Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Facebook

Falschmeldung zum Datenschutz sorgt für Wirbel bei Facebook

12.11.2012 | 13:42 Uhr
Mit Statusmeldungen bei Facebook versuchen Tausende Nutzer zurzeit, der kommerziellen Nutzung ihrer Daten zu widersprechen.Foto: dapd

Essen.  Erneut sorgt ein "Hoax", eine Falschmeldung, im Sozialen Netzwerk Facebook für Wirbel. Tausendfach verbreiten Nutzer einen Text weiter, in dem sie "aufgrund der neuen AGBs" der "kommerziellen Nutzung" ihrer Daten widersprechen. Nur: Es wurde aktuell gar nichts an den AGB verändert. Und: Ein solcher Text würde selbst dann nicht helfen.

Mit Falschmeldungen auf Facebook verhält es sich nicht anders als mit Gerüchten in der analogen Welt. Einmal im Umlauf, verbreiten sie sich rasant weiter. Mal ist es ein angeblicher Lieferservice bei McDonald's, der die Runde macht, mal die Angst, dass private Nachrichten plötzlich sichtbar werden könnten.

Aktuell sorgt erneut eine solche Falschmeldung, ein "Hoax", für Wirbel im weltweit größten Netzwerk. Diesmal geht es um vermeintliche Änderungen bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook und die Sorge von Nutzern um ihre Daten, Fotos und Texte.

Tausendfach wird in diesen Tagen folgende Statusmeldung geteilt: "Aufgrund der neuen AGB's in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten (Texte, Fotos, persönliche Bilder, persönliche Daten) gemäß BDSG. Das Copyright meiner Profilbilder liegt ausschließlich bei mir. Die kommerzielle Nutzung bedarf meiner schriftlichen Zustimmung."

Facebook hat Nutzungsbedingungen zuletzt im Juni geändert

So oder ähnlich sehen die Bilder aus, die zurzeit massenhaft bei Facebook geteilt werden.Foto: WNM

Nutzer sehen die vermeintlich wichtige Meldung auf ihrer Übersichtsseite, kopieren sie, verbreiten sie weiter. Der berühmte Schneeball-Effekt setzt ein. Alternativ verbreiten Nutzer auch Bilder, auf denen derselbe Text zu lesen ist. Allein: Es gibt keinen aktuellen Anlass. Und selbst wenn dem so wäre: Dann würde der Widerspruch per Statusmeldung oder Text-im-Bild kaum ausreichen, um sich zu schützen.

Die "neuen AGB's" - sind schon Monate alt. Am 8. Juni wurden die Datenverwendungsrichtlinien und die Erklärung der Rechte und Pflichten von Facebook zuletzt aktualisiert. Und schon allein die Tatsache, dass viele die Mär von den "neuen AGB's" unreflektiert weitertragen, lässt vermuten: Nur die wenigsten Nutzer dürften die ausführlichen, nicht gerade simplen Bedingungen tatsächlich von Anfang bis Ende gelesen haben.

Widerspruch via Facebook-Statusmeldung "komplett unwirksam"

Gleich mehrere Blogs beschäftigen sich in diesen Tagen mit dem Datenschutz-Hoax. "Erst denken, dann klicken" heißt ein Portal, das betont: "Das 'Teilen' dieses Statusbeitrages hat absolut keinen Sinn und ist auch von der rechtlichen Seite her nicht haltbar." Auch das Blog "Allfacebook.com" bezeichnet die Meldung als "Quatsch".

Als Widerspruch gegen Nutzungsbedingungen, das betont auch der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke, ist ein solches Status-Update oder Foto "komplett unwirksam". Wer sich durch seine Anmeldung beim Sozialen Netzwerk auf Facebook einlasse, der schließe einen zweiseitigen Vertrag, aus dem er nicht einfach mit einer solchen, einseitigen Erklärung rauskomme, erklärt er.

Jurist hält Facebook-AGB in Teilen für unwirksam

Solmecke macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er einen Großteil der im Juni zuletzt geänderten AGB von Facebook für zu weitreichend und deshalb unwirksam hält. "Facebook versucht, sich wahnsinnig viele Rechte einzuräumen", sagt er. Was die Verwendung persönlicher Daten angeht, halte sich das amerikanische Unternehmen in den Nutzungsbedingungen Hintertürchen offen.

