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Tür auf zum Glockenturm

Stimme der Kirche in Linderhausen

23.12.2009 | 17:57 Uhr
Stimme der Kirche in Linderhausen

Dem aufmunternden Blick von Pfarrer Rainer Schumacher folge ich gern. Es geht nach oben. Die Richtung stimmt. Schließlich kennen sich Pfarrer mit dem „oben” ja gut aus.

Nun, vorerst wollen wir in diese Sphären nicht vordringen. Wir sind im ersten Stock des Gemeindehauses in Linderhausen. Früher befand sich hier die Empore des Gemeindesaales. Und oben, gleich unter der Zimmerdecke, eine kleine Doppeltür, durch die sich der Pfarrer zuvor in die Höhe begeben hatte. Wir sind auf dem Weg zur Glocke des Gemeindehauses. Diese Tür hat Pfarrer Schumacher heute für unsere Leser geöffnet.

Seit fast 20 Jahren ist Rainer Schumacher in Schwelm. In Linderhausen hat er nach den Pfarrern Wiechelt und Weckel die Amtsgeschäfte in diesem nördlichsten Bereich der Kreisstadt übernommen. Eine Arbeit, die ihm ans Herz gewachsen ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass in den wechselvollen Jahren sich wandelnder Strukturen und knapper Kassen die Schließung dieses Gemeindehauses in Betracht gezogen worden war. Doch davon später.

Über den Spitzboden zur kleinen Glocke

Zwischenzeitlich haben wir den Spitzboden erreicht. Die wenigen Meter bis zum Fuß des kleinen Türmchens müssen wir gebückt überwinden. Dann noch eine kleine Holzleiter und schließlich stehen wir vor der Glocke.

„Das ist die Stimme unserer Kirche hier in Linderhausen. Sie ruft nicht nur zum Gebet und zum Gottesdienst. Sie versinnbildlicht auch ein Stück kirchlicher Präsenz hier oben”, so Rainer Schumacher. Doch nicht nur die Stimme der Glocke trage christliche Töne. Die Bewegung, die Schwingung, solle man sich zu eigen machen. Ein bewegtes Gemeindeleben symbolisiere die Glocke.

Und genau dieses bewegte Leben der evangelischen Gemeinde im Bezirk Linderhausen hat dem Gemeindehaus mit seinem Glöckchen die Zukunft gesichert. Denn die Kirchengemeinde konnte das Haus nicht mehr finanzieren. Es taten sich viele Linderhauser zusammen. Ein Förderverein tritt jetzt für die Gebäudeunterhaltung und den Bestand ein. Und das Glöckchen im kleinen Turm auf dem Gemeindehaus ruft nach wie vor zum Gottesdienst.

Das passiert nicht jeden Sonntag. Denn in Linderhausen findet der Gottesdienst nicht mehr an jedem Sonntag statt. Ein Umstand übrigens, den einige Linderhauser beklagen. Nicht wegen des Gottesdienstes. Nein, wegen des traditionellen Geläuts, das schon am Samstagabend den am Sonntag nachfolgenden Gottesdienst ankündigt.

Es klinge so schön, wenn die Glocke die Festtagsruhe in Linderhausen ankündige, hatten Bewohner den Pfarrer wissen lassen.

Pfarrer Schumacher hatte bis zum Sommer die Glocke auch dann geläutet, wenn die Kinder der Grundschule zum Gottesdienst gekommen waren. Jetzt, nach Ende des städtischen Schulbetriebs in Linderhausen, ist auch dieser Klang verstummt.

Ob die Glocke demnächst möglicherweise den Sonntag einläuten solle, auch wenn es keinen Gottesdienst geben wird, das, so Rainer Schumacher, müsse einmal diskutiert werden. Technisch sei dies sicher zu bewerkstelligen, vermutet der Pfarrer.

Und dem regen Gemeindeleben hier oben im Norden der Kreisstadt wäre es ein angemessenes Zeichen. Die Linderhauser sind stolz auf ihr kleines Gemeindehaus. Und das lassen sie sich auch einiges an Engagement und Arbeit kosten. Denn möglichst lange soll die kleine Glocke von der Präsenz der „Kirche" hier vor Ort im Norden der Kreisstadt künden.

Zwischenzeitlich haben wir uns vom Dachboden wieder nach unten bewegt. Hier trudeln so langsam die Konfirmanden ein. Denn, wenn sich genügend Kinder aus Linderhausen angemeldet haben, findet der Unterricht im Gemeindehaus statt. Noch ohne Glockenklang.

Der bleibt den besonderen Ereignissen vorbehalten, wenn sich der Blick derer hier unten nach oben wendet.

Bernd Oesterling



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