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Finnisches "Spiel mit dem Feuer" heizt Euro-Debatte an

17.08.2012 | 19:54 Uhr
Foto: /Lehtikuva/Martti Kainulainen

Zerbricht die europäische Währungsgemeinschaft bald oder zerbricht sie nicht? In der zunehmend heiklen Euro-Krise werden alle Worte auf die Goldwaage gelegt, das musste nun auch Erkki Tuomioja erfahren. Der finnische Außenminister räsonierte in einem Interview über die "Möglichkeit eines Euro-Bruchs" sowie die Vorzüge eines möglichen "Grexit" - und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus.

Brüssel (dapd). Zerbricht die europäische Währungsgemeinschaft bald oder zerbricht sie nicht? In der zunehmend heiklen Euro-Krise werden alle Worte auf die Goldwaage gelegt, das musste nun auch Erkki Tuomioja erfahren. Der finnische Außenminister räsonierte in einem Interview über die "Möglichkeit eines Euro-Bruchs" sowie die Vorzüge eines möglichen "Grexit" - und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Ein Kabinettskollege pfiff Tuomioja öffentlich zurück, die Bundesregierung warnte vor unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft und die EU-Kommission nannte den Euro "unumkehrbar". Der Finne ruderte daraufhin zurück, er sei missverstanden worden.

Auslöser war ein Gespräch Tuomiojas mit der britischen Zeitung "Daily Telegraph". Darin wird der Diplomat mit den Worten zitiert, Europa müsse sich "offen mit der Möglichkeit eines Euro-Bruchs" auseinandersetzen. Dies werde zwar von niemandem in Finnland - und schon gar nicht von der Regierung - befürwortet, aber: "Wie alle anderen auch" hätten die finnischen Behörden eben eine Art "Operationsplan für alle Fälle" in der Schublade liegen. Sollte es so kommen, würde dies auch nicht zwingend das Ende der EU bedeuten, im Gegenteil: "Es könnte die Funktion der EU verbessern."

Kaum ausgesprochen, wurden die Zitate in den europäischen Medien explosionsartig verbreitet. Wegen der aufkeimenden Hysterie bemühte sich Brüssel um Schadensbegrenzung: Seine Behörde treffe keine konkreten Vorkehrungen für einen etwaigen Zerfall der Euro-Zone, versicherte EU-Kommissionssprecher Oliver Bailly am Freitag. "Die Kommission arbeitet weder an einem Bruch der Eurozone, noch an einem Notfallplan, einem 'Grexit' oder irgendwelchen anderen Szenarien, die ein Land aus dem Euro ließen." Unter einem "Grexit" wird dabei der Austritt Griechenlands aus dem Euro verstanden. "Wir konzentrieren uns alleine auf den Erhalt der Eurozone", sagte Bailly.

Da es verwunderlich wäre, wenn sich die Euro-Staaten so gar nicht auf die Folgen eines potenziellen griechischen Austritts vorbereiten, entfachten Tuomiojas Äußerungen einen eher überraschenden Wirbel. Der Minister wiederum bemühte sich um Relativierung. Dem finnischen Rundfunksender YLE sagte er, seine Einlassungen seien irreführend wiedergegeben worden. "In einer Situation der Unsicherheit überlegen alle Ministerien, ob der Fall eintreten könnte, dass der Euro auseinanderbricht." Die Botschaft: Alles andere wäre ja fahrlässig, auch wenn man es nicht will.

Doch das Kind war schon im Brunnen. Der finnische Europaminister und frühere EU-Parlamentarier Alexander Stubb versicherte im US-Sender CNBC, sein Land fühle sich dem Euro "zu 100 Prozent" verpflichtet und beschäftige sich nicht mit "Weltuntergangsszenarien". Seinen Kabinettskollegen Tuomioja warnte er vor einem "Spiel mit dem Feuer". Er selbst jedenfalls könne der These, dass ein Zerfall der Eurozone verkraftbar sei, überhaupt nicht zustimmen.

Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in Warschau, wo er am Freitag den polnischen Finanzminister Jacek Rostowski und Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak traf. Ein Zerfall der Währungsunion könne unabsehbare Folgen für die Realwirtschaft in Europa und darüber hinaus haben, warnte der Vizekanzler. "Das hätte Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft." Dabei stand Rösler zuletzt selbst in der Kritik, nachdem er erklärt hatte, für ihn habe das Szenario eines griechischen Euro-Austritts "längst seinen Schrecken verloren". Auch Rostowski warnte mit einem historischen Vergleich vor dem Zerfall der Euro-Zone: Die gegenwärtige Krise sei "die größte Herausforderung für Europa seit dem Zweiten Weltkrieg".

In den Augen des österreichischen Kanzlers Werner Faymann würden "die negativen Folgen des Zerbrechens der Eurozone allfällige Vorteile für einzelne Länder bei Weitem übersteigen". Einen Rauswurf könne er daher nicht empfehlen, sagte er dem "Kurier", nachdem sein eigener Außenminister Michael Spindelegger zuvor eine Möglichkeit zum Rausschmiss von Ländern aus der Eurozone verlangt hatte, die ihre Verpflichtungen nicht erfüllen.

Ebenfalls drastisch äußerte sich der frühere hessische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Roland Koch im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung". Sollte die gemeinsame europäische Währung zerstört werden, stünde das Zusammenwachsen Europas auf Null, sagte der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger-Berger. "Null ist aber nicht 1990. Null ist 1945." Deshalb solle niemand einen Euro-Austritt Griechenlands auch nur anstreben.

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dapd

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