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Rundgang im Thorpe-Museum

Geschichte aus der guten Stube

18.05.2012 | 18:15 Uhr
Geschichte aus der guten Stube

Wattenscheid. Weder schwarzer Rauch steigt auf über Eppendorf, noch ist der Platz des Thorpe-Heimatmuseums schwarz vor Menschen. Es ist Alltag an der Engelsburger Straße, keine Großveranstaltungen wie das Osterfeuer oder das Erntefest stehen auf dem Programm. „So um die 30 Personen kommen aber immer zu unseren regulären Öffnungszeiten“, erklärt Gerd Robok, Vorsitzender des Eppendorfer Heimatvereins (EHV).

An diesem Nachmittag hat sich eine Gruppe angekündigt. Die Kolpingsfamilie Dahlhausen will einen Blick in die Historie des Landlebens vor 100 Jahren werfen, zunächst müssen sich die Mitglieder allerdings mit den Tücken einer ganz aktuellen Baustelle vertraut machen. Der Hof des Thorpe-Museums wird gepflastert, Bagger verrichten ihre Arbeit, der Weg zu den Toiletten führt über eine Fläche schwarzen Sandes. Ein anderes Teilstück ist bereits fertig.

So beginnt Gerd Robok den Rundgang auch damit, was der EHV schon alles auf dem Gelände an der Engelsburger Straße 9 erreicht hat. Vor mehr als zehn Jahren haben die Eppendorfer damit begonnen, das 3500-qm-Areal in städtischem Besitz umzugestalten. Eine historische Scheune wird aus Senden in die Hellwegstadt verfrachtet, ein Bauernhaus wird in Niedersachsen ab- und hier aufgebaut. Inzwischen steht auch das Backhaus. „28 000 Stunden ehrenamtliche Eigenarbeit”, überschlägt Robok grob, stecken in dem Kleinod. „Und wenn ich darüber nachdenke, läuft es mir kalt den Rücken runter.“ Der EHV-Chef ist Bewohner, Direktor und Hausmeister zugleich. Mit seiner Frau lebt er in der 66-qm-Stube im Obergeschoss des Bauernhauses. Das Museum ist sein Mittelpunkt, sein Lebensinhalt, und für viele ist er wiederum das Gesicht des Ortsteils.

Die Gäste des Dahlhauser Gesellenvereins spüren, dass Robok für das, was er erzählt, steht und lebt. Er präsentiert den Bauerngarten, der architektonisch zahlreichen Grünflächen gleicht, die zur vorletzten Jahrhundertwende in Deutschland existierten. Mit angepflanzten Kräutern und Gewürzen sowie dem Brunnen in der Mitte, dessen Bauch in fünf Metern Tiefe Grundwasser in sich trägt.

Im Bauernhaus steht zu diesem Zeitpunkt bereits die gedeckte Kaffeetafel, die der EHV für die Besucher vorbereitet hat und den historischen Nachmittag abrunden soll. Doch auch dort heißt es zunächst, auf den Spuren des Landwirts vergangener Tage zu wandeln. Robok erläutert das Gefach, einen Raum zwischen den Holzbalken haben die Erbauer freigelassen zur Demonstration. Der Experte begleitet die Gruppe durch die „gute Stube“, die früher nur ein- oder zweimal pro Jahr benutzt wurde und heute immer häufiger interessierte Gäste beherbergt. Robok zeigt das Schlafzimmer des Bauern und seiner Gattin, das Zimmer der Magd und des Knechtes. „Streng getrennt, versteht sich“, mussten die Angestellten des Hofes auf Strohsäcken schlafen.

„Hier wurde geschlachtet, gewurstet und gebuttert. Nur der Bauer hatte nichts zu melden“, stellt Robok die Küche des Anwesens vor. Alle Einrichtungsgegenstände im Museum stammen aus Spenden von Privatleuten, „erstaunlich, was die Leute alles so in der Ecke liegen haben“, freut sich der EHV-Vorsitzende immer wieder über Stücke, die zur Authentizität der Ausstellung beitragen.

Egal, ob nun Schüler oder Besucher im Seniorenalter wie die meisten Mitglieder der Kolpingsfamilie bei ihm sind: Gerd Robok stellt sich darauf ein. Männer interessieren sich mehr fürs Handwerk, Frauen für die Einrichtung, für den Alltag. Doch einig sind sich an diesem Nachmittag alle, wenn sie sagen: „Das kennen wir auch noch so.“ Und genau das ist es, worauf es dem Eppendorfer Heimatverein ankommt. Ein Stück Geschichte aufleben lassen und weitergeben.

Christopher Becker



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