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Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab

25.01.2013 | 19:52 Uhr
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Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
Dieser Lehrling wird zum Uhrmacher ausgebildet.Foto: dapd

Berlin.   Jeder vierte Lehrling bricht seine Ausbildung ab. Ein Grund für die hohe Quote ist ein entspannter Ausbildungsmarkt – die Bereitschaft zum Wechseln steigt. Doch gibt es auch viele Problembranchen: die Gastronomie zum Beispiel. Mehr als jeder zweite Kellner-Azubi hat 2011 hingeworfen.

Der Lohn ist bescheiden und die Arbeit dauert oft bis spät in die Nacht. Permanent halten einen die Gäste auf Trab – Bedienung sein kann hart sein. Womöglich hat deshalb mehr als jeder zweite Kellner 2011 seine Ausbildung abgebrochen. Auch bei Umzugshelfern, Wachleuten, Köchen, Kosmetikern oder Gebäudereinigern waren die Quoten kaum besser. Dies geht aus Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) hervor, die laut „Welt“ in den neuen Berufsbildungsbericht der Bundesregierung fließen. Bei Verwaltungsangestellten, Elektronikern oder Bankkaufleuten hielten dagegen gut 90 Prozent der Azubis durch.

Über alle Berufe hinweg betrachtet hat 2011 nahezu jeder vierte Lehrling seine Ausbildung abgebrochen. So mussten die Arbeitgeber 149.760 Verträge vorzeitig lösen, allein 31.755 davon in NRW. Mit 23,5 Prozent lag die Abbrecherquote an Rhein und Ruhr knapp unter dem Bundesschnitt von 24,4 Prozent. Während in Baden-Württemberg nur jeder fünfte Lehrling aufgegeben hat, rangieren Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am unteren Ende mit Ausstiegsquoten von 33,9 beziehungsweise 33,6 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält die Abbrecherzahlen für ein großes Problem. „Alle Ausbildungsberufe mit einem hohen Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen haben seit Jahren konstant die höchsten Abbrecherzahlen“, sagte die Vize-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Vera Demary, Ausbildungsexpertin beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), begründet die Abbrecherquote mit dem entspannten Ausbildungsmarkt. „Auf jeden unversorgten Bewerber kommen etwa doppelt so viele unbesetzte Stellen. Wer also heute seine Ausbildung abbricht, hat dennoch sehr gute Chancen, eine andere Stelle zu finden.“

Oft sind falsche Vorstellungen der Grund

Sehrbrock und Demary sprachen sich für ausbildungsbegleitende Hilfen für die Betriebe aus. Dabei geht es darum, schwächeren Lehrlingen zu helfen. Während 38,6 Prozent der Lehrverträge mit Azubis ohne Hauptschulabschluss aufgelöst wurden, waren es bei Abiturienten nur 13,6 Prozent.

Dass viele Lehrlinge vorzeitig das Handtuch werfen, mag auch an falschen Vorstellungen liegen. Die Jugendlichen sollten sich vorher über ihre Ausbildung informieren, sei es über Internet, Arbeitsagentur oder Fachlehrer, sagte Hans Michaelsen von der IHK zu Essen. Außerdem empfiehlt er Praktika im Vorfeld. „Wer merkt, dass er nicht die richtige Ausbildung macht, sollte aber schnell abbrechen und umsteigen.“

Daniel Freudenreich

Kommentare
16.03.2013
16:46
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von StephanM | #12

Hallo zusammen,

für mich ich das alles nicht mehr nachvollziehbar.
Unsere Tochter(Fachabitur Mai 2013)wäre froh wenn Sie einen Ausbildungsplatz hätte.Hat jetzt ca.60 Bewerbungen raus...mehrere Eignungstest hinter sich.........Fazit: Alles absagen und keine Lehrstelle in Aussicht.(Und das mit guten Noten)

Leute was macht ihr denn alle...........?

27.01.2013
12:04
Das sind die Schulabgänger froh, mühselig einen Ausbildungsplatz zu haben....
von Wurzelputz | #11

....und brechen die Ausbildung ab!!!????

Sind dann älter und suchen einen anderen Ausbildungsplatz, das wird schwer, oft unmöglich.
Und was dann? Fördermaßnahmen? Ach so, keinen Bock? Weibliche Auszubildende werden vielleicht alleinerziehende Mutter?? In unserem Betrieb laufen auch so etliche Auszubildende rum. Gut, sie laufen rum, ansonsten will ich mich über deren Motivation nicht auslassen. Und hoffentlich werden die nicht übernommen, dann bleibt die Arbeit bei mir hängen.

Man fällt schön ins soziale Netz, wie gut. Man muss ja nicht mehr für sich sorgen mit eigener Hände oder Gehirn Arbeit. Auch Hotel Mama ist Klasse. Gäbe es das alles nicht, würde man sich einen Ausbildungsabbruch schwer überlegen müssen, um zu überleben.

Im noch folgenden Leben wird man auch höchst selten immer nur im erlernten Beruf arbeiten sondern sich weiterentwickeln und auch mal in eine andere Branche wechseln. Aber etwas intensiv erlernt und abgeschlossen zu haben ist immer eine solide Basi

27.01.2013
11:32
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von firefighter | #10

Der Beruf, in dem man sich ausbilden lässt, wird man -meistens- sein ganzes Leben ausüben.
Wenn man schon während der Ausbildung merkt, dass das nicht für einen ist, bricht man ab und sucht sich etwas, was zu einem passt.

Ist doch gut, wenn man das früh erkennt!
Die Deutschen sind leider viel zu verbissen.
Früher hat man bei Firma XY gelernt und hat bis zur Rente dort gearbeitet.
Heutzutage ist das nicht mehr möglich!

