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Lachen live in Theateraula

Brusthaar-Dauerwelle contra Bein-Enthaarung

04.06.2012 | 20:00 Uhr
Brusthaar-Dauerwelle contra Bein-Enthaarung
Lachen live in der Theateraula Belecke mit Maria Grund-Scholer und René Steinberg

Belecke. Fast jeder kennt ihre Stimmen aus dem Radio: Die stets gestresste Supermutti und Ministerin Ursula Von der Leyen, den hyperaktiven, Testosteron geschwängerten Sarko de Funès, die übereifrig anbiedernde Schleimspur Pofallaraff und die schwarze Kanzlerin aus der Uckermark Angela Merkel. Gestalten der Politik, denen Maria Grund-Scholer und René Steinberg mit sprühendem Wortwitz, Esprit und schrägen Dialogen eine Stimme verleihen – und nun auch ein Gesicht. Denn mit „Lachen live – mehr“ bringen die beiden Kabarettisten ihre „politischen Kinder“ auf die Bühne – das ist schräg, frech und schnell – und verdammt lustig.

Begeistert gefeiert wurden die beiden Kabarettisten, die die KI in die Theateraula geholt hatte, von über 400 Besuchern. Den Unterschied zwischen Bade- und Bierstadt hatte Steinberg wohl schon vor Beginn gelernt: „Die Stimmung in Warstein ist noch verhalten – aber wir sind ja auch in Belecke.“

Und dieses Belecker Publikum durfte sich, quasi zum Aufwärmen, erst einmal selbst als Stimm-Parodisten versuchen – natürlich mit Tipps vom Profi. Bauchatmung umschalten, lautete das Zauberwort – bei Jürgen Rüttgers gab es Wasser in den Zahn (vorher ordentlich Spucke sammeln), bei Ullalala Schmidt reicht es, die Nase zuzuhalten und bei Pofalla galt es, sich den größten Schleimer aus Schulzeiten vorzustellen und auf Nebenhöhlen-Atmung umzustellen. Klappte gar nicht schlecht, aber natürlich sind die Original-Imitatoren um Längen besser, lustiger und hintersinniger. Und was die Funken zwischen Bühne und Saal vor allem sprühen lässt: Man merkt den beiden Darstellern den Spaß am Texten, Spinnen, am irrwitzigen Tanzen und an ausladender Gestik und Mimik an.

Absoluter Liebling des Publikums war sicherlich die „Heißdüse aus dem Élysée-Palast“, dieses aufgeputschte Knallbonbon namens Sarko de Funès (passender könnte die Verbindung zwischen zwei Cholerikern kaum sein), oder, wie Steinberg seinen Sarko betitelte „das Waterloo unter den Stimmungskanonen“. Jeder Witz ein Kracher, hätte ebenso gepasst. Wie Sarko über ondulierte Brusthaare und Cremeschnitten philosophierte, wie er sich über die verlorene Wahl und vor allem über „der, die, das Merkel“ aufregte – diesen „Verfall, Niedergang und Zerstörung in einem roten Hosenanzug“ – war einfach brüllend komisch. Auf der Bühne macht dieses Energiebündel einfach doppelt Spaß.

Und die Frage „Wie kriegt die Schwerkraft einen solchen Gesichtsausdruck hin?“. stellte man sich ebenfalls, wenn Maria Grund-Scholer mit rotem Jackett, blonder Perücke und dumpfem Gesichtsausdruck in die Rolle der diabolisch intriganten Kanzlerin schlüpfte.

Die NRW-Wahl („Jetzt muss der Wähler die Kraft-Brühe auslöffeln“) wurde ebenso thematisiert wie FDP-Mann Christian Lindner („Nicht jeder Furz ist gleich ein frischer Wind“) und die neue europäische Währung: „100 Fiasko gleich ein Debakel“. Einfach brüllend komisch.

Ebenso wie die geheimen Tagebücher einer Kanzlerin, aus denen man manch Gruseliges erfuhr – etwa, dass sich die „schwarze Witwe der CDU“ für ihre Hochzeit die Beine mit dem Bunsenbrenner enthaart hat und die erste Banane nach dem Mauerfall etwas stumpf im Abgang war – Angie hatte das Pellen vergessen.

Auch Calmund, die Von der Leyens und selbst Grönemeyer sind einfach köstlich – und Steinberg und Grund-Scholer laufen so richtig zur Höchstform auf, wenn sie sich gegenseitig die Bälle zuspielen können. Wahnsinn auch die Power, die Steinberg entfaltet, wenn er singen und tanzen darf – und als Pofalla-Phantom Musical-Melodien trällerte. Da blieb kein Auge trocken – selbst bei seiner Kollegin nicht.

Tanja Frohne



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