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Konfirmation eines Schützen

01.06.2012 | 18:41 Uhr
Konfirmation eines Schützen
Herbert Wendt wurde vor 50 Jahren in St. Viktor konfirmiert.

Schwerte.   St. Viktor erlebt am Sonntag eine ganz besondere Konfirmation. 38 Menschen feiern ihre Jubelkonfirmation. Einer von ihnen ist Herbert Wendt. Er wurde vor 50 Jahren in der Marktkirche konfirmiert.

Die altehrwürdige St. Viktorkirche erlebt am Sonntag eine ganz besondere Konfirmation. 38 Menschen nämlich feiern ihre Jubelkonfirmation. Einer von ihnen ist Herbert Wendt. Er wurde vor 50 Jahren in der Marktkirche konfirmiert. Der Verdacht liegt nahe, dass er seinerzeit der einzige Schützenbruder weit und breit war, der auf diese Art und Weise ins kirchliche Erwachsenenleben eingetreten ist. Der heutige Vorsitzende des Bürgerschützenvereins Schwerterheide ist nämlich am 1. Januar 1962 in den Verein eingetreten – zweieinhalb Monate vor seiner Konfirmation

„Wachet, stehet im Glauben“

.„Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark“, heißt es im Vers 13 des 16. Kapitels des 1. Korintherbriefs. Dieser Vers ist der Konfirmationsspruch von Herbert Wendt. Er hat ihn noch, hinter Glas und sorgfältig gerahmt. Auch ein Foto seiner Konfirmationsgruppe ist säuberlich in ein Fotoalbum geklebt. 24 junge Menschen sind mit ihm vor den Altar geführt worden, schick gekleidet und mit Schlips und Kragen. Jeans? Die war im Gegensatz zu heute verpönt zu derart feierlichen Anlässen. Turnschuhe? Gingen damals auch nicht, einmal abgesehen davon, dass die auch kalte Füße eingebracht hätten. Am 18. März 1962 lag nämlich Schnee, als Pfarrer Wilkens die Konfirmanden aus der Kötterbachstraße heraus in die Marktkirche führte.

Herbert Wendt war damals einer der ganz wenigen Jungs, die von der damals noch dünn besiedelten Schwerterheide kamen. Mit dem Bus ging’s zum Katechumenen- bzw. zum Konfirmandenunterricht. Der fand statt in den Räumen der heutigen Fahrschule Schürmann, später im Paul-Gerhardt-Haus. „Wir mussten viel auswendig lernen“, erinnert sich Herbert Wendt. Immerhin ist etwas hängen geblieben. „Das Glaubensbekenntnis könnte ich mitsprechen, das Vaterunser kann ich auswendig“, sagt er. Ist er ein religiöser Mensch? „Ich bin ein gläubiger Mensch, gehe aber nicht jeden Sonntag in die Kirche“. Das sieht am morgigen Sonntag anders aus.

Deutschland erholte sich Ende der 50er, Anfang der 60er-Jahre langsam von den Folgen des Kriegs. Große Geschenke in Form von hohen Geldbeträgen gab’s 1962 aber noch nicht. „Taschentücher und Socken“, schmunzelt Herbert Wendt. Gefeiert wurde zu Hause, das Essen selbst gekocht. Tanten brachten Torten mit, am Abend wurden Schnittchen und Kartoffelsalat gereicht. Glücklich war man im Hause Wendt trotzdem. Oder gerade deswegen. Auf der Heide war die Welt ja ohnehin noch in Ordnung.

Langeweile ist ein Fremdwort

Herbert Wendt wurde 1948 in Schwerte geboren. Seine Schulzeit erlebte er in der Ruhrstadt, absolvierte danach eine dreieinhalbjährige Ausbildung bei der Bundesbahn in Hagen zum Starkstromelektriker. Nach Gesellenzeit und dem Besuch der Berufsaufbauschule schloss sich ein Ingenieurstudium an. Im Anschluss an die ersten Berufsjahre bei der Firma AEG wechselte er in das Dortmunder Unternehmen Klöpper. Dafür ist er heute noch beratend tätig, ansonsten aber seit Mitte 2011 in Rente.

Langeweile hat Herbert Wendt im Ruhestand nicht. „Es gibt immer was zu tun“, sagt er. Alleine der große Garten will bearbeitet werden. Herbert Wendt und seine Frau Gisela bauen nämlich noch Kartoffeln und anderes Gemüse für den Eigenbedarf an. Und wenn es doch mal nichts zu tun gibt, verreisen die Wendts gerne auch mal. Am Nordkap waren sie schon, ebenso am Kap der guten Hoffnung. Namibia haben sie besucht, die Golden Gate Bridge gesehen. Fahrrad fahren ist eine Leidenschaft, und Mitglied im Skiclub Schwerte sind die beiden auch.

Tja, und dann gibt es ja noch das Schützenwesen als große Leidenschaft. Dass er selbst einmal einen grünen Rock tragen würde, war klar, als er noch in der Wiege lag. Opa Fritz war Oberst bei den Heideschützen. Auch sein Vater gehörte dem Verein an. 1998 wurde aus Herbert Wendt Herbert I. Er hatte

Schon einmal König

den Vogel abgeschossen. Seit 2000 steht er an der Spitze des Vereins. Und hat jetzt die ehrenvolle Aufgabe, mit seinen Mitstreitern das Schützen- und Volksfest vom 18. bis zum 26. August zu organisieren.

Zumindest morgen werden die Gedanken ans große Fest ruhen. „Ich habe nur noch wenig Erinnerungen an andere Konfirmanden“, gesteht er. „Aber ich freue mich auf die Jubelkonfirmation“. Ganz sicher werden nach dem Gottesdienst auch ein paar Erinnerungen zurückkehren. Und der Weg auf die Heide zum Schützenfest ist schnell erklärt.

Von Ingo Rous


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