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Was bedeutet Ruhr2010?
30.10.2009 | 18:45 Uhr 2009-10-30T18:45:00+0100
Essen. Ab dem 1. Januar 2010 ist das Ruhrgebiet Europas wichtigste Kulturregion. Seit gestern steht das genaue Programm für das Jahr. Ein paar grundsätzliche Fragen zum Titel „Kulturhauptstadt”.
Was ist das eigentlich, Kulturhauptstadt?
Kein überflüssiges Trallafitti, sondern vor allem der Versuch, den Tourismus zu beleben. Im Ruhrgebiet geht es 2010 aber um mehr: Nachdem Kohle und Stahl die Region nicht mehr prägen, will sie ihr Image als Dreckschleuder der Nation loswerden.
Wie wurde das Revier Kulturhauptstadt?
Eine Jury der Europäischen Union hat uns 2006 aus neun deutschen Bewerbern ausgewählt. Dabei spielte die Industriekultur eine Rolle; ausschlaggebend war auch, dass im Ruhrgebiet Migration seit langem gelebt wird; es gibt hier 170 Nationalitäten. Und es wurde positiv bewertet, dass alle 53 Städte dabei sein wollten, obwohl eine Region offiziell nicht Kulturhauptstadt sein kann. Die heißt deshalb korrekt: „Essen für das Ruhrgebiet”, nennt sich aber inzwischen „Ruhr.2010”.
Was kostet das Ganze?
65 Millionen Euro. Davon sind 48,5 Millionen öffentliche Gelder: 1,5 Millionen von der EU, 17 Millionen vom Bund, zwölf Millionen vom Land NRW, zwölf Millionen vom Regionalverband Ruhr und sechs Millionen von Essen. Hauptsponsoren sind die Deutsche Bahn, Eon Ruhrgas, Haniel, RWE und die Sparkassen-Finanzgruppe.
Die Städte haben vom Land zwei Euro pro Einwohner bekommen – in Bochum zum Beispiel leben 380 000 Menschen, macht 760 000 Euro für Projekte der Kulturhauptstadt. Die Gelder sind zweckgebunden.
Haben Orchester, Museen, Theater in der Region etwas von der Kulturhauptstadt?
Ja, schon deshalb, weil sie angefangen haben zu kooperieren. Bei einem Projekt, das den Komponisten Hans Werner Henze vorstellt, arbeiten 30 Institutionen zusammen, von der Konzertgesellschaft Gelsenkirchen bis zur Deutschen Oper am Rhein. Die „Odyssee Europa” führen sechs Theater gemeinsam auf, und die Kunstmuseen planen Ausstellungsreisen.
Wer macht das Programm der Kulturhauptstadt?
Dazu wurde eine Gesellschaft gegründet; Geschäftsführer sind der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen und der ehemalige Essener Kulturdezernent Oliver Scheytt. Sie haben die Künstler der Region aufgerufen, Ideen einzureichen – es kamen über 2000; 300 werden verwirklicht.
Was passiert mit Ideen, die nicht angenommen wurden?
Das ist ein Problem. Immerhin sind 1700 Ideen auf der Strecke geblieben, und das ärgert die Betroffenen. Die Städte, die einen Teil dieser Ideen übernehmen wollten, können das in der Finanzkrise meist nicht wahr machen. Jetzt hat sich der gemeinnützige Verein „unprojekte 2010” gegründet, der abgelehnte, nicht eingereichte und neue Projekte vorstellt und Sponsoren sucht: www.unprojekte2010.de
Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise?
Mittwochs und samstags
- Teilnehmen an der Kulturhauptstadt ist ganz einfach: indem man hingeht.
- Auf www.derwesten.de/ruhr2010 wird jeden Mittwoch und Samstag ein Projekt vorgestellt.
- Das komplette Programm gibt es im Internet unter www.ruhr2010.de.
Schlimme. Sponsoren werden zurückhaltender, das spüren auch Kulturschaffende, die nicht direkt mit der Kulturhauptstadt vernetzt sind. Manches Unternehmen, das bisher eine örtliche Initiative mit 5000 Euro im Jahr unterstützt hat, beruft sich jetzt auf sein Engagement für Ruhr.2010. Das schafft Ärger.
Wird 2011 noch Geld für Kultur übrig sein, wenn 2010 soviel ausgegeben wird?
Es hat in der Kultur schon so viele Rückschläge gegeben, dass es blauäugig wäre, nicht damit zu rechnen. Im Moment ist es aber Spekulation. Wenn Ruhr.2010 ein Erfolg wird, sollte die Kultur dadurch größeres Ansehen bekommen – auch bei Ratsmitgliedern. Man kann sich nicht vorstellen, dass ein Stadttheater, das zum Gelingen von Ruhr.2010 beigetragen hat, anschließend kaputtgespart wird.
Schwierig wird es, wenn 2010 der Region nicht zu einem neuen Image verhelfen sollte. Dann dürfte sich Resignation ausbreiten.

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