Eine Frau auf großer Reise
19.03.2010 | 18:15 Uhr 2010-03-19T18:15:00+0100
Schwerte. Mit ihren 1,58 Metern wird Eva Steinke im Alltag leicht übersehen. So richtig gewöhnt hat sich die zierliche 17-Jährige daran noch nicht. Schließlich ist es erst einige Monate her, dass sie trotz ihrer Körpergröße aus großen Menschenmengen heraus stach.
Denn Eva Steinke lebte ein Jahr in Südafrika – als Weiße unter Schwarzen.
Schwarze – bei diesem Wort beobachtet Eva Steinke immer wieder, wie ihre deutschen Gesprächspartner zusammenzucken. Angeblich politisch unkorrekt, diskriminierend. „In diesem Wort ist überhaupt keine Wertung enthalten”, erklärt Steinke. Ein Jahr lang hat sie in Boksburg, einer Stadt bei Johannisburg gelebt, war Teil einer afrikanischen Familie. „Als es zum ersten Streit mit meiner Gastschwester kam wusste ich: Jetzt bin ich in der Familie angekommen. Denn mit Gästen streitet man nicht”, erinnert sich Eva.
Mit ihrer hellen Haut und ihren glatten Haaren fiel sie immer wieder auf. Besonders dann, wenn sie mit ihrer vierköpfigen Gastfamilie unterwegs war. „Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt fremd gefühlt”, betont die Gymnasiastin. Im Gegenteil, überall sei man ihr offen und herzlich gegenüber getreten. Auch dann, als sie zwei Wochen auf das mittelständische Leben in ihrer Gastfamilie verzichtete und in ein Township, ein typisch afrikanisches Armenviertel, zog. „Das war einfach zu krass. Nicht unbedingt zu arm. Aber einfach zu anders. Ich konnte mich nur bedingt damit identifizieren”, bekennt Eva offen. Der Seitenwechsel hat sie eines zu schätzen gelehrt: den wahren Wert des Geldes. Denn Geld öffnet Türen, bietet Chancen und Handlungsmöglichkeiten. Im Township sei zwar das reine Überleben irgendwie möglich, am Leben teilzunehmen, aus der Armut auszubrechen, jedoch nicht.
Die Lektionen, die Eva Steinke in dieser kurzen Zeit gelernt hat, werden in keiner Schule unterrichtet. Weder am heimischen Ruhrtal-Gymnasium, noch an der Sunward Park Highschool, die Eva für ein Jahr besuchte. Statt normaler Freizeitkleidung musste sie hier Schuluniform tragen. Weißes Hemd, karierter Rock und Kniestrümpfe – Krawatte inklusive. Einen ordentlichen Knoten kann die 17-Jährige bis heute noch nicht. „Ich hatte einen Krawatte mit Gummizug. Die saß immer sauber”, erklärt sie augenzwinkernd.
Auch wenn sich der selbstbewusste Teenager schnell an die fremde Kultur gewöhnte, kam es doch, das Heimweh. Erst seien es nur Kleinigkeiten wie Schwarzbrot oder weihnachtliche Lebkuchen gewesen. Dann sei die Sehnsucht nach Familie und Freunden immer größer geworden. Aber Eva Steinke wurde aufgefangen – von ihrer neuen Familie, ihren neuen Freunde. Jetzt, zurück in Deutschland, vermisst sie die exotischen Früchte, die lebensfrohe Mentalität der Afrikaner und Bunnychow, eine Art Burger mit Mango und Bockwurst. Ein Teil von ihr ist in Boksburg geblieben, der andere lebt das normale Leben einer 17-Jährigen Deutschen.
Im Sommer zieht es sie wieder nach Südafrika. Dann wird sie mit ihren 1,58 Metern wieder aus der Menge herausstechen – und doch mit der Kultur des Landes verschmolzen sein.
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