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Bundesfreiwilligendienst

„Man tut was Sinnvolles“

21.06.2012 | 18:21 Uhr
„Man tut was Sinnvolles“
Jeannine Stöckel mit Seniorenheim-Bewohnerin Leni Bürgermeister. Foto: Björn Bowinkelmann / WAZ FotoPool

Wattenscheid. Marcel Moritz hat seine Berufung gefunden. Endlich. Er hat mal eine Verkäuferlehre angefangen, aber das wollte er dann doch nicht machen. Also absolvierte er den Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Seniorenheim St. Elisabeth von Thüringen – und weiß jetzt, dass er Altenpfleger werden möchte. „Man tut was Sinnvolles“, sagt Moritz.

Der 20-Jährige ist einer von vier „Bufdis“ im Altenheim an der Berliner Straße. In dem knappen Jahr, das seit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes vergangen ist, hat die Caritas, die die Einrichtung betreibt, gute Erfahrungen gemacht. Doch insgesamt ziehen die Wattenscheider Wohlfahrtsorganisationen auch eine durchaus kritische Bilanz.

Moritz wird nach dem BFD auch seine Ausbildung im St. Elisabeth von Thüringen machen – wie seine Bufdi-Kolleginnen Nancy und Jeannine Stöckel (beide 19) auch. Der Bundesfreiwilligendienst sei eine gute Gelegenheit, potenzielle Bewerber auf Eignung zu prüfen, sagt Pflegedienstleiterin Karin Lipps: „Wir wissen nach einem Jahr nun, dass sie die berufstypischen Belastungen wie Wechselschichten und Wochenendarbeit durchhalten.“ Für Geschäftsführer Hans-Jürgen Rempe unterscheidet sich der BFD kaum vom Zivildienst, den es nach der Abschaffung der Wehrpflicht nicht mehr gibt. „Das ist nur ein neuer Name für die gleiche Tätigkeit.“

Ausstieg möglich

Christian Lange vom Wattenscheider DRK hat indes durchaus Veränderungen ausgemacht. „Die Fluktuation ist größer geworden.“ Denn BFDler könnten ziemlich kurzfristig aussteigen, wenn sie lieber etwas anderes machen wollten. Zudem wisse er von anderen DRK-Kreisverbänden, dass sie große Probleme hätten, genügend Bewerber zu finden. Viele Stellen blieben unbesetzt. „In Wattenscheid leben wir auf einer Insel der Glückseligen“, sagt Lange. „Wir haben in weiterführenden Schulen Werbung für den BFD gemacht. Sicher liegt es auch daran, dass unsere Bedenken, überhaupt genügend Freiwillige zu finden, bislang nicht eingetreten sind.“

Auch die Diakonie verfügt über „deutlich weniger“ BFDler als früher über Zivis, sagt Corinna Lee vom Diakoniewerk Gelsenkirchen und Wattenscheid. In beiden Städten zusammen seien nur drei der zwölf angebotenen Stellen besetzt. Lee: „Das ist natürlich nicht wünschenswert.“

Marcel Moritz hat in dem Seniorenheim St. Elisabeth von Thüringen nicht nur mit anderen BFDlern zusammengearbeitet, sondern auch mit drei Kollegen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Der Unterschied: Für die Wohlfahrtsverbände ist das FSJ teurer, denn für BFD-Absolventen bekommen sie nach Angaben Rempes 240 Euro staatlichen Zuschuss pro Monat. Eine FSJ-Stelle dagegen zahlten sie komplett „aus eigener Tasche“. Die Stellen seien aber kontingentisiert, so Christian Lange. Verbände wie Caritas, Diakonie oder DRK können also nicht, um Geld zu sparen, ausschließlich BFDler beschäftigen. Wobei FSJler aus Sicht der Wohlfahrtsverbände auch Vorteile haben. Lange: „Diese haben wir für ein Jahr sicher. Sie springen nicht ab und wollen auch nicht wie manche BFDler nur ein halbes Jahr mitarbeiten.“

Jonas Erlenkämper



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