Reputations-Manager : Digitaler Putztrupp hilft bei peinlichen Bildern im Netz

Essen. Die Branche ist jung aber sie boomt. Auch in Deutschland gibt es immer mehr so genannte Reputations-Manager. Digitale Putztrupps, die den Ruf ihrer Auftraggeber im Internet aufpolieren. Damit sich niemand mit peinlichen Bildern im Netz die Zukunft verbaut.
Es ist eine Geschichte, die immer wieder gerne erzählt. Es ist die Geschichte von jungen Mann, der Verkehrspilot werden wollte und sich bewarb bei einer Fluggesellschaft. Gesund war er und das Abitur hatte er auch problemlos geschafft. Dennoch war er ohne Chance. Weil er gerne feierte. „Zu gerne”, wie der Personalchef der Gesellschaft fand. Er hatte im Internet nach dem Bewerber gesucht und war dabei auf zahlreiche Fotos gestoßen, die den Kandidaten in mehr oder weniger stark angetrunkenem Zustand zeigten. Alte Fotos, längst verjährt. Aber nie gelöscht.
Kein gutes Bild gibt ein junger Mensch bei einem Bewerbungsgespräch ab, wenn etwa im Internet Fotos beim exessiven Alkoholgenuss auftauchen. (Foto: imago)
Foto: ddp WP
Ein Reputations-Manager hätte das Debakel wohl verhindern können. Weil er vor einer Bewerbung das Internet nach verfänglichem Material durchforstet und es - wenn irgendwie möglich - entfernt hätte. In den USA gibt es solche Reputations-Manager schon länger. In Deutschland ist die Branche noch jung. „Wir sind im Januar 2008 angefangen”, sagt Susanne Wilberg von der Düsseldorfer Firma „DEINGUTERRUF.DE”.
Das Internet vergisst nichts
Das Geschäftsfeld ist weit. Immer mehr Menschen suchen im Netz nach Informationen über andere Menschen. Und finden sie auch. Weil das Internet nichts vergisst. Und weil seine Nutzer trotzdem immer mehr Informationen dort hinterlassen. Freiwillig. Sie stellen Fotos und Filme ein. Verraten ihre Lieblingsbücher ebenso wie ihre sexuellen Vorlieben und politischen Einstellungen. Plädieren für die Legalisierung von Drogen oder lästern über Arbeitskollegen. Oft sind es Momentaufnahmen, längst überholt. Doch das Netz hat sie eingefroren. Unverändert. Und nach Jahren noch können sie zurückkehren wie ein Bumerang.
Verschnupft könnte ein Personalberater reagieren, wenn er manch "unvorteilhaftes" Foto seiner Mitarbeiter im Internet findet. (Foto: imago)
Zum Beispiel, wenn ein Personal-Chef einen neuen Bewerber unter die Lupe nimmt. Und das machen immer mehr. Laut einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn nutzen bereits 34 Prozent aller Personalberater gezielt das Internet, um sich über ihre Bewerber im Vorfeld zu informieren. Dabei werden sie offenbar fündig. Denn rund ein Drittel der vom BDU befragten Personalchefs haben schon wegen gegoogelter Informationen Bewerber aussortiert. Da wundert es nicht, wenn Wilberg sagt. „Die meisten Aufträge kommen von Menschen, die vor einem beruflichen Wechsel stehen.”
Spezieller Suchroboter
Für ein paar Euro können sie bei DEINGRUTERRUF.DE nach sich suchen lassen. Einmalig oder regelmäßig einmal im Monat. Dabei hat die Firma nach eigener Aussage die Suche mit Hilfe eines speziellen Suchroboters professionalisiert. Das Ergebnis sei weit umfassender und qualitativ besser als eine selbst durchgeführte Recherche, versichert Wilberg.
Wenn die Such-Experten sie etwas finden, kann es teuer werden. Für jeden Eintrag, den er löschen lassen möchte, muss der Kunde knapp 30 Euro zahlen. Dafür nehmen die Reputations-Manager Kontakt mit dem Portal oder Webseitenbetreiber auf und bitten um Löschung des unerwünschten Inhalts. Wobei die Betonung auf dem Wörtchen „bitten” liegt. „Wir fordern nicht und drohen auch nicht mit rechtlichen Konsequenzen”, stellt Susanne Wilberg klar. Meistens sind sie trotzdem erfolgreich.
Jede Menge Jugendsünden
Über einen Mangel an Arbeit werden sich die Manager wie Wilberg in Zukunft nicht beklagen können. Denn die die Zahl der potentiellen Kunden wächst. Vor allem weil die erste Generation, die mit dem Internet groß geworden ist, nun langsam ins Berufsleben tritt. Anders als bei ihren Eltern gibt es bei ihnen jede Menge Jugendsünden, die im Internet verewigt sind. „Wir stehen”, glaubt Wilberg, „erst ganz am Anfang.”














