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Mit den Trödlern auf Nachtschicht

15.05.2011 | 20:34 Uhr
Mit den Trödlern auf Nachtschicht
Schon nachts um 2 Uhr vor Ort war Aussteller Jörg Lemoine. Foto: Jonas Güttler

Schwelm.Martin Braun sucht einen Affen. Nicht zu groß sollte er sein, wenn möglich mit Ärmchen, die klammern können. Dafür ist er auch gerne früh aufgestanden, beziehungsweise noch gar nicht zu Bett gegangen. Es ist zwei Uhr in der Nacht. Noch ist Martin Braun der einzige Kunde, der über den gesperrten Platz des Trödelmarktes läuft. Ohne Taschenlampe. Daran aber erkennt man den Profi. Ohne Taschenlampe geht auf dem nächtlichen Trödelmarkt nichts.

Nur wenige Autos fahren über die Schwelmer Straßen. Auch der Wilhelmsplatz und die Straße des Trödelmarkts sind menschenleer.

Am Nachmittag durften alle Teilnehmer des 70. Schwelmer Trödelmarkts offiziell „einkreiden“, anzeigen, wo sie mit ihrem Stand stehen wollen. Vorwitzige, die schon Tage vorher versucht hatten, sich den besten Platz zu sichern, haben bei Stadtmarketingchef Kramer keine Chance. Jörg Lemoine ist zufrieden mit seinem Standort. Der Wuppertaler ist der erste, der mit dem Auto vorfährt. „Jetzt kann ich hier noch mit dem Auto vorfahren, in einer halben Stunde kommen Sie nicht mehr auf den Platz“.

Zwei Stunden hat der Familienvater geschlafen, das muss reichen, um den Trödelmarkt bis zum Abend durchzuhalten. Lemoine ist Trödler, als Sammler und Verkäufer. Regelmäßig, so erzählt er, kommt er auf den Schwelmer Trödelmarkt. Um zu verkaufen, aber auch um bei den anderen Händlern nach Schnäppchen zu suchen. Ü-Eier hat der Mittvierziger schon gesammelt, Hörbücher und Spiele, die er aber nach und nach wieder verkauft hat. Seine Ehefrau wird später, wenn es wieder hell wird, nachkommen, um mit ihm den Stand zu betreuen. Aufpassen müsse man, sagt er gelassen, es werde doch arg geklaut. Jörg Lemoines Stand steht, andere sind immer noch verwaist, die aufgebauten Pavillons umgestürzt, die Tische noch mit im Wind knisternden Planen und Steinen abgedeckt.

Nils Mittelmann und Kevin Basco schieben Wache. Nicht zum ersten Mal. Auch die Feuerwehr wird bestohlen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Also sorgen Basco und Mittelmann dafür, dass sich erst gar keine Möglichkeit bietet. 24 Stunden ist Basco auf den Beinen, und was auf den ersten Blick so langweilig aussieht, macht den Männern durchaus Spaß. „Was meinen Sie, was man hier alles zu sehen bekommt, wenn die Händler anfangen aufzubauen“. Die beiden könnten aus dem Nähkästchen plaudern, das tun sie aber nicht, denn Feuerwehrmänner können schweigen. Nur der Wunsch nach einem kühlen Bier in den ganz frühen Morgenstunden, wie schon häufiger geäußert, verwundert die beiden immer noch.

Nur eine Stunde später ist Leben auf dem Platz. Ganze Familien steigen gähnend und leicht frierend aus. Bananenkisten werden aus den Autos gehievt, Gebrauchtes und Trödel drapiert. Die Kennzeichen verraten, die meisten kommen aus dem nahen Umland.

„Der Schwelmer Trödelmarkt ist gut, besser als der in Ennepetal“, sagt Kutlu Demirci und hebt das kleine rote Fahrrad seiner Tochter aus dem Minivan, der bis unters Dach beladen ist. Eine schwere Lederjacke wärmt ihn, auf die Mütze hat er noch verzichtet. Sein Standnachbar sieht dagegen noch aus, als wolle er Skifahren. 10 Grad Celsius sind es, Kaffee oder andere wärmende Getränke sind trotzdem willkommene Begleiter.

Ein langer Tag wartet

Jörg Lemoine schlendert schon einmal durch die Reihen, mittlerweile begleitet ihn sein Cousin. Mit Rucksäcken, Einkaufswagen, die man hinter sich herzieht und der unvermeidlichen Taschenlampe kommen immer mehr auf den Platz und hoffen auf das ultimative Schnäppchen bevor der große Ansturm losgeht. Mit vielen tausenden rechnen die Veranstalter wie in jedem Jahr.

Stadtmarketingmanager Thilo Kramer ist wie seine Kollegen ebenfalls unterwegs. Sie haben abgesperrt und überwacht und haben jetzt ein Auge auf die Aufbauenden.

Kramer hat sich wie Demirci und Lemoine auf einen langen Tag eingerichtet.

Ina Blumenthal

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