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Katja Hardenfels — eine Frau, die in kein Konzept passt

14.01.2011 | 16:42 Uhr
Katja Hardenfels — eine Frau, die in kein Konzept passt

Schwerte.Sie ist selbstbewusst, freundlich und sie ist zufrieden. Sie sprudelt über vor Ideen. Ideen, die sie entwickelt hat und auch solche, die noch in ihrem Kopf sind. Sie sieht aus, als wäre sie gerade dem Teenager-Alter entwachsen, dabei feierte sie im letzten Jahr ihren 40. Geburtstag. „Typisch Aspie“, lacht sie „die sehen meist sehr jung aus.“ Die Rede ist von Katja Hardenfels. Sie hat die Diagnose Asperger-Syndrom.

Das Asperger-Syndrom ist eine Störung innerhalb des Autismus-Spektrums. Menschen mit dem Asperger-Syndrom haben häufig Schwächen in den Bereichen sozialer Interaktion und Kommunikation. Viele sind hochbegabt. Das ist scheinbar auch Katja Hardenfels. Sie bekam die Diagnose mit 37 Jahren. Zwanzig Jahre zuvor wurde schon bei ihr Narkolepsie festgestellt, die sie mittels Medikamenten mit einigen Einschränkungen im Griff hat.

„Ich war als Kind schon komisch, aber immer brav“, erzählt sie. Sie konnte keinen Ball fangen, wurde daraufhin vom Sportunterricht abgemeldet. Stundenlanges Sortieren von Stiften, bevor sie malte, oder anderen bei der Arbeit zusehen, anstatt selbst aktiv zu werden – das waren einige ihrer Beschäftigungen. Sie konnte Klavierspielen, bevor sie es gelernt hatte: Einmal gehört, spielte sie das Stück nach. „Ich hatte dann natürlich keine Lust mehr Noten zu lernen“ – und das gab Ärger mit dem Lehrer. Ärger hat sie viel gehabt: Sie wurde gemobbt, viele ihrer Mitmenschen verstanden sie nicht, einige hielten sie für unglaubwürdig, für viele war sie zu übergenau. „Ich bin für andere ein Problem gewesen.“ Sie hat gelernt mit ihrer Problematik umzugehen und ihre Fähigkeiten zu nutzen.

Katja Hardenfels musste ihre Stärken und Schwächen erst finden. „Meine Karriere gelang niemals in gewöhnlichen Strukturen.“ Sie ist von Beruf Krankenschwester und „ein glücklicher Umstand fügte es, das ich bald nach meiner Ausbildung im Schlaflabor landete und ganz glücklich zwischen all den Kabeln, Kurven, Monitoren und Programmen wurde.“ Ihr Spezialgebiet war Schlafmedizin, ohne Medizinerin zu sein. Schlafstadien zu erkennen, gehörte zu ihren Aufgaben. Durch ihr fotografisches Gedächtnis und „Mustererkennung“ bemerkte sie schnell, wenn etwas mit dem EEG nicht in Ordnung war.

Die gebürtige Hamburgerin und Wahlschwerterin versucht immer, Lösungen für ihre eigenen Probleme zu finden. Und da kommt ihr ihr Erfindergeist zu Gute. So hat sie aus einer praktischen Notwendigkeit heraus den Master-Pad erfunden. Dabei handelt es sich um eine nachtleuchtende, selbsthaftende und wiederbeschreibbare Folie, mit der sie im Dämmerlicht beim Nachtdienst mühelos die Patientennotizen lesen konnte. Auf diese Erfindung hat sie ein Patent. Mit dem hat sie 13 nationale und internationale Preise gewonnen und ist damit die einzige Frau, die zweimal mit dem welthöchsten Preis für die beste Erfindung ausgezeichnet wurde.

Katja Hardenfels hat versucht das Master-Pad zu vermarkten, das ist ihr aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht gelungen – bis auf einzelne Stücke, die übers Internet bestellt werden können. Trotz alledem hat sie Vorteile daraus gezogen: ein umfangreiches Wissen über Geschäftsgründung mit allem was dazu gehört, dass sie für ihre neuen Entwicklungen und Erfindungen einzusetzen weiß. Auch gibt sie ihre Erfahrungen beispielsweise als Referentin bei Veranstaltungen und in Workshops für Verbände und Vereine weiter.

Im letzten Jahr initiierte Katja Hardenfels das Knopfprojekt. „Im DM-Markt lagen Flyer aus, mit denen Projekt-Ideen gesucht wurden.“ Die Ideen sollten nachhaltig sein und ein soziales Problem lösen. Da kam ihr die Idee mit den Knöpfen. Gebrauchte und gespendete Knöpfe werden gesammelt, von einer Asperger-Autisten-Initiative wieder aufbereitet, sortiert und neu verpackt, oder es werden daraus kunsthandwerkliche Gegenstände geschaffen. Mit dieser Idee wollen die Asperger-Autisten ihre Arbeitsplätze selbst schaffen. Beim Wettbewerb der DM-Märkte ist auch das Knopfprojekt nominiert worden und die Kunden können noch bis zum 26. Januar per Karte abstimmen. Am 19. Januar ist Katja Hardenfels in der Schwerter Filiale, informiert über ihr Projekt und hat selbstverständlich eine Sammelbox für alte Knöpfe dabei.

Christel R. Radix

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