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Günter Brünger

Ein waschechter Ergster

26.02.2010 | 15:39 Uhr

Ergste. Sein Name ist Brünger. Günter Brünger. Er ist Ergster. Ein waschechter sogar. Seit 77 Jahren. Und bekannt wie ein bunter Hund. Über ihn zu berichten ist wie Eulen nach Ergste tragen. Wenn es um Gallionsfiguren geht, reiht er sich ganz vorne ein. Und im Fernsehen war er auch schon.

Das war 1961. Der bekannte deutsche Publizist und ehemalige Regierungssprecher Klaus Bölling schrieb damals fürs ZDF sein Londoner Tagebuch. Ihm lief Günter Brünger in Dover über den Weg. Mit der A-Jugend des damaligen SSC Ergste war Brünger auf Englandbesuch, die Geschichte mit Bölling eine schnell beschlossene Sache. Am 17. Juni 1961 flimmerte der Beitrag über die Mattscheibe. „Wir konnten damals das ZDF noch gar nicht empfangen”, erinnert sich Günter Brünger. Eingeladen hat er sich damals bei Lilo Bothe; diese Freundschaft mit der langjährigen Vorsitzenden der Volksbühne Ergste ist heute noch aktuell und intensiv.

Günter Brünger kann in vielen Erinnerungen schwelgen.

Fußballer oder Sänger - was genau ist Günter Brünger eigentlich? „Mensch”, sagt er, „in erster Linie bin ich Mensch”. Und zwar einer, der sich immer mit seinem Handeln identifizieren konnte. Ob als Hausmeister der ehemaligen Gemeinschaftshauptschule „Am Derkmannsstück”, ob als Chef des MGV Sänderbundes Ergste oder als gute Seele des in der SG Eintracht Ergste aufgegangenen SSC Ergste, Günter Brünger war immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Er hat gestaltet und geprägt. Wohl kaum hätten die Ergster Fußball-Amazonen ohne ihn einen derartigen Stellenwert erhalten. Hunderte von Zuschauern sahen seinerzeit die gute Marke Frauenfußball, erlebten die spätere Nationalspielerin Beate Henkel. Oder Marion Puschmann. Oder Monika Buschhaus. Meistens wurden die Gegner in Grund und Boden spielten – vor allem, wenn die Ergsterinnen in der schrägen Wietloh-Kampfbahn die Steigung im Rücken hatten. „Unsere Torfrau Heidi Groll war eine der besten in ganz Deutschland”, erinnert sich Brünger und sonnt sich noch immer im Lichte des dritten Platzes, den seine Mädels einst auf einem internationalen Turnier in Bad Neuenahr erringen konnten. Damals bekam sogar Tennis Borussia Berlin die Hucke voll.

Mensch Brünger. Den durften auch die Sänger des MGV erleben und genießen. 23 Jahre war er Vorsitzender der Barden, davor sechs Jahre ihr stellvertretender Chef. Zuletzt hat er die Pressearbeit geleitet. Schluss damit. „30 Jahre sind genug”, überschrieb er seine letzte Pressemitteilung. Gestern war Jahreshauptversammlung, seit gestern ist Günter Brünger nur noch Sänger. Zweiter Bass. „Das ist stimmlich schon sehr tief”, brummt Brünger. Angefangen hat er als zweiter Tenor, aber „ich habe mich durchgebissen”.

Es war halt immer die Stärke des Günter Brünger, den richtigen Ton zu treffen – auch oder gerade im Umgang mit anderen Menschen. „Ich habe in meinem Leben eine Menge gelernt”, blickt er zurück auf bewegte Jahre. Er lebt sie noch, die Wände in seinem Arbeitszimmer hängen voll mit Bildern und Urkunden. 2001 hat er das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten – eine Auszeichnung für seine Verdienste um das Sangeswesen, den Sport und seinen Einsatz für internationale Begegnungen. In der Partnerschaft zwischen Ergste und Allouagne mischt er seit 35 Jahren mit. Er hat die Freundschaft zum ungarischen Frauenchor Vox Pacis begründet, hat mit den Don Kosaken auf einer Bühne gestanden. Im Shanty-Chor Cuxhaven (ist ja auch schon fast Ausland) ist Günter Brünger passives Mitglied. Wenn einer dazu beigetragen hat, den Namen der Ruhrstadt über ihre Grenzen hinaus bekannt zu machen, dann ist das ohne Frage Günter Brünger. Die Gallionsfigur. Der Mensch, der sich für einen Jux nie zu schade war und ist. „Ein bisschen Blödsinn machen konnte ich schon immer”, sagt er über sich.

Die Wand in seinem Arbeitszimmer verrät übrigens noch eine Leidenschaft. Eine blaue Leidenschaft. Nein, eine königsblaue! Der Mann ist Schalker. Ein Knappe im Borussenland. „Es gibt viele Schalker hier”, weiß Brünger, dass er nicht alleine ist im Dorf. Sein Blick wandert über den Schreibtisch. Dort steht seine Schreibmaschine. Pressemitteilungen werden dort nicht mehr eingetippt. Schade eigentlich, sagen die Sänger. Aber mit 77 Jahren darf man sich schon mal beruhigt zur Ruhe setzen. Günter Brünger hat sie sich verdient.

Ingo Rous

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