Achja,... Rente gibt es auch nicht mehr!

26.01.2013
17:51
Zu hohe Erwartungen?
von wohlzufrieden | #9

Man darf natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber: Als ich meine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann 1971 im Kaufhof begann, bekam ich im ersten Lehrjahr 170 DM. Mein erste Aufgabe am Morgen: Staub saugen und Staub wischen. Bei Hochbetrieb wurde alle Lehrlinge in die Lebensmittelabteilung geschickt, um Einkaufswagen zu schieben. Dazu kam noch der alleinige Transport der damals noch sehr schweren Farbfernseher vom Lager in den Verkauf. Geschadet hat mir das alles nichts. Im Gegenteil: Wir haben gelernt, und vor keiner Arbeit zu drücken. Und es gab wenig Geld. Doch dafür gab es etwas viel besseres: Ein Kaufhaus war damals wie ein Mikrokosmos. Und in unserer Abteilungen war es so, wie in einer Familie, einer für alle, alle für einen. Mobbing war genau so ein Fremdwort, wie Markenklamotten und Life-Style-Artikel. Die Zeiten haben sich in fast jeder Beziehung zum schlechteren gewendet.

2 Antworten
*daumenhoch*
von sellerieschubser | #9-1

"Und in unserer Abteilungen war es so, wie in einer Familie, einer für alle, alle für einen. Mobbing war genau so ein Fremdwort, wie Markenklamotten und Life-Style-Artikel. Die Zeiten haben sich in fast jeder Beziehung zum schlechteren gewendet."

Meine Lehre, 1984 begonnen/Lebensmitteleinzelhandel, war auch kein Zuckerschlecken, aber ich kann das genannte nur voll und ganz unterschreiben!!!

sellerieschubser | #9-1
von wohlzufrieden | #9-2

Danke, und schönes Wochenende!

26.01.2013
13:47
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von MalNachgedacht | #8

Ist natürlich reiner Zufall, dass es sich fast immer um Branchen handelt, wo die Erwerbsaussichten komplett für den Eimer sind.

26.01.2013
11:32
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von astor97 | #7

nicht immer liegt es an den Auszubildenden...sondern manche Betriebe nutzen Lehrlinge als billige Arbeitskräfte aus, da vermisse ich die Handwerks- und auch Handelskammer...die auf einem Auge manchesmal blind zu sein scheinen... schönen Tag noch

26.01.2013
09:53
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von hey52 | #6

Das ist aber auch blöd-da hängen die Kids den Großteil ihrer Freizeit vor dem Pc ab und sind nicht in der Lage,sich vorher einmal über die Arbeitszeiten und die Verdienstmöglichkeiten in den unterschiedlichen Berufe zu informieren.Oder waren die schulischen Leistungen etwa nicht gut genug,um selber selektieren zu können?Und die Eltern waren wohl auch nicht unbedingt während der Erziehungsphase anwesend....aber wie auch,wenn jede zweite Ehe geschieden wird.

26.01.2013
01:41
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von Pucky2 | #5

naja, bei einigen wird es schon stimmen... zu Hause Prinz oder Prinzessin und plötzlich müssen sie sich etwas sagen lassen.

Bei anderen wird es schon an der schulischen Leistung liegen, ob nun die Lehrer oder die Schüler den Stoff nicht ernsthaft durchgenommen haben.

Es liegt aber bestimmt auch am Angebot der Ausbildungsstellen. Da sagen bestimmt einige zu, nach dem Motto "Hauptsache einen Ausbildungsplatz"... und erst später merken sie, dass das überhaupt nichts für sie ist.

Die Ausbilder sind bestimmt auch nicht ganz unschuldig. In manchen Betrieben geht es nicht um Wissensvermittlung, sondern man sucht nur eine billige Arbeitskraft. Da ist ein Azubi genau das Richtige.
Alle Beteiligten sollten das Thema sehr ernst nehmen, schließlich sind die Azubis von heute, die Fachkräfte von morgen, die ja angeblich so dringend gesucht werden.

26.01.2013
00:01
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von M4wer | #4

Wird da wieder verallgemeinert?

3 von 4 brechen die Ausbildung nicht ab. Dennoch sind es die "dummen" Jugendlichen.

Das ist die Anerkennung, die Jugendliche brauchen. Ich fühle mich jetzt total motiviert #3 in ein paar Jahren die Bettpfanne zu reinigen.

Ich arbeite in meiner Ausbildung zeitweise über 13 Stunden am Tag, 60 Stunden in der Woche.
Für 450(!) Euro im Monat. Ein feuchter Händedruck ist doch was tolles.

Also bitte...

1 Antwort
Mein Mitleid hält sich in Grenzen!
von sellerieschubser | #4-1

Als ich Oktober 1984 in Handel meine Lehre angefangen habe glaubte ich noch an alles!

Im November 1984 hatte ich bereits über 80 Überstunden; im ersten Lehrjahr und mit einem Einkommen von 500, 74 DM = 255,63 Euro.

Auf meinen Einwand kam dann der alte Spruch:"Stell Dich nicht so an! Lehrjahre, sind keine Herrenjahre!".

Aber eines muss auch klar und deutlich gesagt werden:
Es kommt auf den Betrieb/den Lehrherren an! Taugt beides nicht, taugt die Lehre nicht.

Aber auch die angehenden Lehrlinge sollten sich vor der Vertragsunterschrift umfassend informieren. Das dürfte in der heutigen vernetzten Zeit ja wohl nicht so schwer fallen, oder??

25.01.2013
22:26
Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab
von nocheindirk | #3

Tja, und auf einmal merkern die Jugendlichen das das Leben nicht nur aus Pläsy und Handy besteht.

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