Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Finanzkrise

Europäische Rating-Agentur droht zu scheitern

16.04.2012 | 15:14 Uhr
Europäische Rating-Agentur droht zu scheitern
Standard & Poor's soll Konkurrenz aus Europa bekommen, so der Plan von Unternehmensberater Roland Berger. Doch das Startkapital fehlt noch.Foto: dapd

Hamburg.  Unternehmensberater Roland Berger ist die treibende Kraft beim Aufbau einer europäischen Rating-Agentur. Doch noch fehlt das Startkapital. Die deutsche Industrie lehnt die Gründung einer Rating-Agentur ab. Berger will das Projekt jedoch nicht scheitern lassen.

Die als Gegengewicht zu den drei US-Agenturen geplante europäische Rating-Agentur droht laut einem Bericht zu scheitern. Die Unternehmensberatung Roland Berger als treibende Kraft beim Aufbau der europäischen Agentur rechnet nicht mehr damit, das benötigte Startkapital von 300 Millionen Euro zusammenzubekommen, wie die "Financial Times Deutschland" berichtete. Roland Berger wollte den Bericht nicht bestätigen.

Dem Bericht zufolge setzte die Unternehmensberatung vor allem auf die Unterstützung deutscher und französischer Großbanken. Diese hätten jedoch wenig Interesse gezeigt. Die deutsche Industrie lehne die Gründung der Rating-Agentur ab, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) habe deshalb massive Lobbyarbeit betrieben.

Trotz der Probleme wolle Roland Berger das Projekt jedoch vorerst nicht scheitern lassen, hieß es weiter. Eine kleine Gruppe von Finanziers aus Frankfurt am Main solle nun zumindest soviel Geld bereitstellen, dass an der Grundidee weitergearbeitet werden könne.

Merkel ist für mehr Wettbewerb am Markt

Roland Berger erklärte, zur Gründung der Agentur lägen bislang zwar noch "keine konkreten Zusagen für angemessene finanzielle Beiträge" vor. Jedoch liefen weiter Gespräche. Die Unternehmensberatung selbst halte eine europäische Agentur "nach wie vor für richtig und wünschenswert". Ein solches Projekt könne jedoch nur Realität werden, "wenn die Industrie es sich zu eigen macht und selbst die Agentur gründet und finanziert".

Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte die Haltung der Bundesregierung, dass die Initiative für die Gründung einer Agentur aus der Privatwirtschaft kommen müsse. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) halte jedoch grundsätzlich mehr Wettbewerb am Markt für begrüßenswert, sagte Seibert.

Rating-Agenturen sind Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit und Ausfallrisiken von Unternehmen, Staaten und Wertpapieren bewerten. Den weltweiten Markt beherrschen die drei US-Unternehmen Standard & Poor's, Moody's und Fitch.

EU-Politiker sind für europäische Ratingagentur

Im Zuge der internationalen Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise waren diese massiv in die Kritik geraten. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise wurde kritisiert, die Agenturen hätten komplexe Finanzpapiere, die auf US-Immobilienkrediten aufbauten, zu gut bewertet. In der Euro-Schuldenkrise wurde ihnen vorgeworfen, die Krise durch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Ländern noch verschärft zu haben.

Zahlreiche Politiker in der EU machten sich deshalb für die Gründung einer europäischen Rating-Agentur stark. Das Roland-Berger-Projekt ist eine von mehreren entsprechenden Initiativen. Dem Modell der Beratungsgesellschaft wurden bislang allgemein die größten Realisierungschancen eingeräumt.

30 Investoren sollen je 10 Millionen Euro beisteuern

Die Agentur nach dem Konzept von Roland Berger soll als Stiftung organisiert werden. Es war vorgesehen, dass insgesamt 30 Investoren aus der Finanzbranche jeweils 10 Millionen Euro Startkapital beisteuern. Während die US-Agenturen ihr laufendes Geschäft dadurch finanzieren, dass sie von den Herausgebern von Wertpapieren für Ratings bezahlt werden, sollte die europäische Agentur mithilfe der Beiträge von Investoren betrieben werden. Unklar blieb allerdings, wie dies konkret umgesetzt werden sollte. (afp)



Kommentare
Aus dem Ressort
Container-Pläne in Dortmund sorgen für Ärger
Hafen
Wenn Wirtschaftsförderung auf Wutbürger trifft: Dortmund baut im Hafen ein Container-Terminal, das eine Job-Maschine sein soll. Es sorgt aber auch für viel Ärger – sogar bei den Grünen, die eigentlich für den Container-Verkehr sind.
Ein Sauerländer soll an die Spitze der IHK NRW
WIRTSCHAFT
Der Olsberger Unternehmer Ralf Kersting gilt als aussichtsreicher Kandidat für das Amt. Gewählt wird am 4. November.
Telefonanschlüsse vertauscht - Telekom verursacht Kabelsalat
Telefonnetz
Panne bei der Telekom: In Dinslaken wurden bei der Installation von neuen Verteilerkästen einige Anschlusskabel falsch verbunden. Die Folge: Einige Telefonleitungen sind tot, Kunden telefonieren mit der Nummer des Nachbarn und surfen eventuell auch auf dessen Kosten im Internet.
Sauerländer Ralf Kersting soll Chef der IHK NRW werden
Wirtschaft
Die 16 Industrie- und Handelskammern aus Nordrhein-Westfalen in Bochum wählen am 4. November einen neuen Präsidenten ihres Landesverbandes. Ein Sauerländer hat wohl gute Chancen auf diese Position: Ralf Kersting, Präsident der IHK Hellweg-Sauerland in Arnsberg, soll zu den Favoriten gehören.
Ruhr-Unternehmen ärgern Mindestlohn und die Rente mit 63
IHK-Umfrage
Unternehmen an Rhein und Ruhr beschreiben ihre aktuelle wirtschaftliche Lage mit großer Mehrheit als robust. Von den Industrie- und Handelskammern nach der Zukunft befragt, zeigen sich aber Sorgenfalten. Die Laune der Revier-Unternehmen sinkt vor allem wegen der Rente mit 63 und des Mindestlohns.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?