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GPS-Technik gegen...

Wenn der Bagger eine SMS schickt...

09.05.2008 | 22:03 Uhr
Wenn der Bagger eine SMS schickt...

Die Radlader und Bagger der Lüner Unternehmensgruppe Pamp können „sprechen”. Sie melden sich nicht nur morgens per SMS bei ihren Besitzern, um zu sagen, dass sie da sind, sondern geben auch Bescheid, wenn sie nachts oder wochenends aktiv sind.

GPS-Technik machts möglich - und hilft in Zeiten, in denen immer mehr Baumaschinen gestohlen werden, bei der Suche...

„Es gibt offenbar einen großen Interessens-Kreis von Menschen, die diese Maschinen entwenden und über irgendwelche Kanäle ins Ausland schaffen”, sagt Beate Wiemann, Geschäftsführerin des Bauindustrie-Verbandes NRW. In der Branche sei Diebstahl in den letzten Jahren zu einem Thema geworden - und führe vor allem für Mittelständler zu Schwierigkeiten: „Wenn es einmal einen Schadensfall gegeben hat, steigen die Versicherungsprämien ganz schnell in die Höhe.”  

Doch nicht nur die großen Baumaschinen-Diebstähle bereiten Sorgen: „Der gesamte Diebstahl auf Baustellen ist ein großes Problem geworden”, sagt Wiemann. „Das Entwenden von Materialien hat es vor fünf Jahren in diesem Maße nicht gegeben. Und es gibt keine Möglichkeit, seine Sachen zurückzubekommen. Sie werden über mafiöse Strukturen gleich fortgeschafft.”  Das weiß man beim Bauunternehmen Pamp aus eigenen Erfahrungen.

„Vandalismus und Diebstahl haben immens zugenommen”, sagt Geschäftsführer Erik Pamp. „Ständig werden von Baustellen Absperrungen und von Pritschenwagen Materialien geklaut. Die Täter brechen in die Lager ein und transportieren die Baustoffe mit Anhängern weg.” Selbst vor Starkstrom machen die Diebe keinen Halt: „Sie binden die Kabel an der Anhängerkupplung an und reißen sie einfach aus der Wand raus”, schildert Uwe Pamp. Nachdem den Brüdern dann auch noch zwei Radlader von einer Baustelle in Lünen gestohlen wurden - jeweils in einem Wert von rund 70.000 Euro - , griffen sie zu neuen Maßnahmen: Sie ließen in allen Baggern, Radladern und hochwertigen Inspektionsfahrzeugen für die Kanalsanierung kleine GPS-Sender installieren.

Eine Handy-Ortung ermöglicht es ihnen, ständig zu sehen, wo sich jene Maschinen befinden. Mit Hilfe eines individuellen Zeitfensters erfolgt sofort eine Alarmmeldung per SMS aufs Handy oder per E-Mail auf den Computer, sobald das Fahrzeug außerhalb dieser Zeiten bewegt wird.  Dass dieses System funktioniert, davon konnten sich die beiden Geschäftsführer kürzlich selbst überzeugen: Samstagsmittags um 14 Uhr hatte das Handy von Uwe Pamp plötzlich Alarm ausgelöst. Ein Radlader, der eigentlich auf einer Baustelle in Unna abgestellt worden war, hatte sich offenbar in Bewegung gesetzt. Und eine Rücksprache mit Polier und Schachtmeister ergab, dass gar nicht gearbeitet wurde. Pamp schaltete die Polizei ein und informierte sie über jede Bewegung. Beamte entdeckten den Radlader schließlich in Lippstadt - ohne Fahrer, abgestellt in der Nähe der Autobahn.

 „Ich vermute, dass er dort zum Abtransport bereitstand”, sagt Uwe Pamp. Doch die Täter konnte man nicht ermitteln: „Aus versicherungstechnischen Gründen ist es der Polizei leider nicht möglich, zu warten, bis wieder ein Fahrer erscheint”, bedauert der Unternehmer.  Doch schon wegen dieses einen Falles habe sich die Installation des GPS-überwachungsssystem rentiert. „Ohne diese Technik wäre der Radlader sonst weg gewesen”, weiß Uwe Pamp. Und die Folgekosten umso höher. Denn neben dem Wertverlust und höheren Versicherungsprämien bedeute ein derartiger Diebstahl auch, dass an den jeweiligen Baustellen nicht wie geplant weiter gearbeitet werden kann. „Das kann sogar den Ausfall der gesamten Kolonne bedeuten. Dann kommen schnell mal 1000 Euro in der Stunde zusammen. Und wenn man sich für einen Tag einen Radlader leiht, kommen zusätzliche Kosten dazu, die einem keiner erstattet”, sagt Erik Pamp. 

Ganz bewusst hatten sich die Lüner für ein separates Überwachungssystem entschieden und nicht für eines, das bereits in die Maschinen involviert ist: „Dann würden die Diebe an den jeweiligen Stellen sofort nachsehen und den Sender entfernen”, meint Uwe Pamp. „Durch unser System können wir es jedoch überall woanders einbauen.” Und sogar „in Baumaschinen-Farbe überstrichen oder mit Dreck versehen werden”, weiß Dr. Josef Buczynski. Er ist Geschäftsführer der Firma Cognid in Dortmund, die sich auf Ortungs- und Überwachungssysteme von Transporten spezialisiert hat - und seit zwei Jahren eine neue Technik zur Baumaschinen-Ortung anbietet. Mit den kleinen Geräten (wahlweise zwei oder vier Zigarettenschachteln groß), die fünf Jahre ohne Stromanschluss arbeitsfähig sind, sei man Vorreiter. „So etwas gibt es in diesen Abmessungen und dieser Funktionalität europaweit nicht”, sagt Buczynski. Und immer mehr Unternehmer aus der Baubranche investieren in die Überwachung: Allein im vergangenen Jahr verkaufte Cognid 700 Ortungssysteme.

LKA: Wert macht Bagger beliebt

Dem Landeskriminalamt in Düsseldorf wurde im vergangenen Jahr der Diebstahl von elf Minibaggern, 22 Radladern und 15 Bagger gemeldet. Baumaschinen sind deshalb so begehrt, meint LKA-Sprecher Frank Scheulen, weil sie einen hohen Wert haben. Seiner Ansicht nach werden sie jedoch nicht nur ins Ausland verschoben, sondern anschließend auch wieder im Bundesgebiet eingesetzt - „von der Konkurrenz”. Ein Argument dafür könnte auch sein, dass die Wartezeiten für diese Maschinen sehr lang sind. „Wenn man heute einen Kran bestellt, muss man darauf ein gutes Jahr warten”, sagt Beate Wiemann, Geschäftsführerin des Bauindustrie-Verbandes NRW. Das LKA setzt auf Prävention: „Grundsätzlich ist alles empfehlenswert, was man unternehmen kann, um sein Eigentum zu schützen”, sagt Frank Scheulen. Auch die Versicherungen honorieren dies: „Wer ein Überwachungssystem einbaut, erhält einen Nachlass von zehn Prozent”, weiß Josef Buczynski von der Firma Cognid. Die Anschaffungskosten liegen bei dem in Dortmund entwickelten „Trackcube” bei 319 beziehungsweise 678 Euro.

Katja Sponholz

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