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125. Geburtstag des...

Ein Baumeister mit Blick fürs Detail

19.03.2010 | 18:22 Uhr
Ein Baumeister mit Blick fürs Detail

Silvesternacht 1912. Draußen läuten die Glocken das neue Jahr ein, als in seinem Arbeitszimmer in Leipzig ein junger Architekt den letzten Federstrich an einem großen Entwurf macht.

Fast genau mit dem Jahreswechsel, so hat er selbst gern erzählt, beendet der 28-jährige Carl H. J. Schmitz die Pläne für einen Bau, der heute noch das das Stadtbild bestimmt: das Schwerter Rathaus. Am heutigen Samstag jährt sich Schmitz' Geburtstag zum 125. Mal.

Pünktlich zu diesem Jubiläumstag bietet der Heimatvereinsvorsitzende Uwe Fuhrmann einen Rundgang durch die Stadt an, eine ArchitekTOUR, wie er es nennt, auf den Spuren des Baumeisters, der in Schwerte zahlreiche Bauten geschaffen hat, die auch heute noch einen Besuch wert sind.

Schmitz wurde 1885 in Mönchengladbach geboren, studierte in Köln und gewann mit 28 Jahren den Wettbewerb um den Bau des Schwerter Rathauses. Nach seinem ersten architektonischen Großprojekt ließ er sich in der Ruhrstadt nieder, gründete eine Familie und schuf bis zu seinem Tode am 25. März 1963 nicht nur zahlreiche Bauten in seiner Heimatstadt, sondern auch das Hohenlimburger Rathaus und viele weitere Bauten in der Region (siehe Kasten).

In Schwerte aber will Uwe Fuhrmann am heutigen Samstag 14 Objekte ansteuern. Los geht es – natürlich – am Rathaus um 15 Uhr. Dort wird man übrigens auch den Garten betrachten, denn Schmitz hat in der Regel auch das Umfeld seiner Hausbauten durchgestaltet – und auch das Innenleben der Häuser im Blick gehabt. Er hat bleiverglaste Fenster, Türklinken, Lampen oder ganze Kücheneinrichtungen entworfen, mit speziellen Wandanstrichen experimentiert oder für unsere Breiten völlig ungewöhnlich Schiebefensterkonstruktionen verbaut – ganz im Sinne der Idee eines Gesamtkunstwerks.

Dabei gibt es verschiedene Versatzstücke der Schmitz'schen Formensprache, die man nicht nur an seinen Bauten immer wieder erkennen kann, sondern an vielen kunstgewerblichen Entwürfen.

So hat der Architekt in den 30er Jahren für VDN (die Besitzerfamilie Fleitmann hatte seinerzeit schon den Rathausbau wesentlich mitfinanziert) eine ganze Kollektion von über 130 Metallarbeiten, darunter Vasen, Kerzenleuchter, Kaffeekannen, Schalen, Teeservice u.a.m. und auch mehrere Bestecke entworfen. Viele seiner Arbeiten stehen heute in Kunstgewerbemuseen in der ganzen Bundesrepublik von Berlin bis Hamburg. Museumsleiter John Loftus hat für den Rundgang am Samstag einige Beispiele in einer Vitrine im Museumsfoyer aufgestellt.

Carl. H. J. Schmitz, der bis zu seinem Tode 1963 tätig war, gewann 92 Preise bei Architektenwettbewerben, darunter 68 erste Preise. Er war Mitglied aller führenden Architektenverbände und wurde 1948 als Mitglied in die Akademie für Städtebau und Landesplanung berufen.

Bernd Kirchbrücher

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