Umwelt : Wie der Klimawandel das Paradies bedroht

Bonn. Die globale Klimaerwärmung lässt den Meeresspiegel unaufhaltsam steigen. Vielen Trauminseln in der Südsee droht der Untergang. Die Kirchen von 16 pazifischen Inselstaaten fordern die Industrieländer eindringlich zu Hilfsmaßnahmen auf.
Es ist ein Appell an die Verursacher des weltweiten Klimawandels, den Leidtragenden zu helfen. Die Inselbewohner bekommen die dramatischen Auswirkungen als erste zu spüren, obwohl sie zu der durch den Ausstoß von Treibhausgasen angeheizten Katastrophe am wenigsten beigetragen haben.
Keine Sicherheit
Die Staaten Tuvalu und Kiribati sind akut vom Untergang bedroht. Das Umweltinstitut der Vereinten Nationen in Bonn hält die Überflutung für unausweichlich. In zwei bis drei Jahrzehnten werde das Meer die Inseln verschluckt haben. In Kiribati musste bereits knapp die Hälfte der Bevölkerung auf größere Inseln umgesiedelt werden. Auf Dauer wird ihre neue Heimat ihnen keine Sicherheit bieten.
Verantwortung
„Ozeanien steht vor der historischen Herausforderung, dass mit vielen Inseln auch deren Kultur untergeht”, warnt der Pazifische Kirchenrat (PCC), ein Zusammenschluss der christlichen Kirchen in der Region. Er fordert eine solidarische Antwort. „Ganz besonders stehen die Industrieländer in der Verantwortung, denn deren Emissionen verursachen unseren Untergang”, sagt PCC-Generalsekretär Fei Tevi.
In ihrer Abschlusserklärung von gestern fordert die auf Fidschi tagende Pazifische Kirchenkonferenz Anpassungs- und Umsiedlungsmaßnahmen für die besonders hart vom Klimawandel betroffene Region.
Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt” unterstützt das Anliegen. „Das Thema Klimaflüchtlinge darf bei den laufenden internationalen Verhandlungen für ein neues Weltklimaabkommen nicht länger ein Tabu bleiben”, sagt Klimaexperte Thomas Hirsch. „Schon heute sind allein im Pazifik Zehntausende betroffen, die ein Recht auf Entschädigung haben.” Er kündigt an, die Bundesregierung zur Unterstützung aufzufordern. Es gehe konkret um die Umsiedlung im Pazifik und die rechtliche Anerkennung von Klimaflüchtlingen.
Überleben nicht möglich
Mehr als 27 000 Inseln liegen im Pazifik zwischen Palau im Westen und den Osterinseln im Osten. Durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Zunahme der Stürme sind die Atolle, die nur zwei bis fünf Meter über dem Meeresspiegel liegen, extrem bedroht. Der Klimawandel gefährdet die Süßwasserreserven. Ohne Trinkwasser ist ein Überleben nicht möglich. Den Menschen bleibt nur die Flucht aus dem Paradies.
Umsiedlung
Die Bewohner von Carterets nordöstlich von Neuguinea haben den Kampf um ihr Atoll bereits verloren. Sie sind zu Klimaflüchtlingen geworden, die es im internationalen Recht so gar nicht gibt. Die Vereinten Nationen schlagen Alarm. Die Entwicklung werde „alle Rahmen sprengen”, warnt Koko Warner vom UNO-Umweltinstitut in Bonn. Auch sie fordert eine internationale Verständigung über „neue Wege” der Hilfe. Die Insel Tuvalu bereite sich bereits auf ihr Ende vor. Sie soll vollständig nach Australien umsiedeln.

















