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Der Mann, der sich zwei Völker hält

14.05.2010 | 17:22 Uhr

Schwerte. Wenn die Natur was vertragen kann, dann ist es Karl Ernst August Habedank. Der Mann handelt ökologisch, er denkt ökologisch. Jetzt hat sich der 68-jährige Ex-Bayer und Ur-Schwerter gemeinsam mit seinem Freund Friedrich Jacobs einen Schwarm zugelegt. Einen Bienenschwarm.

Jim Habedank an seinem neuen Betätigungsfeld: Friedrich Dieckmann (re.) hat ihm einen ehemaligen Stock zur Verfügung gestellt.

Jim Habedank ist gelernter Ingenieur. Deshalb erkennt er Zusammenhänge, weiß genau, wie Rädchen ineinander greifen und was sie bewirken. Das gilt für die Technik ebenso wie für ökologische Vorgänge. Deshalb hat sich Habedank, im Sternzeichen des Löwen geboren, irgendwann einmal entschlossen, der Natur das zu geben, was sie am dringendsten braucht: Zuwendung und Hingabe.

Dass er kürzlich sogar bis Karlsruhe gefahren ist, um dort zwei Bienenvölker bei seinem Freund Norbert Göke abzuholen, hat nichts mit einer etwaigen Vorliebe für flotte Bienen zu tun. „Bienen tragen sehr dazu bei, die Natur zu unterstützen”, erklärt er.

Seit ein paar Wochen nun sind die beiden Freunde nahezu täglich auf dem Gelände von Bauer Friedrich Dieckmann am Rheinener Weg anzutreffen. Dort haben sie ein ehemaliges Bienenhaus renoviert. Jetzt summt und brummt es, dass es eine Pracht ist. „Bienen zu halten, zu pflegen und Honig zu erzeugen bedeutet für uns, dass die Bienen nach ihrem Wesen und nach ihren Eigenschaften unter Berücksichtigung ihrer Beziehung zur Umwelt unter Einbeziehung der Natur leben können”, sagt Habedank. Friederich und Norbert ergänzen: „Naturwidrige Handlungen bleiben nicht ohne Folgen. Die Behandlung von Äckern mit Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung hat Tausende von Bienenvölkern vernichtet”.

In seinem Leben hat sich Jim Habedank eine Menge Wissen angelesen. Was er über Bienen weiß, weiß er auch über Vögel. Wer mit ihm durch Wald und Flur wandert, erfährt viel über unsere gefiederten Freunde. Man sieht sie nicht, aber dem Herrn Habedank reicht der Gesang, um zu bestimmen, um welchen Vogel es sich handelt. Büsche sind nicht einfach nur Büsche, Sträucher nicht einfach nur Sträucher, die meisten kennt Jim Habedank, auch

Honigernte nicht

alleiniges Ziel

unserer Imkerei

ihren Nutzen für Vögel und Insekten. Wenn man wie er im Laufe seines Lebens Tausende Wanderkilometer zurückgelegt hat, weiß man eben, was man sieht und hört; selbst wenn sich mal eine gestreifte Ufertrötze in Erzählungen verirrt oder aus einer schwarz-weißen Dogge-Bernhardiner-Mischung ein Holsteiner wird - Arten und Rassen, die noch gezüchtet werden wollen.

Rasten? Um Gottes Willen! Ein Western lockt ihn schon mal in den Fernsehsessel, sonst eher nichts. Computer? Gedönskram. Genießen? Das kann der Löwe schon eher und manchmal auch ausgiebig. Selig sind die, die seinen Gänsebraten essen durften. Früher verschwand schon mal ein ehemals großer, weißer Vogel im Wandergepäck, damit die Kumpel unterwegs auch was zu futtern hatten. Von Flensburg bis Bayern ist er schon gelaufen. Kajaktouren hat er unternommen, war Skipper auf ungezählten Segeltörns, hat Kilometer über Kilometer mit dem Fahrrad hinter sich gebracht und ist sogar schon mit dem Drahtesel von Schwerte bis nach Ulm gefahren.

Seit fünf, sechs Jahren engagiert sich Jim Habedank auch bei AGON, der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz. „Ich möchte etwas tun für die belebte Umwelt und meinen Beitrag leisten, dass die Nachwelt noch Kiebitze, Lerchen oder Trauerschnepper sehen kann”. Das nennt man handeln aus innerer Überzeugung. Auch bei seinen Bienen. „Nicht nur die Honigernte soll der alleinige Erfolg unserer Imkerei sein”, sagt der überzeugte Ökologe selbstlos. „Der Erhalt einer natürlich gehaltenen Bienenpopulation ist noch über den Ertrag zu stellen.” Und die Natur sagt Danke.

Ingo Rous

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