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Frühe Hilfe entscheidend

14.06.2011 | 18:17 Uhr
Frühe Hilfe entscheidend

Velbert.   Viele Velberter Familien kommen nicht mehr klar

Wenn ein Fall wie der des 2006 von seiner Mutter und seinem Ziehvater zu Tode geprügelten Bremer Kindes Kevin überhaupt etwas Gutes nach sich ziehen kann, dann wohl, dass die Gesellschaft beim Thema Gewalttätigkeit gegenüber Kindern sensibilisiert ist.

So ließen sich laut Markus Hackethal, Abteilungsleiter Soziale Dienste und stellvertretender Fachbereichsleiter Jugend, Familie und Soziales folgende Zahlen erklären: „Während wir 2008 noch 105 Meldungen pro Jahr und in 2009 116 Meldungen hatten, haben wir in 2010 147 Meldungen von Misshandlungen gegenüber Kindern zu verzeichnen.“ Er verschweigt aber auch nicht, dass diese Zahlen auch bedeuten könnten, dass generell die Zahl der Gewalttätigkeiten gegenüber dem Nachwuchs in unserer Stadt zunimmt.

So oder so brauchen diese Kinder Hilfen, die ihnen innerhalb des Leistungsangebots des achten Sozialgesetzbuches für Kinder- und Jugendhilfe zustehen. „Für Menschen mit „dauerhaften Erziehungsschwierigkeiten“, wie es im Gesetzestext heißt, „stehen eine ganze Reihe von Maßnahmen beginnend von der ambulanten Hilfe, über einen Erziehungsbeistand bis hin zur außerfamiliären Unterbringung zur Verfügung.“

Dabei ist oberstes Gebot, das Wohl des Kindes im Auge zu behalten. Die Mitarbeiter der Sozialen Dienste bemühen sich, Einfluss zu nehmen auf Probleme im Umfeld des Kindes wie Gewalt, Sucht der Eltern oder Vernachlässigung zu nehmen, so dass die Familie nicht getrennt werden muss.

Ist dies nicht möglich, bleibt als letzter Ausweg die außerfamiliäre Unterbringung. Aber auch hier hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Waren 2000 noch 117 Personen aus Velbert in Heimen untergebracht, waren es im letzten Jahr nur noch 60 Kinder, die hier leben. Dem gegenüber gestiegen ist die Zahl der Kinder, die in Fremdfamilien zur Vollzeitpflege leben. In 2000 waren dies noch 85 Kinder, in 2010 schon 142 Fälle. „Hier wird ein bewusster Umsteuerungsprozess deutlich, wir mussten einfach zur Kenntnis nehmen, dass man Kinder am besten in familiären Beziehungen groß ziehen kann.“

Höhere Fallzahlen führen naturgemäß auch zu höheren Kosten, wurden in 2006 noch 4,1 Millionen Euro für die Hilfen zur Erziehung (Heim bzw. familiäre Pflege) investiert, waren es im letzten Jahr bereits sechs Millionen Euro. Zeitgleich stiegen auch die Einsätze und Kosten für die ambulanten Erziehungshilfen. Waren es 2005 noch 82 Fälle, wo beispielsweise eine sozial pädagogisch geschulte Fachkraft einer Familie bei einem bestimmten Problem Hilfestellungen gab, so wurde in 2010 in 146 Fällen Unterstützung benötigt, dementsprechend stiegen die Kosten in diesem Zeitraum von 670000 Euro auf 1 Million Euro an. „Das ist sinnvoll ausgegebenes Geld, wenn man bedenkt, dass Kinder ein hohes Gut sind und eine Gesellschaft sich auch daran messen lassen muss, wie sie mit ihren schwächsten Gliedern umgeht“, meint Hackethal.

Bessere Vernetzung

Der zunehmende Bedarf an Fürsorge wird von Markus Hackethal als bedenklich gewertet. Gegenmaßnahmen seien erforderlich: Dabei wird besonders auf frühe Hilfen gesetzt. So werden mittlerweile alle jungen Eltern mit einer Elternstart-Mappe bedacht, die zur Entlastung der Erziehungsberechtigten wichtige Informationen beisteuern – etwa zu den Themen Kindergeld, Betreuung oder Erziehungshilfen. Darüber hinaus werden Eltern, die sich nicht an den vorgesehenen Kindervorsorgeuntersuchungen beteiligen, vom Jugendamt kontaktiert.

Wünschenswert wäre nach Hackethal vor allem eine bessere Vernetzung. „Man sollte alle Hilfen wie Familienzentren, die Büros der stadtteilbetriebenen Erziehungsberatungsstellen, Ärzte, Jugendpsychologen und Geburtskliniken an einen Tisch bringen.“

Birgit Hölker-Schüttler



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