Letzter Aufguss: FAB hat abgebadet
30.12.2009 | 22:05 Uhr 2009-12-30T22:05:00+0100
Schwerte. „Defekt” steht am Lift gleich hinter der Kassenschranke. Das Schild hängt schon seit Wochen da. „Die Reparatur lohnte nicht mehr so kurz vor der Schließung”, sagt Jörg Wilhelm, Betriebsratsvorsitzender im Freizeitallwetterbad an der Schützenstraße. Gestern war der letzte Tag.
Um 22 Uhr wurde der Stöpsel rausgezogen. Aus. Vorbei.
Die Rederei, das unendliche Gezerre und das jahrelange Hin und Her hätten dem Bad schon lange vor dem endgültigen Schluss das Wasser abgelassen, sagen hier alle: „Kaputtgeredet hat man den Laden.” Ein totgesagter Betrieb wirbt keine neue Kunden.
„Es war so schön, dass man auch im Winter draußen schwimmen konnte”, sagt Elfriede Klesse. Konnte, sagt sie, obwohl sie gestern Morgen noch einmal Schwimmen vor sich hatte. Seit 1959 geht sie mit ihrem Mann regelmäßig ins Wasser, von Anfang an, ab 1993, war sie im FAB dabei. Seit acht Jahren tauchen die beiden zweimal die Woche in die Fluten. Argumente, man könne hier ja nicht richtig schwimmen, lässt sie, wie alle anderen regelmäßigen Frühschwimmer, nicht gelten. „Natürlich geht das”, widerspricht sie. „Der Werner dreht hier täglich seine 20, 25 Runden”, sagt der Nachbar und dreht sich verärgert beiseite.
Zusammen mit 20, 30 anderen stehen sie am letzten Tag um 9.30 Uhr vor der FAB-Tür. Sie sind ein bisschen früher gekommen, denn die FAB-Beschäftigten haben zusammen mit ihrer Gewerkschaft zur Demonstration eingeladen. „Schreiben Sie auf, was Sie bewegt”, fordert Verdi-Sekretär Martin Steinmetz die Besucher auf. Erwartungsgemäß machen die nicht nur ihrem Ärger über die Schließung Luft, sondern nehmen auch die Politik und vor allem den „Böcki” auf die Hörner.
Von Politik und Verwaltung ist bis auf einen einsamen Linken keiner am letzten Tag ins FAB gekommen. Die scharren sich an diesem Morgen nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt geballt und begeistert um den Geschäftsführer des toom-Baumarktes, der seinen Laden kräftig aufgehübscht hat.
Elke Reiners, die wenige Monate nach der Eröffnung des Bades zum ersten Mal an der Kasse saß, erinnert sich an die guten FAB-Zeiten. „Das war noch zur D-Mark”, sagt die 53-Jährige. „Mit dem Euro wurde es etwas ruhiger – und der Umbau der Schützenstraße, der hat Besucher gekostet.” Ihr Platz an der Kasse ist einer der 40 Arbeitsplätze, die an der Schützenstraße wegfallen. „Das tut schon weh”, sagt sie, obwohl sie eine von den fünf Glücklichen ist, die zur Stadt zurückkehren und künftig im Stadtbad arbeiten wird.
Zusammen mit fast allen anderen im Bad – egal ob im Wasser oder am Beckenrand – versteht sie die Schließung nicht und den Entschluss, 30 Menschen auf die Straße zu schicken. Gut, der eine oder die andere wird wieder einen neuen Job finden, aber für viele steht am Ende das sehr konkrete Gespenst Hartz IV.
Das Bad ist derweil so gut besucht wie lange nicht mehr. Um 19 Uhr kommen die Aqua-Power-Leute, neben den Früschwimmern die Treuesten der Treuen. Da dröhnt die Disco-Musik und Walter Sembritzki (58) macht den Vorturner. Ehefrau Brigitte sitzt an der Kasse. Da beide Verdiener von der Schließung betroffen sind, hoffen sie, dass wenigstens einer bei der Sozialauswahl durchrutscht und beim Bäderbetrieb bleiben kann.
In der knallvollen Sauna – „alles Stammgäste” – macht Xaver Majewski um 19 Uhr den letzten Honigaufguss. Den Badmanager hat man nach dem Skandal um seinen Vorgänger als Retter geholt. Der Mann konnte das Ende am Ende zwar doch nicht aufhalten, aber der hat seinen Job gut gemacht und erst mal wieder Ruhe in den Laden gebracht, da sind sich hier alle einig.
Auch Majewskis Geschäftsführer-Vertrag in Schwerte endet mit dem Jahreswechsel. Er muss aber trotzdem nicht den Gang zur Arbeitsagentur antreten, er führt noch weitere Bäder im Land. Dass der Bürgermeister sich aber am Ende nur bei ihm öffentlich bedankt hat, das stinkt den FAB-Leuten gewaltig. „Hier gab's ja bis zum letzten Tag nicht nur den Mann auf der Brücke, sondern vor allem viele Ruderer”, sagt Jörg Wilhelm verbittert.
