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Alstadtfest

Die ganz große Stimmung fehlt

04.09.2011 | 18:23 Uhr
Die ganz große Stimmung fehlt

Recklinghausen. Ein bisschen gemein ist es ja: Der Altstadtmarkt steht nur zu einem Drittel bereit, der Samstag ist zu heiß und der Sonntag verregnet – Oliver Kelch ist nicht zu beneiden. Der Geschäftsführer der Werbegemeinschaft und als Chef der Agentur Odesign auch Organisator des Altstadtfests hatte es dieses Mal noch schwerer als sonst. Ideen hat er, trotzdem zieht die Werbegemeinschaft nicht immer so mit, wie sie könnte.

„Sehr gut“ kam dagegen die Infomeile auf der Schaumburgstraße an, wo sich Vereine präsentieren durften: Schwimmen, Tierschutz, Bridge, Motorsport-freunde, Sportbund und Akkordeonklänge, das Angebot war vielfältig. Und gut aufgenommen wurden auch die DSDS-Stars wie Manuel Hoffmann, der 2010 Dritter wurde bei der großen Castingshow. Viele Mädchen und einige junge Männer und Väter mit Töchtern standen nach seinem einstündigen Auftritt Schlange für ein Autogramm.

Zuvor hatten das Recklinghäuser „Supertalent“ Christian Paternoga und Sänger Tommy Klapper aus Herne, der jüngst bei der „Fete de la musique“ positiv auffiel, für Begeisterung bei den wenigen, aber gut gelaunten Besuchern gesorgt. 100 Zuhörer auf dem Marktplatz, das ist zu wenig für so eine Veranstaltung. Aber: Wetter, Baustelle …

Mehr Programm gab es am Sonntag. „Für beide Tage reicht das Geld nicht“, gestand Kelch. Automarkt vor dem Rathaus, Märchentag für die Kids, Walking Acts und die Zorbing-Kugeln im 20 000-Liter-Pool im Helen-Kuhlmann-Park, da konnte sich keiner beschweren. Die Moderatoren Michael Nowak und Anchorman Marcel Schenk plauderten nicht nur mit den Musikern, sondern stellten auch Firmen auf der Bühne vor. Wo-bei nicht alle wollten, wie Oliver Kelch verriet.

So hätte ein Geschäft kostenlose Werbung bekommen, wenn es die Moderatoren auf der Bühne geschminkt hätte. „Das war denen zu teuer von den Personalkosten“, konnte Kelch es nicht fassen. „Warum sind die Buden nicht von heimischen Firmen, warum nutzen sie die Chance nicht, um für sich zu werben?“

Sitzgelegenheiten sind auch etwas mau vor der Bühne. „Da hatten Security und Stadt Si-cherheitsbedenken wegen der DSDS-Stars, mit der Massen-panik in Oberhausen im Hinterkopf.“ Ein Pärchen aus Hochlar „hatte erwartet, dass die ganze Altstadt eingebunden ist, so ist das ein bisschen langweilig.“

„Man kann in Recklinghausen etwas bewirken und auf die Beine stellen – wenn alle mitmachen“, ist Kelch überzeugt. „Aber wenn beim Late-Night-Shopping einzelne um 18 Uhr schließen oder viele immer noch nicht wissen, dass wir verkaufsoffenen Sonntag haben, fällt mir nichts mehr ein.“ Dann liege es nicht am Programm, wenn keiner kommt. Überhaupt Programm. Entweder Shoppen oder Unterhaltung, meint der Radiomann.

Glück am Sonntag: Nach Blitz, Donner und zwei heftigen Regengüssen beruhigt sich das Wetter immerhin und die Altstadt füllt sich doch noch merklich. „Es läuft super, wir sind zufrieden“, sagt Annette Winkelmann, Filialleiterin der Stadt-Parfümerie Pieper. Vor der Tür hat sie einen Stand aufgebaut, Mitarbeiter füllen Gratisproben in Zerstäuber für die Kunden, die haben Spaß. Ein Verkäufer bei Herrenmode Prange schiebt viel auf das „von der Natur für den Handel schlimmste Wochenende des Jahres“. Aber früher sei ein verkaufsoffener Sonntag ein Erlebnis gewesen, brechend voll war es. Heute gebe es mehrere im Jahr, teils gleichzeitig in verschiedenen Städten und mit ähnlichem Programm, das sei nicht optimal.

Oliver Mengedoht

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