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Beschaffungszauberei und tote Tauben

05.11.2009 | 17:31 Uhr

Schwerte. Da haben die Schwerter so richtig Glück gehabt: Auf ihrem Weg nach Las Vegas machten die Fertigen Finger am Mittwochabend Station in der Ruhrstadt, „dem Sprungbrett zur Welt”.

Auf der Bühne der Rohrmeisterei legten die Zauberer eine Show vom Feinsten hin. Klassische Tricks, Gags, Situationskomik, Wortspielereien und ungeheures Improvisationstalent verwoben sich miteinander.

Den Techniker hat der Schweinegrippenvirus erwischt und einem Teammitglied wurde „in Berlin die Nase gebrochen”, sodass das zauberhafte Team zu neunt auf der Bühne stand. Sie bestachen nicht nur durch ihr außerordentliches fingerfertiges Können. Jeder spielte eine andere Rolle und die Unterschiedlichkeit dieser Charaktere bildete die Basis für unterhaltsame Konflikte, Beziehungskisten und Geschichten innerhalb der Truppe.

Womanizer war nicht wirklich der Bringer

Da wird der Womanizer Heinz angekündigt. „Meine Herren, halten sie ihre Frauen fest, wir haben schon unschöne Szenen erlebt. Julio Iglesias ist ein Scheiß dagegen.” Und dann kam Heinz. Hornbrille, schmächtig, hellblauer Pullover, Halbglatze. Weiter ging's mit dem „gescheiterten Alt-Magier”, der unter ständigen Las-Vegas-Rufen Tücher aus seinen Ärmel zieht, zwischendurch ein Schlückchen aus dem Flachmann nimmt und nebenbei mal eben Taube und Hase (natürlich Stofftiere) erschießt. Dann war da noch Gunther, der in einer Therapiesitzung der „Anonymen Zauberer” von seiner Suchterfahrung und von „Beschaffungszauberei” erzählte, oder Gisbert, der den Hauptteil der Show im Publikum sitzend verbrachte und lediglich einfältige Kommentare von sich gab.

Dazu und zwischendrin Zauber-, Karten- und Seiltricks am laufenden Band. Äußerst geschickt suchten sich die Zauberer ihre Assistenten aus dem Publikum und ihrem Charme konnte keiner entgehen. Die Theorie der Zauberkunst wurde erklärt.

„Frag niemals wie!”

„Ärmel sind aus. Gefragt sind Schnelligkeit und Ablenkung.” Gesagt getan. Ob es jemand verstanden hat, ist fraglich. Äußerst verblüffend die Tricks mit den Publikumsassistentinnen. Bei der einen Nummer musste sich die Dame anscheinend wahllos eine vierstellige Zahl aus einem Telefonbuch merken, die die fertigen Finger dann, natürlich richtig, errieten.

„Frag niemals wie!” hieß das Programm. Doch die Fragezeichen in den Augen der Zuschauer waren ablesbar. Ein äußerst unterhaltsamer Abend, bei dem kaum ein Auge trocken blieb. Ständiger Szenenapplaus, lautes Gekichere bis hin zum Gegröle in der ausverkauften Rohrmeistereihalle begleiteten die Show. Nicht enden wollender Applaus zum Schluss, der die Fertigen Finger zu zwei Zugaben auf die Bühne zurückholte. Stehend verabschiedeten sich die Zuschauer, als sich nach über zwei Stunden Programm der Vorhang endgültig schloss. Mehr Anerkennung geht kaum.

Christel R. Radix

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