Wer sich Sorgen um seine Daten macht, dem bliebe als sicherster Schutz: die Abmeldung bei Facebook. "Die zweitsicherste Möglichkeit ist, sich Gedanken darüber zu machen, was man da postet und teilt." Oder was man eben nicht hochlädt.

Jurist Solmecke sieht zumindest einen positiven Nebeneffekt beim Datenschutz-Hoax: "Das ist zumindest ein Signal an Facebook", eine "Unmutsbekundung", die zeige, dass vielen Nutzer unwohl sei beim Gedanken daran, was der US-Konzern mit ihren Daten macht. "Was Facebook da versucht", sagt Christian Solmecke, "ist zu weitreichend."

Auf Nummer sicher

 

Sarah Hubrich



Kommentare
12.11.2012
14:20
Falschmeldung zum Datenschutz sorgt für Wirbel bei Facebook
von Dr.Seltsam | #1

Viele Leute denken einfach nicht nach.
Man muss kein Jurist sein, um zu erkennen, dass sowas Blödsinn ist.
Aber statt mal eine Minute darüber nachzudenken, oder solche Informationen selbst zu prüfen, wird so gut wie jeder Unsinn geteilt. Dabei ließen sich sicher 99 Prozent aller kursierenden Hoaxes mit nur 1-2 Minuten Googlerecherche entlarven.
Ich habe jedenfalls schon einige meiner Freunde blockiert, die mich mit all zuviel von diesen Meldungen genervt haben.

Aus dem Ressort
Pirate-Bay-Mitgründer steht in Dänemark vor Gericht
Datendiebstahl
Bis zu sechs Jahre Haft drohen dem Mitgründer der Filesharing-Website "Pirate Bay", Gottfrid Svartholm Warg. Der steht in Dänemark wegen Datendiebstahls vor Gericht. Er soll seit Frühjahr 2012 im Auftrag eines mitangeklagten Dänen öffentliche Datenbanken gehackt und Datensätze kopiert haben.
Promi-Nacktfotos- Apple prüft möglichen "iCloud-Hack"
Sicherheit
Dutzende Nacktfotos von Prominenten kursierten in den vergangenen Tagen im Internet — die Quelle ist bislang unklar. In Foren wurde Apples iCloud ins Gespräch gebracht. Jetzt prüft Apple vorsichtshalber die Sicherheit des Speicherdienstes.
"Uber" wehrt sich gegen bundesweites Verbot seiner Taxi-App
App-Verbot
Der neue Fahrdienst "Uber" bekommt Gegenwind: Das Landgericht Frankfurt hat die App per einstweiliger Verfügung bundesweit gestoppt. Zur Freude der Taxi-Unternehmer — denn sie sahen in der Vermittlung privater Fahrdienste eine starke Konkurrenz. Doch Uber gibt sich nicht geschlagen.
Wie das iPhone zur digitalen Geldbörse werden könnte
iPhone
Über das digitale Portemonnaie im Smartphone wird schon seit Jahren gesprochen. Kreditkarten-Firmen, Mobilfunk-Anbieter und der Internet-Riese Google schafften es bisher aber nicht, die Verbraucher zu begeistern. Die Hoffnungen liegen nun - wieder einmal - auf Apple.
Wie das iPhone zur digitalen Geldbörse werden könnte
iPhone
Über das digitale Portemonnaie im Smartphone wird schon seit Jahren gesprochen. Kreditkarten-Firmen, Mobilfunk-Anbieter und der Internet-Riese Google schafften es bisher aber nicht, die Verbraucher zu begeistern. Die Hoffnungen liegen nun - wieder einmal - auf Apple.
Umfrage
Bastian Schweinsteiger wird neuer Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Was halten Sie von der Entscheidung?

Bastian Schweinsteiger wird neuer Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Was halten Sie von der Entscheidung?

 
Fotos und Videos
Erinnerungen an 25 Jahre Game Boy
Bildgalerie
Spielkonsole
Merkel macht Selfies mit Schülern
Bildgalerie
Kanzlerin
Handys im Wandel der Zeit
Bildgalerie
Technik
Chaos Computer Club
Bildgalerie
30C3