Und wie geht's weiter? Den Stöpsel darf in Wirklichkeit keiner rausziehen zum Badeende. „Das Wasser bleibt drin”, erklärt Majewski. „Ohne Wasser würden uns beim ersten Frost draußen die Kacheln von den Beckenwänden frieren.” Die große Umwälzanlage wird abgestellt, eine Tauchpumpe sorgt für etwas Bewegung im Wasser, die Filter werden trockengelegt, Heizung und Lüftung auf ein Minimum heruntergefahren.
Der Rest wird von den letzten FAB-Leuten im Januar erledigt. Verkehrssicherungspflicht und Schutz vor Vandalismus sind die Stichworte. In der Saunalandschaft werden die Fenster mit Schutzplatten verschraubt, die Becken werden eingezäunt, damit sich selbst unbefugte Eindringlinge nicht die Knochen brechen.
Um 21.30 Uhr verlassen die Letzten Becken und Sauna. Unten umarmt ein Gast eine der Frauen hinterm Tresen. Man kennt sich beim Namen. Die Rollläden fahren runter. Um Punkt 22 Uhr dreht Schwimmmeistergehilfe Uwe Gurski am Eingang den Schlüssel rum. Seine Frau ist am letzten Tag extra mitgekommen. Die Branche weiß natürlich längst Bescheid. Ein möglicher Käufer für die Immobilie wird zu Gesprächen erwartet, Interessenten für die Kunstblumen haben sich schon gemeldet und „die Rutsche ist so gut wie verkauft”.
Das FAB hat ausgerutscht.
Mehr Bilder: www.derwesten.de
00:12
Hallo Ulich Müller,
ich habe zumindest stets das FAB als Schwerter Top-Highlight dargestellt und damit viele auswärtige Besucher für das FAB gewinnen können. Heute/jetzt besuchen diese Gäste das Soester oder Heveneyer Spassbad und können sogar noch jede Menge Kohle sparen, denn die Jahreskarte kostet umgerechnet nur die Hälfte.Jetzt hat die Stadt Schwerte erfolgreich zwar -zig Tausend Besucher weniger in der Stadt, aber jede Menge kostenträchtiger Positionen zu tragen, die lediglich bei anderen Kostenträgern anfallen (werden)! Ich bat Herrn Hubert Sieweke um dessen Einschätzung der erwarteten Kostenersparnisse; bisher leider vergeblich.
13:12
Ach, eins hatte ich noch vergessen: Die Note sechs bekommt auch Herr Hubert Siewecke als (mit)verantworliches Ratsmitglied.
13:07
Das FAB wurde von der Verwaltung,dem Rat, dem Bäder-Beirat usw., seit Jahren systematisch dazu benutzt, die Bürger zu spalten und die Haushaltsmisere darauf zurück zu führen. Eine ernsthafte Sanierung des Bades war nie geplant. Genauso wenig, wie man die im Keller des FAB stehende Kraft-Wärme-Anlage zum Laufen bringen wollte. Das hätte die hohen Energiekosten mindestens um die Hälfte reduziert. Und das war ja gerade nicht gewollt.
Durch die Schließung wird nichts eingespart werden. Die Finanzierung ist noch in voller Höhe zu tilgen und die Zinsen laufen auch weiter. Es fallen auch weiter erhebliche Personalkosten an.
Ich sehe für die kommenden Jahre schon folgenden Spruch vor mir: Schuld an der Schieflage des städtischen Haushaltes sind die Altlasten des FAB. Das gibt den Sündenbock für die nächsten Jahre ab.
Mein letzter Kommentar dazu: Alle die verantwortlich mit dem FAB zu tun hatten, können sich setzen und bekommen für ihre erbärmliche Arbeit eine sechs.
18:29
Sehr geehrter Hubert Sieweke,
als Kenner der finanziellen FAB-Gegebenheiten:
Wie hoch ist die (geplante/erwartete) finanzielle Ersparnis für die Stadt Schwerte in 2010 durch die nunmehr erfolgte Schließung?
Vieleicht gelingt Ihnen auch eine Prognose für die Folgejahre.
MfG
18:29
Sehr geehrter Hubert Sieweke,
als Kenner der finanziellen FAB-Gegebenheiten:
Wie hoch ist die (geplante/erwartete) finanzielle Ersparnis für die Stadt Schwerte in 2010 durch die nunmehr erfolgte Schließung?
Vieleicht gelingt Ihnen auch eine Prognose für die Folgejahre.
MfG
07:42
Die Kommentare des Herrn Sieweke über die Besetzung von Sparkassenverwaltungsräte sind scheinheilig. Er ist nur beleidigt, weil er nicht in der VR. der Sparkasse Schwerte geschickt wurde.
Das lag daran weil er kein Geschickter ist.
12:05
Es kein schlechter Scherz,...Aquapower läuft in Schwerte weiter !!! Etwas vergleichbares gibt es sowieso nicht !!!!
09:43
schlechter scherz...
es ist vorbei,
monika!!!
probiers im aquamathe aus
15:40
weiß jemand wo und ob die Aqua power kurse stattfinden???
15:15
waldorf & stadler
lassen grüßen