Jenny hat das Zeug zur Zuckerbäckerin
20.01.2010 | 15:30 Uhr 2010-01-20T15:30:00+0100Unna. Baumkuchen statt Glückskekse heißt es für Jennifer Lin. Als taiwanesische Austauschschülerin in einer deutschen Backstube ist sie eine echte Exotin. Im Rahmen eines Austauschprogramms des Rotaryclubs verbringt die Achtzehnjährige ein Jahr in Unna.
Jetzt absolviert sie ihr Schülerbetriebspraktikum in der Konditorei Prünte, wo sie sich hervorragend eingefunden hat.
„Alle sind lustig und hilfsbereit“, freut sie sich über ihre neuen Kollegen. Dank der guten Atmosphäre hat sie sich vom ersten Tag an wohl gefühlt; anfängliche Sorgen erwiesen sich als unbegründet. In Taiwan gibt es keine klassischen Konditoreien, was bei Jennifer zunächst für Skepsis sorgte. „Ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde.“
Trotzdem stellte sie sich der Herausforderung, insbesondere der sprachlichen. Verständigungsprobleme gibt es aber keine. „Sie versteht alles “, sagt Wolfgang Gornik, Backstubenleiter. Eine hohe Leistung, wenn man bedenkt, dass sie erst seit knapp sechs Monaten in Deutschland lebt. Gornik ist sehr zufrieden mit seinem neuen Schützling. „Jenny ist hochmotiviert und hat vor allem keine Angst. Die Zusammenarbeit macht unglaublichen Spaß.“
Das Praktikum erfolgt auf freiwilliger Basis. Wie ihre Mitschüler aus dem Jahrgang elf, für die es Pflicht ist, wollte sie zwei Wochen ins Berufsleben schnuppern. Zudem sah sie darin eine Möglichkeit, viele neue und auch außergewöhnliche Erfahrungen zu sammeln. Bereits in ihrer Heimat hatte Jennifer ihre Vorliebe fürs Backen entdeckt, doch Torten beispielsweise sind für sie neu.
Zu ihren Aufgaben in der Backstube gehört neben Kneten und Abwiegen auch die Herstellung von Eiserkuchen. Die haben es ihr besonders angetan. „An Weihnachten habe ich ein Paket nach Taiwan geschickt, weil das eine typisch deutsche Spezialität ist.“ Jetzt durfte sie endlich einmal selbst Hand anlegen und sich an dem deutschen Rezept versuchen.
Bis Freitag wird Jennifer noch bei Prünte arbeiten, dann geht für sie der Schulalltag am Pestalozzi-Gymnasium wieder los. Am liebsten würde sie jedoch in der Konditorei bleiben. Die positive Einstellung beruht auf Gegenseitigkeit. Ihr Chef Uwe Petersmann ist von der Schülerin überzeugt. „Die Mentalität eines jungen Erwachsenen, der freiwillig ein Jahr im Ausland verbringt, zeugt von unheimlicher Selbstständigkeit. Solche Leute kann man eigentlich blind einstellen.“ Das klingt nach einer Karriere als Konditorin. „Sie könnte hier eine Ausbildung anfangen, wenn sie wollte“, meint auch Gornik.
Doch Jennifer hat andere Pläne. Wenn sie im Sommer zurück nach Taiwan geht, möchte sie studieren: Ernährungslehre. Da lassen sich doch bestimmt Parallelen ziehen.
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