Ein Gänseleben ohne Quälerei auf dem Hof Crone
21.12.2009 | 17:24 Uhr 2009-12-21T17:24:00+0100
Werdohl. Fröhliches Geschnatter einer Gänseherde auf der großen Wiese neben dem Hof Crone in Werdohl regt Spaziergänger am Dösseln vom frühen Sommer bis in den Dezember zum Beobachten der Tiere an. Hier werden sie artgerecht gehalten, bevor sie als Weihnachtsbraten ihr Leben beendet haben.
„Ja, bei uns können die Leute täglich sehen, wie die Gänse artgerecht frei laufend heranwachsen", erklärt „Altbauer" Friedrich-Wilhelm Crone. Natürlich teilen auch diese Gänse das Schicksal ihrer Artgenossen und landen als leckerer Festtagsbraten zu St. Martin oder Weihnachten auf den Tischen etlicher Werdohler Familien.
„Die Leute wissen aber, wo ihre Gans herkommt und wie sie gelebt hat", so Crone. Und genau das ist bei Gänsen aus osteuropäischen Mastbetrieben nicht immer so. Die Bilder bei Berichten seriöser Fernsehsender vor kurzem ließen nicht nur Tierschützer schaudern und erweckten Empörung, auch so manchem wurde der Appetit auf den Gänsebraten gründlich verdorben.
Horrorszenen in Polen und Ungarn
Die Darstellung wie in Mastbetrieben in Polen und Ungarn Gänse bei lebendigem Leib gerupft wurden, waren Horrorszenen. Ziel dieser Tierquälerei, so die Fernsehberichte, soll eine Steigerung des Schlachtgewichtes ergeben. Die nackten Gänse frieren, fressen mehr und bauen so eine dickere schützende Fettschicht unter der Haut auf.
Dazu kommt wirtschaftlicher Gewinn durch den doppelten Verkauf der Daunen. Tierschützer regten sich auf, zumal die klassischen „Gänseländer" Polen und Ungarn als Mitgliedsstaaten der Europäischen Union an Regeln zum Tierschutz gebunden sind. In den Berichten wurden die Verbraucher aufgefordert, doch besser eine deutsche und nach natürlichen Gegebenheiten aufgezogene Gans zu kaufen, auch wenn diese mehr kostet.
Zu Wort kamen in dem Bericht auch Besitzer von Restaurants und Hotels in NRW. Diese wiesen überwiegend auf den niedrigeren Einkaufspreis der Gänse aus Osteuropa hin. Die höheren Preise für deutsche Gänse seien nicht weiter zu geben. Allerdings hatten sie bis dahin von dem Lebendrupfen keine Kenntnis.
Festes Fleisch und weniger Fett
Das ist bei den deutschen Betrieben wie bei Crone undenkbar. „Wir kaufen im Juni junge Gänse von Zuchtbetrieben. Die haben dann schon Federn angesetzt und können nach kurzer Zeit tagsüber auf der Wiese grasen", erklärt Landwirt Christian Crone die Aufzucht auf seinem Hof.
Abends kommen die Gänse in den Stall und erhalten zusätzlich Getreide aber auch Kartoffeln und Äpfel oder Birnen. So haben sie auf dem Dösseln, wenn auch nur für eine kurze Zeit, ein gutes Gänseleben. „Das zahlt sich bei der Fleischqualität aus. Die Tiere bauen durch die Bewegung Muskeln auf. Sie haben dadurch ein festes Fleisch und weniger Fett."

14:47
Aufgrund von Protesten durch Tierschützer wurde die Haltung von Stopflebergänsen in Deutschland mittlerweile verboten. Die Nachfrage nach Gänsefleisch blieb aber konstant. So mussten sich die deutschen Geflügelzüchter etwas Neues einfallen lassen – das Resultat ist die Gänsemast: Rund 700 000 Gänse vegetieren in Großmastanlagen vor sich hin – der Gesetzgeber schaut weg. Ähnlich wie Puten und Enten werden nun auch Gänse in riesigen Masthallen unter künstlichen Lichtquellen gehalten. Durch die künstlichen Lichtquellen wird den Tieren ein längerer Tagesrhythmus vorgegaukelt, um sie zum übermäßigen Fressen zu animieren. Die Tiere werden in nur 12 Wochen schlachtreif gemästet. Dem Geflügel wird Spezialfutter gegeben, das eine schnelle Gewichtzunahme garantiert. Diesem Futter werden auch Antibiotika beigemischt.
09:02
Vielen Dank der Redaktion für die Veröffentlichung dieses Berichts von Gerhard Sonneborn und natürlich ebenso der Familie Crone, die offensichtlich eine transparente Gänsemast betreibt.
Artgerechte Geflügelhaltung ist nur in Freilandhaltung möglich. Das gilt besonders für Wassergeflügel wie Enten und Gänse. Das generelle Aufstallungsgebot (mit der Möglichkeit von Veterinärämtern gnädig gewährter Ausnahmen) ist gift für alles Geflügel.
besonders gefällt das Geschäftsmodell Aus der Region für die Region!, denn so werden nicht nur unnötige Transporte überflüssig, sondern es wird auch der in den vergangenen Jahrzehnten so sehr vernachlässigte Kontakt zwischen Erzeugern und Verbrauchern aufgebaut.
Wer gute Ware kaufen möchte, sollte auch auf ethisch vertretbare Produktion achten und bereit sein, den gerechtfertigten höheren Preis zu bezahlen.