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Rentner berät Gießerei in Bolivien

20.09.2010 | 18:26 Uhr
Rentner berät Gießerei in Bolivien

Schwerte. Eduardo Alfaro Basualdo aus Cochabamba will sich einen neuen Schmelzofen kaufen und Berthold Schulze Zumhülsen aus Schwerte berät ihn dabei. Drei Wochen lang lebte und arbeitete der Rentner aus der Ruhrstadt in Bolivien, um dem Firmenchef dort mit Rat zur Seite zu stehen: Senior Experten Service (SES) heißt dieses Angebot aus Deutschland.

„Der ganze Gießereibetrieb wird noch handwerklich geführt“, erzählt Schulze Zumhülsen beim Gespräch in der WR-Redaktion. Zehn Männer sind bei Basualdo angestellt, die im Handformguss einfache Maschinenteile herstellen. Eine Tonne Stahl pro Tag wird verarbeitet. „Das passiert bei Hundhausen in zwei Minuten.“

An diese Größenordnung denkt der Gießereibesitzer in Boliviens viertgrößter Stadt noch längst nicht. Der Schmelzofen, den er kaufen will, soll 2,5 Tonnen Metall am Tag flüssig machen. Auf was man beim Kauf achten muss, ob die Anschaffung eines gebrauchten Ofens sinnvoll ist, was sich bei den Arbeitsabläufen ändert und welche Vorbereitungen für den Einbau der neuen Anlage zu treffen sind – das alles besprach Berthold Schulze Zumhülsen mit Eduardo Alfaro Basualdo.

Der Schwerter kennt was von Schmelzöfen. Bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren arbeitete er in Dortmund für einen bedeutenden Hersteller dieser Industrieanlagen. Und kurz bevor er Rentner wurde, meldete er sich beim SES in Bonn als Senior-Fachmann an. Der SES, 1983 gegründet unter Obhut des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und mit Geld vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, schickt ehrenamtlich arbeitende Senioren und Seniorinnen nach Anfrage von kleinen Betrieben in alle Welt. Ingenieure und Ärztinnen, Lehrer und Handwerkerinnen werden ständig gesucht. Für den Ingenieur Schulze Zumhülsen war der Job in Bolivien nun der erste SES-Einsatz. „Vorher hatte man mich gefragt, ob ich nach Islamabad gehen wollte. Aber das war mir doch zu gefährlich.“

In Cochabamba wohnte er im Haus seines Auftraggebers: „Also mit Familienanschluss.“ Am Wochenende luden die Basualdos den Gast zum Ausflug ein, abends zum Essen in Restaurants. Der Kunde von SES muss zwar Reisekosten, Unterbringung, Verköstigung und ein kleines Taschengeld zahlen, aber von derart persönlichem Einsatz ist nicht die Rede. Der hat dem Schwerter aber gefallen, der so viel mehr vom Leben in Bolivien mitbekam, als wenn er auf eigene Faust gereist wäre. „Man fühlt sich nicht ganz wohl, wenn man alleine unterwegs ist.“

Schulze Zumhülsen war begeistert von der Landschaft im Andental, in dem Cochabamba auf 2000 Metern Höhe liegt, von der Hauptstadt La Paz, von der ehemaligen Hauptstadt Sucre, von den über 6500 Meter hohen Anden, von Kirchen und Regierungsbauten. Ernüchtert haben ihn die sozialen Gegensätze – „Bolivien ist ein sehr armes Land“ – und die Müllkippen, die brennen und giftigen Rauch abgeben.

Der Schwerter reiste wieder ab, der Bolivianer kümmert sich nun um Kredite – 100 000 Dollar kostet ein Induktionsschmelzofen – und entscheidet sich für ein Modell. Inklusive Lieferzeit dauert es ein Jahr, bis der Ofen kommt. Dann kommt auch der Schwerter erneut angeflogen: Er hilft beim Aufstellen und Anstellen des Ofens.

Susanne Schulte



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