Regeln für den Umgang mit E-Mails

Viele Arbeitnehmer leiden heute unter psychischen Belastungen. Das beklagt Evonik-Chef Klaus Engel. Für den Umgang mit der E-Mail-Flut brauche ein Unternehmen Regeln – bei Evonik werden sie deshalb gerade entwickelt. Auch Anrufe vom Chef am Wochenende gehören zu diesem Themenkomplex.

Berufstätige Menschen sollen nach dem Willen der rot-grünen Landesregierung besser vor Mails und Anrufen im Feierabend geschützt werden. Zusammen mit drei weiteren Bundesländern arbeitet Nordrhein-Westfalen momentan an einem Entwurf für eine bundesweite Verordnung, wie NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) im dapd-Interview ankündigte. Damit sollen Pausenzeiten und die Freizeit wieder stärker der Erholung dienen.

Schon im Sommer hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen einen Streit über moderne Arbeitsbedingungen entfacht. Damals forderte die CDU-Politikerin klare Regeln, wann ein Arbeitnehmer für seinen Chef erreichbar sein muss. Die "Flut von hochmodernen Kommunikationsmitteln" schaffe zwar viel Flexibilität, sagte die Ministerin damals. "Aber das kann auch überfordern, indem Menschen die Balance zwischen Erholungszeit und Arbeitszeit nicht mehr finden." Wirklich passiert ist seitdem aber nichts.

  Geht es nach NRW-Arbeitsminister Schneider, ist nun Zeit zu handeln. Es sei nicht hinnehmbar, wenn die Freizeit ständig real oder auch nur durch die Erwartung, es könne ein wichtiger Anruf kommen, gestört werde. "Es nutzt weder den Beschäftigten noch den Betrieben, wenn überforderte Mitarbeiter aus Krankheitsgründen ausfallen", sagte der Sozialdemokrat.

"Hang zur Selbstausbeutung"

Zwar dürfe schon jetzt kein Chef eine Erreichbarkeit "Rund um die Uhr" von seinen Mitarbeitern verlangen, ohne das die gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit beachtet werden. "Es gibt aber auch informellen Druck", sagte Schneider. Wenn keine klaren Ziele und Erwartungen formuliert würden, sei der "Hang zur Selbstausbeutung" groß. "Insbesondere da, wo Arbeitskraft leicht ersetzbar ist oder wo viel mit Karriereversprechen gearbeitet wird."

Schon jetzt gibt es zwar im Arbeitsschutzgesetz eine Regelung, wonach der Arbeitgeber seine Mitarbeiter vor psychischen Gesundheitsgefahren schützen muss. In der betrieblichen Wirklichkeit stünden beide Seiten aber vor dem Problem, dass nicht klar sei, was konkret gemacht werden solle. "Die gesetzlichen Anforderungen müssen deshalb konkreter gefasst und mit praxisnahen Handlungsanleitungen unterlegt werden", forderte Schneider.

Zusammen mit Brandenburg, Bremen und Hamburg arbeite NRW momentan an einer bundesrechtlichen Verordnung, die Beschäftigte vor den Gefahren psychischer Belastungen schützen soll. Der Entwurf soll in Kürze vorgelegt werden.

Für den Umgang mit der ständigen Erreichbarkeit gibt es aber auch gute Beispiele. So regeln einige Betriebe laut Schneider, dass 30 Minuten nach Arbeitsende keine Mails mehr auf die Smartphones der Mitarbeiter weitergeleitet werden. Bei anderen Firmen gebe es für eine Rufbereitschaft zum Ausgleich Ruhezeiten oder Zuschläge. Besondere Herausforderungen ergäben sich allerdings bei kleinen Betrieben, die in der Regel nicht über Betriebsräte verfügten. "Deshalb führt an klaren bundesgesetzlichen Regelungen sicher kein Weg vorbei", forderte der Minister. (dapd)


Kommentare
03.01.2013
01:07
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von obermaier | #5

Wenn ich hier einige Kommentare lese muss ich kotzen. In unserer Geiz ist geil Gesellschaft sind Werte völlig verloren gegangen. Es fehlt an Rückrat, die Chefs reiben sich nicht nur die Hände. Kinder, erholsame Freizeit und ungestörtes Familienleben sind völlig unwichtig geworden. Es gab mal eine Zeit da haben sich Arbeitnehmer nicht alles gefallen lassen aber scheibar ist das Leben als williger Ochse einfacher.

01.01.2013
13:48
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von schRuessler | #4

Man kann sich nur nochj an den Kopf packen, wenn man sieht, wie Vorschläge, die Arbeitnehmern zugute kommen sollen, von Arbeitnehmern verrissen werden.

Die jahrelange neoliberale Gehirnwäsche trägt doch Früchte.

01.01.2013
12:58
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von michalek | #3

Das kostet Arbeitsplätze. Sollten solch ein Gesetz durch kommen stärken die Unternehmen den Wettbewerb in den anderen Bundesländern oder den Benelux-Staaten. So ein Vorschlag kann auch nur von einem früheren Gewerkschaftsfunktionär kommen.
Die betroffenen Arbeitnehmer haben dann jede Menge ungestörte Freizeit aber kein Job mehr.

31.12.2012
13:55
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von DaDU | #2

Vielleicht sollte Herr Schneider dies erstmal für die Landesbediensteten umsetzen. Einige "Chefs" im öffentlichen Dienst sind der Meinung man müsste immer erreichbar sein, unter Umgehung der Rufbereitschaftsregeln.

1 Antwort
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von xxyz | #2-1

Unsere Minister zeichnen sich dadurch aus, dass sie viel fordern und den eigenen Laden vernachlässigen.

Fordern ist auch einfacher und gibt oft eine Schlagzeile.

31.12.2012
12:07
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von xxyz | #1

Es wäre schön, wenn Herr Schneider mehr Prioritäten auf Arbeitsplätze in NRW, von denen Menschen leben können, legen würde. Wieder so eine Forderung.

Es ist doch super, dass viele Menschen die Chance haben flexibel zu arbeiten. Die Gruppe kann häufig den Tag flexibel mit der Arbeit kombinieren. Das ist genau das, was familienfreundliche, moderne Arbeit auszeichnet. Wenn es nicht "brennt", erwartet auch keiner eine 7/24-Erreichbarkeit, wenn dies nicht vereinbart ist.

Statt den Menschen hier Freiräume zu lassen, die in einer globalisierten Wirtschaft mit wechselnden Zeitzonen etc. erforderlich sind, kommt jetzt wieder die Regulierungswut durch.

Nach den Meinungen der Arbeits-Dinosaurier muss wahrscheinlich wieder die Zechensirene zum Schichtbeginn und -ende ertönen, damit dann alle zur Arbeit marschieren. Diese Welt gibt es aber nicht mehr. Das ist auch gut so. Viele Verkehrsströme entzerren sich, Menschen teilen sich ihre Arbeitszeiten flexibel ein. Das ist gut so.

2 Antworten
NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von ekelalfred1 | #1-1

Sie können ja wohl von Rot-Grüpnen Realitäts- und Arbeitsverweigerern keine sinnvollen Vorschläge erwarten. ;-)

NRW fordert Regeln gegen ständige Erreichbarkeit
von xxyz | #1-2

Zumindest kann man von unserer Regierung verlangen, dass sie arbeitet.

Es gibt nur Forderungen in Richtung Berlin. Die aktuelle Wirtschaftslage interessiert nicht. Wenn ich die Vorschläge lese, habe ich meine Zweifel, ob die Globalisierung schon bei den Gewerkschaften und Politikern angekommen ist.

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