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Heimhoftheater

Volles Haus schon vor der Premiere

12.04.2010 | 17:42 Uhr
Volles Haus schon vor der Premiere

Burbach-Würgendorf. Was für ein Theater! Seit Sonntagnachmittag brennt im Turm des Heimhofes wieder das Licht, das die Botschaft in das ganze Dreiländereck tragen soll.

Die Kultur ist an ihre Geburtsstätte zurückgekehrt. Nach fünf Jahren Planung und Umbau präsentiert sich das kleine Theater auf der Wasserscheide nun wieder von seiner schönsten Seite.

Kurz vor seinem 60. Geburtstag erhielt der Heimhof quasi eine Runderneuerung, die der Bühne aber kaum anzusehen ist. Glücklicherweise, wie viele der Gäste beim Tag der offenen Tür meinten. „Das ist phantastisch”, schwärmte Friedelore Kaiser. Die Wilden-erin gehörte schon in den 60er Jahren zu den Stammgästen. „Ich habe die Pianistin Elly Ney hier live erlebt”, erzählt sie bei einer Tasse Kaffee im Foyer, das wie die übrigen Räume im originalen Interieur der 50er Jahre erhalten wurde. Es habe sich fast nichts verändert, sagt sie begeistert. „Wenn das Programm mir zusagt, werde ich sicher wieder zum Stammpublikum gehören.”

So sahen es die meisten der rund 500 Besucher, die am Sonntagnachmittag auf die Wasserscheide gekommen waren. „Es gab nichts zu meckern”, freute sich am Ende Theodor Petera, der Vorsitzende des Fördervereins, in dessen Regie in den letzten beiden Jahren das Gebäude grundsaniert wurde. Sechs neue Mitglieder traten dem Verein bei. „Und wir haben noch am Abend einen weiteren Sessel verkauft.” Das alte neue Heimhof-Theater hatte eine überzeugende Vorstellung gegeben.

„Das ist einfach randios geworden.” 

Im Turm des Heimofes brennt wieder das Licht, die Kultur ist an ihre Geburtsstätte zurück gekehrt.

Auch Fritz Jung hielt mit seinem Urteil nicht hinter dem Berg. „Das ist einfach grandios geworden”, attestiert der Fellerdillner dem Theater. Ein großer Teil des Flairs ist dem Polsterer aus dem Haigerer Stadtteil zu verdanken Die 200 roten Klappsessel in Parkett und Loge sind sein Werk. In wochenlanger Kleinarbeit hat er die Polster erneuert, Keder genäht und so seinen Beitrag dazu geleistet, dass die Besucher bequem sitzen können. Und auch Fritz Jung will sich mit seiner Frau Birgit hin und wieder vom Komfort„seiner” Sessel überzeugen.

Dass das Publikum künftig mehr Beinfreiheit zwischen den Reihen hat, hängt mit den den strengeren Bauauflagen zusammen. Weil weder die Bausubstanz noch die Technik den aktuellen Anforderungen entsprachen, untersagte der Kreis Siegen-Wittgenstein 2005 die weitere Nutzung des ehemaligen Pferdestalles der Würgendorfer Dynamitfabrik als Kulturstätte. Die Burbacher traf diese Entscheidung umso härter, da sich fast parallel der Kulturkreis um die Wasserscheide, jenes historische länderübergreifende Bündnis zwischen Haiger und Burbach, dem sich in den 70er Jahren auch Wilnsdorf und Neunkirchen anschlossen, mit viel Theaterdonner auflöste.

Schon viele Jahre vorher hatte die Spielstätte, in der jahrzehntelang für die berühmtesten Mimen der Nation der Vorhang gefallen war, an Bedeutung verloren. Fast alle Schauspieler, die sich in der Nachkriegszeit das Prädikat „bekannt aus Funk und Fernsehen” erarbeiteten, traten hier auf. Eugen Roth, der bekannte Dichter, widmete der Bühne sogar ein Kapitel in einem seiner Bücher.

Doch ab den 80er Jahren mieden die großen Tournee-Theater die Wasserscheide, da ihre Kulissen nicht mehr auf die kleine Bühne passten. Diese gehörte fortan der Kleinkunst – und vor allem den Kulturschaffenden in der Region wie Chören, Heimatvereinen und Schulen. Und denen soll das Heimhof-Theater auch nach der offiziellen Wiedereröffnung am Freitag, 16. April, eine Heimat bieten.

Resonanz stimmt optimistisch

Dass dafür genügend Bedarf vorhanden ist, zeigte sich am Sonntagnachmittag, als viele hundert Kulturbegeisterte aus dem Dreiländereck der Einladung des Fördervereins zum Tag der offenen Tür folgten. Bereits kurz nachdem der Pianist Jörg Fuhrländer die ersten Töne auf dem auf Hochglanz polierten Flügel angestimmt hatte, füllten sich die Reihen und drängten sich die Besucher im historischen Ambiente des Eingangsbereiches, um bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen über die „goldenen Jahre” der Kultur auf der Wasserscheide zu philosophieren. Die vergangenen und die zukünftigen.

Uli Geis

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