"Elodea gehört zum Ökosystem Hengsteysee"
30.11.2009 | 17:42 Uhr 2009-11-30T17:42:08+0100
Schwerte. Die große Schildkröte, die für ein Foto in der WR neugierig Richtung Kamera blickte, hat die Aufmerksamkeit von Volker Heimel nur bedingt erregt. Die unförmige grüne Masse, auf der Eduard thronte, dafür umso mehr.
Denn der Leiter der Öko-Station Ebberg weiß: Es handelt sich um die Wasserpflanze Elodea, die aus dem Hengsteysee gefischt und zum Teil auch dort gerodet wird. Dass die Pflanzen als Biomüll entsorgt werden, ist für Heimel untragbar und illegal.
Kinderstube für Fische und Libellen
„Im Pflanzengewirr laichen Fische und Amphibien, darin leben Libellenlarven, Wasservögel bauen darauf ihre Nester und so weiter”, sagt Heimel. Aus seiner Sicht bilde die so genannte „Kanadische Wasserpest die Grundlage für das gesamte Ökosystem See”. Und das stehe durch das Roden der Pflanzen, die keine Algen – wie fälschlich berichtet – sind, auf der Kippe. Vielmehr sei ein Abbau „nach Ansicht vieler Ökologen ein Verstoß gegen das Landschaftschutzgesetz”. Eine Auffassung, die auch Heimel teilt.
Diesen Vorwurf will der Ruhrverband, zuständig für den Hengsteysee, so nicht gelten lassen will. „Wasserpflanzen gehören in einen See”, betont Markus Rüdel vom Ruhrverband. Aber: „Elodea ist kein heimisches Gewächs.” Deshalb stehe sie unter Beobachtung, denn der Ökoimport dürfe die hiesigen Arten nicht zurückdrängen. Dazu könne es aber kommen, da „sie schneller wachsen und sich schneller vermehren”, befürchtet Rüdel.
„Heimische Arten wie Teichrose oder Hornblatt und Elodea tun sich nicht soviel wie man denkt”, hält Volker Heimel dagegen. Unter Biologen werde zudem intensiv diskutiert, wann eine fremde Pflanze in einem neuen Ökosystem überhaupt heimisch geworden ist. „Elodea gibt es hier seit 100 Jahren.” Auch sie sei schützenswert. Viel wichtiger sei ohnehin die Filterfunktion von Wasserpflanzen, egal. wie sie heißen. „Das eigentlich Unnatürliche ist die Staumauer”, so Heimel. Verschlammungen seien da nicht zu veremeiden. Aber: Pflanzen sorgen für sauberes Wasser, sind deshalb zu schützen.
Der Ruhrverband sieht dagegen durch die Maßnahmen gegen Elodea keine Gefahr für das Ökosystem. Jungfische können auch heimischen Pflanzen als Kinderstube nutzen. „Die Maßnahme wurde zudem vier Jahre lang wissenschaftlich begleitet.” Das Ergebnis ist auf der Homepage des Ruhrverbandes nachzulesen und ausgedruckt stolze 377 Seiten stark. Komplett beseitigen könne man die Pflanzen, die bis an die Wasseroberfläche wachsen, ohnehin nicht – alleine aus Kostengründen. Was bei der Firma Biotrans landet, seien abgestorbene Pflanzen. „Sie werden im Herbst brüchig und treiben ab.”
Beschwerden von Naturschützern oder sogar Klagen habe es seit 2001, als Elodea zum ersten Mal im Hengsteysee bekämpft wurde, nicht gegeben. Das bestätigt auch Volker Heimel.
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