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Jetzt kämpft auch Solarworld ums Überleben

26.01.2013 | 00:27 Uhr

Bonn/Essen. Neue Hiobsbotschaft in der krisengeschüttelten Solar-Industrie: Nachdem vor wenigen Tagen die Solar-Tochter von Bosch einen Verlust von einer Milliarde Euro bekanntgab, geriet gestern das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld aus Bonn in finanzielle Schieflage. Den Gläubigern, darunter auch viele Privatanleger als Besitzer von Unternehmensanleihen, droht ein Schuldenschnitt. Und damit erhebliche finanzielle Einbußen. Die Gläubiger sollten „gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten tragen“, teilte Solarworld am Donnerstagabend nach Börsenschluss mit.

Hintergrund der dramatischen Entwicklung bei den Herstellern von Solarmodulen und Siliziumkristallen: Nach einem anfänglichen Boom der Solar-Industrie – in Deutschland ausgelöst durch die Gesetzgebung mit Einspeisevorrang für Sonnenenergie und subventionierten Abnahmepreisen – haben inzwischen Billig-Konkurrenten aus China den Markt aufgerollt. Die chinesische Industrie, die als hoch subventioniert gilt, hält schätzungsweise einen Marktanteil bei Solarpaneelen von 80 Prozent.

Eine Insolvenzwelle rollt seit 2011 durch Deutschland und hat namhafte Hersteller wie Solar Millennium oder Q-Cells in Insolvenzverfahren gedrückt. Letzterer wurde von Südkoreanern übernommen. In Gelsenkirchen war eine Fertigung von Scheuten Solar vom Insolvenzantrag betroffen, das Unternehmen wurde von einem Investor aus China übernommen. Die EU-Kommission prüft seit September 2012 in einem Anti-Dumpingverfahren Strafzölle gegen chinesische Hersteller.

Der scharfe Wettbewerb mit China brachte nun auch den Bonner Konzern in Bedrängnis. Es stünden „gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen“ an. Der Aktienkurs von Solarworld brach daraufhin gestern um 30 Prozent ein und notierte im Börsensegment Mdax mit 1,15 Euro. Ende September hatte Solarworld eigenen Angaben zufolge langfristige Schulden in Höhe von 1,04 Milliarden Euro. Darunter 543 Millionen Euro in Anleihen und 354 Millionen in Schuldscheinen.

Die von einem möglichen Schuldenschnitt betroffenen Anleihen gingen gestern ebenfalls auf Talfahrt. Die Papiere notierten an der Börse in Stuttgart nur noch bei rund einem Viertel ihres Nennwerts. Solarworld-Chef Frank Asbeck (53) sagte, es drohe keine Insolvenz. Auch habe das Unternehmen eine „positive Fortführungsprognose“, es benötige aber eine Entlastung bei den Schulden. Nachdem 2012 zehn Prozent der Stellen auf nun 2500 Arbeitsplätze gestrichen worden waren, soll es weitere Stellenstreichungen geben. Die nun anstehenden Gespräche mit Banken und Anleihegläubigern könnten Wochen und Monate dauern, sagte Asbeck. Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte, es spreche „viel dafür, dass eine Überschuldung droht, wenn keine Lösung gefunden wird. Nun wird den Anleihegläubigern die Pistole auf die Brust gesetzt. Im Klartext: Entweder sie verzichten auf einen Teil ihres Geldes, oder sie laufen Gefahr, im Rahmen einer Insolvenz noch mehr, wenn nicht alles zu verlieren.“ Eine Insolvenz liege weder im Interesse der Aktionäre noch der Anleihebesitzer.

Solarworld könnte nun versuchen, die beiden ausstehenden Anleihen gegen eine neue mit für sie besseren Konditionen zu tauschen. Das dürfte aber wohl nur mit einem Besserungsschein funktionieren, der den Gläubigern das Recht gibt, die alten Anleihekonditionen zu bekommen, wenn das Unternehmen wieder wirtschaftlich gesund ist, so Tüngler. Solarworld könnte den Anleihebesitzern auch Aktien anbieten. Also ein Tausch im Rahmen einer Kapitalerhöhung von Fremd- in Eigenkapital. Herbe Einschnitte drohen in jedem Fall.

Thomas Wels

Kommentare
27.01.2013
01:09
Jetzt kämpft auch Solarworld ums Überleben
von klabautermann77 | #2

Aber dem Chef geht es noch gut - konnte er sich doch mal so nebenbei Gottschalks Schlösschen kaufen.

Angeblich für seine gemeinnützige Stiftung - Zweck der Stiftung? Woür braucht die Stiftung ein Schloss für mehrere Millionen?

26.01.2013
19:40
Jetzt kämpft auch Solarworld ums Überleben
von urpi | #1

Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde die Solarförderung nicht daran gekoppelt, dass die Module aus Deutschland kommen. Chinesische Hersteller haben sich für die deutsche Förderung ihrer Wirtschaft bedankt. Wie dumm dürfen eigentlich politische Entscheidungen sein? Und anschließend zahlen wir Harz IV für die Arbeitslosen aus der Solarbranche.

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2013-01-26 00:27
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