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Rheuma

Steife Gelenke und eine schwere Seele

16.06.2012 | 06:00 Uhr
Steife Gelenke und eine schwere Seele
Anne-Marie Nowak, Ilka Werth, Renate Pompino und Brigitta Terite aus der Rheuma-Liga des Enneperuhkreises benutzen die klienen grünen Schildkröten zum Flaschenöffnen.

Schwelm. Das Rheuma zwang Britta Schütze, mit 30 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Auch den Handball kann die leidenschaftliche Sportlerin nicht mehr werfen. Selbst einen Stift zu halten, fällt ihr inzwischen schwer. Die heute 41-Jährige ist Mitglied der Rheuma-Liga des Ennepe-Ruhr-Kreises und trifft dort auf viele Leidensgenossen, die zu berichten wissen: Die Krankheit geht nicht nur auf Knochen und Gelenke, sondern auch auf die Seele.

Jährlich 700 000 Erkrankte

Die Selbsthilfegruppe „Rheuma-Liga“ sowie etwa 40 interessierte Schwelmer lauschten am Donnerstag in der Cafeteria des Marienhospitals einem Vortrag zum Thema Behandlung und Früherkennung.

Themen, die nicht nur Erkrankte interessieren, sprach Dr. Astrid Thiele, Chefärztin der internistisch-rheumatologischen Station des Sankt-Josef-Hospitals in Wuppertal an. 700 000 Menschen bundesweit erkranken jährlich an Rheuma. Für die Kreisstadt und das bergische Städtedreieck gebe es nur einen ambulanten Arzt, erläuterte Dr. Thiele und machte darauf aufmerksam, dass potenzielle Patienten auf einen Termin beim Rheumatologen bis zu sechs Monaten warten müssten. Ein Rheuma-Check hingegen könne die lange Wartezeit verkürzen. Das ist ein Fragebogen, der vom Hausarzt ausgefüllt wird, um eine mögliche Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

Ein wichtiger Schritt, denn Rheuma ist eine Krankheit, mit der das Leben eine scharfe Wende nehmen kann, erzählen die Frauen der Rheuma-Liga: Pillen, Spritzen und Antidepressiva gehören zum Alltag. „Ich habe mich immer weiter aus dem Freundeskreis zurückgezogen, weil mich keiner ernst nahm“, sagt Renate Pompino (53). Ein Problem, über das auch andere Betroffene sprechen. Britta Schütze bekam von Freunden an den Kopf geworfen, sie täusche die Beschwerden nur vor, um nicht arbeiten zu müssen. „Ich habe mein ganzes Leben immer 150 Prozent gegeben“, sagt Schütze. Mit Schmerzen und steifen Gelenken geht das nicht mehr. Die Elektrikerin kann ihren Beruf schon seit einigen Jahren nicht mehr ausführen. Selbst das Einkaufen fällt der 41-Jährigen schwer. Dabei hilft ihr ein Nachbar.

Als sehr wirksames Mittel gegen Rheuma stellte Dr. Thiele die sogenannten Biologika vor, Medikamente, die nicht chemisch, sondern wie der Name sagt, biologisch hergestellt werden. Sie wirken bei einer rheumatischen Erkrankung im Gegensatz zu herkömmlichen Mitteln direkt am Ort der Entzündung. Doch die Kosten für diese Wirkstoffe liegen jährlich bei bis zu 30 000 Euro pro Patient – von den Krankenkassen nur in seltensten Fällen übernommen.

Umso kreativer jedoch sind die Ideen, mit denen sich die Rheumatiker den Alltag erleichtern. Nussknacker öffnen Wasserflaschen, welche die geschwollenen Fingerknöchel nicht mehr aufdrehen können. Extra dicke Kulis erleichtern das Schreiben. „Nur für die Nähnadel gibt es noch keine Erfindung“, sagt Anne-Marie Nowak (69), die so liebend gerne wieder nähen würde.

Von Linda Zuber



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