Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Wirtschaft

Ex-Chefs des Bankhauses Sal. Oppenheim vor Gericht

24.02.2013 | 18:39 Uhr
Foto: /ddp/Sascha Schuermann

Deutschland steht ein neuer großer Wirtschafts-Strafprozess bevor: Das frühere Führungsquartett des Bankhauses Sal. Oppenheim sitzt von Mittwoch (27.2.) an vor dem Landgericht Köln auf der Anklagebank. Die vier Ex-Chefs der einstmals größten europäischen Privatbank müssen sich zusammen mit dem Immobilienunternehmer Josef Esch wegen schwerer Untreue und Beihilfe dazu verantworten.

Düsseldorf (dapd). Deutschland steht ein neuer großer Wirtschafts-Strafprozess bevor: Das frühere Führungsquartett des Bankhauses Sal. Oppenheim sitzt von Mittwoch (27.2.) an vor dem Landgericht Köln auf der Anklagebank. Die vier Ex-Chefs der einstmals größten europäischen Privatbank müssen sich zusammen mit dem Immobilienunternehmer Josef Esch wegen schwerer Untreue und Beihilfe dazu verantworten. Nach Medienberichten vom Wochenende könnte der Strafprozess zum Auftakt einer ganze Reihe weiterer Verfahren gegen die Manager werden.

Allein im Zusammenhang mit der Beinahe-Pleite der Privatbank führt die Kölner Staatsanwaltschaft bereits 19 Ermittlungsverfahren, wie ein Sprecher dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte. Außerdem behält sich das neue Management der Bank laut "Handelsblatt" rechtliche Schritte zur Sicherung von Schadensersatz vor. Man werde das anstehende Verfahren "inhaltlich genau beobachten" und habe dazu "rechtliche Expertise hinzugezogen", zitiert das Blatt die Bank.

In dem am Mittwoch zunächst anstehenden Verfahren geht es um Immobiliengeschäfte, mit denen die fünf Angeklagten der Bank einen dreistelligen Millionenschaden beschert haben sollen. Sal. Oppenheim war 2009 in eine schwere Schieflage geraten und konnte nur durch einen Notverkauf an die Deutsche Bank vor dem Aus gerettet werden. Für das Verfahren sind 78 Verhandlungstage angesetzt.

Zwtl.: Weitere Klage schon erhoben

Laut "Focus" haben die Ermittler schon eine weitere Klage gegen die vier ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses und gegen Esch, der mit Sal. Oppenheim lange Jahre eng zusammengearbeitet hat, erhoben. Sie werden darin der Veruntreuung von 380 Millionen Euro zum Nachteil des Geldinstituts beschuldigt.

Im Kern geht es dabei laut dem Bericht um Kredite an die ehemalige Großaktionärin des früheren Handelskonzerns Arcandor, Madeleine Schickedanz, die ohne ausreichende Sicherheiten gewährt worden sein sollen. Die Quelle-Erbin fordert von dem Bankhaus sowie von Esch in einem separaten Verfahren Schadenersatz für ihr bei der Pleite von Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) verlorenes Vermögen. Insgesamt beträgt der Streitwert 1,9 Milliarden Euro. In den Strudel des Arcandor-Niedergangs war 2009 auch Sal. Oppenheim geraten.

Unter Berufung auf Justizkreise berichtet "Focus" außerdem, dass im Zusammenhang mit verlustreichen Investments der Sparkasse Köln/Bonn in Oppenheim-Esch-Immobilienprojekten und diversen Beraterverträgen 25 Strafverfahren laufen. Sie richteten sich gegen Top-Manager, Politiker, Wirtschaftsprüfer sowie amtierende als auch ehemalige Sparkassenvorstände. Ihnen werden unter anderem Steuerhinterziehung, Untreue und Korruptionsdelikte vorgeworfen.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
S-Bahnen in NRW sollen bald wieder mit Außenwerbung auf den Zügen herumfahren. Was halten Sie davon?
 
Aus dem Ressort
Massen-Entlassungen bei Hänsel-Textil in Iserlohn
Hänsel-Textil
Nach mehr als 105 Jahren vor Ort steht das Iserlohner Unternehmen Hänsel-Textil vor der Umstrukturierung. Die Stoff-Produktion in Iserlohn soll veräußert werden - 50 Mitarbeiter müssen deshalb gehen. Eine Transfergesellschaft soll ihnen helfen.
Druck auf Putin - EU verhängt Sanktionen gegen Russland
Ukraine-Konflikt
Der Druck auf Wladimir Putin wächst: Mit einem für EU-Verhältnisse ungewöhnlich schnellen Schulterschluss haben sich alle 28 EU-Regierungen auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland geeinigt. Der Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten soll erschwert werden.
Bahn zahlte Kunden nach "Ela" sechsstellige Summe aus
Unwetter
Das Unwetter von Pfingstmontag war höhere Gewalt, trotzdem müssen Bahnunternehmen ihren liegengebliebenen Fahrgästen einen Teil des Ticketpreises erstatten. Die Bahn in NRW hat bislang eine sechsstellige Summe an ihre Kunden ausgezahlt - und noch immer kann man Anträge stellen.
Aquatherm plant die Zukunft der Rohrfertigung
Wirtschaft
Der Attendorner Weltmarktführer für Rohrleitungssysteme aus Kunststoff plant ein 15-Millionen-Invest. Im Industriegebiet Biggen soll auf 15000 Quadratmetern eine neue, hochmoderne Produktionsstätte entstehen.
Elf Schweinemasten wegen Antibiotika im Tierfutter gesperrt
Landwirtschaft
Weil Kontrolleure ein verbotenes Antibiotikum im Tierfutter entdeckt haben, sind elf Schweinemastbetriebe in NRW vorerst gesperrt, drei davon im Kreis Kleve. Das betroffene Futter stammt aus den Niederlanden. Die Behörden prüfen nun, ob verunreinigtes Fleisch bereits in den Handel gelangt ist.