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. . . der Ruhrpilot?

22.12.2009 | 10:00 Uhr
. . . der Ruhrpilot?

Unna. An der Feldstraße steht eine, an der Kleistraße steht auch eine und an der Hammer Straße ebenfalls: Insgesamt acht Zählstationen des Verkehrssystems Ruhrpilot sind auf Unnaer Stadtgebiet installiert.

Im Sekundentakt senden sie Verkehrsinformationen an den Zentralrechner nach Essen. Viele Bürger fragen sich aber wohl immer noch, welchen Nutzen der Ruhrpilot dem einzelnen Autofahrer und der Kommune eigentlich bringt.

„Für uns sind die Daten wie sie vorliegen nur bedingt von Nutzen”, sagt Wilfried Appel, Verkehrsplaner der Stadt Unna. „Dennoch sind wir als Stadt mit zwei Anlagen am System beteiligt.” Denn einerseits fließen so die Verkehrsdaten aus Unna mit in die Gesamtverkehrslage des Ruhrgebiets ein, andererseits hat die Kommune nur dann Zugriff auf die Systemdaten, wenn sie sich auch an der Installation der so genannten „Traffic Eyes” beteiligt. Die Kosten für die Stadt Unna beliefen sich auf einen Betrag im niedrigen vierstelligen Bereich. „So sind wir aber wenigstens dabei”, sagt Appel.

Der Vorteil des Systems liege darin, dass die Spitzendaten an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten, beispielsweise bei Zurbrüggen oder im Industriepark Nord, detailliert aufgeschlüsselt werden können, ohne eine aufwändige Verkehrszählung durchführen zu müssen, führt Wilfried Appel fort. Dazu gebe es für jede Station eine Langzeit-Statistik. „Wir können ablesen, wie viel Verkehr wann über diese Stellen gegangen ist, das ist unser kleiner Nutzen.” Hilfreich ist dies beispielsweise, Stichwort Baustellen, wenn Veränderungen im Verkehrsfluss erwartet oder wann diese vorgenommen werden.

„Die Kommunen sind untereinander vernetzt und können so gemeinsam Strategien entwickeln, beispielsweise bei Großveranstaltungen”, erklärt Karl-Peter Abt von der Ruhrpilot Besitzgesellschaft mbH in Essen, „doch das geht leider noch nicht automatisch, sondern wird vorerst weiterhin telefonisch geregelt.” Zudem sei durch die gewonnenen Daten feststellbar, ob beispielsweise Zufahrten zu Gewerbegebieten oder Umweltzonen noch richtig gelegen oder an den Stellen gar überhaupt noch sinnvoll sind.

Für den Autofahrer ist der Ruhrpilot bisher ausschließlich als Routenplaner auf dem Handy oder als Karten-/Routen-Ausdruck nutzbar. „Wir hätten uns gewünscht, dass sich da viel eher was tut”, sagt etwa Martin Krieg, Verkehrsexperte und Leiter des Tiefbauamts in Dortmund, wo 60 „Traffic Eyes” installiert sind. „Doch die Vermarktung mit Navi-Herstellern ist bisher definitiv zu kurz gekommen.” Zwar fließen die Verkehrsinformationen von den Land-, Kreis- und Stadtstraßen mit in die Routenberechnungen ein und ermöglichen so das Errechnen einer wesentlich genaueren Großverkehrslage für den Ballungsraum Ruhrgebiet, und sogar Voraussagen für die nächsten Stunden werden durch die Statistiken möglich, doch für private Nutzer ist der Zugriff auf den Ruhrpilot noch immer auf den Internet-Zugang beschränkt. Der Nachteil: Der Ruhrpilot ist so ähnlich unflexibel wie andere Internet-Routenplaner auch. Eine Ausweichstrecke bekommt man nur dann vorgeschlagen, wenn zum Zeitpunkt des Ausdrucks ein Stau bekannt ist. Wer unterwegs ist, bleibt nur via Handy auf dem aktuellen Stand. „Im nächsten Jahr sollen die Ruhrpilot-Informationen aber auch per Navigationsgerät zu nutzen sein”, kündigt Abt an.

Alternative Verbindungen mit Bus und Bahn können ebenfalls auf der Homepage errechnet werden, doch wer auf das Auto angewiesen ist, ist mit einem Navigationsgerät, das auf inzwischen entstandene Staus mit dem Errechnen einer Ausweichstrecke reagieren kann, besser dran. Das System Ruhrpilot ist also nur dann für den Autofahrer wirklich effektiv, wenn es mobil genutzt werden und auch unterwegs alternative Strecken vorschlagen kann.

Und was ist mit denjenigen, die tagtäglich viele Kilometer auf den Straßen des Ruhrgebiets unterwegs sind? Nutzen sie den Ruhrpiloten regelmäßig? „Wir gucken schon mal sporadisch rein, ob zum Beispiel die A 40 voll ist”, sagt Thomas Schröder vom Busreise-Unternehmen „Der Königsborner”, „doch dafür braucht man den Ruhrpiloten ja eigentlich nicht. Außerdem kennen unsere Fahrer die Strecken und Ausweichrouten.”

Ingo Schmidt

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