Antikmöbel und historische Kuriositäten
28.10.2008 | 18:07 Uhr 2008-10-28T18:07:17+0100Schwelm. Wären die Hinweisschilder nicht, die von der Hattinger Straße aus zur Ausstellungshalle und Werkstatt von Carlo Evang führen, würde so mancher Suchende bestimmt rätseln, ob er auf dem richtigen Weg zu "Antik und Kunst Design" ist. ...
... Die Suche lohnt sich, denn es gibt nicht nur den an den Hang geduckten Hof an den Erlen zu entdecken, sondern auch so manches schöne Antikmöbel und historische Kuriosum. Von Marcus Esser Denn auf 120 Quadratmetern präsentiert der Schwelmer Antik- und Holz-Fan neben schön restaurierte Möbel aus Weich- und Edelhölzern auch selbst entworfenen Stahldesignmöbel und viele kleinere und größere Schätzchen, die in Ecken, Winkeln und Vitrinen aufgespürt werden können. Dinge, die auch auf Anzikmärkten locken, wie ein alte Lima-Eisenbahn, ein nostalgisches Grammophon oder Puppenhaus sowie alte Taschen und Wanduhren; zudem aber auch stadthistorische Kuriositäten: Etwa eine alte Hinweistafel mit Preisen für Aufschnitt und weitere Angebote, gerettet 1937 aus dem einstigen Konsum am Neumarkt, in dessen Räumlichkeiten später Möbelhaus Schemann öffnete. Oder ein unscheinbares Holzkästchen mit Einwurfschlitz im Deckel, das erst beim näheren Betrachten sein Geheimnis offenbart. Denn auf den Seiten sind Siegellackreste und teils verblasste Aufschriften auszumachen "Briefwechsel mit entlassenen Gefangenen und mit Insassen anderer Anstalten sind nicht gestattet".
Carlo Evang zieht seine Pfeife aus dem Mundwinkel und erklärt lächelnd: "Das war die Postausgangskiste des alten Schwelmer Gefängnisses, mit klaren Anweisungen für Insassen und Aufsichtspersonal, welche Briefwechsel erlaubt sind und welche nicht." Die Schrift sei anfangs kaum zu entziffern gewesen und erst nach aufwändiger behutsamer Bearbeitung nun wieder gut lesbar.
Nicht nur das Kästchen, auch jedes antike Holzmöbel sah und sieht Carlo Evang als Herausforderung, um es in seiner Restaurationswerkstatt wieder herzurichten. "Kein Stück ist wie das andere, auch wenn die Möbel aus der selben Holzart sind, hat doch jedes sein spezielles Eigenleben und muss individuell bearbeitet werden", meint der gelernte Elektrotechniker, der sich seit etwa zehn Jahren ausschließlich seinen Passionen, mit dem Schwerpunkt Holzbearbeitung widmet.
Das sei ihm quas in die Wiege gelegt worden, habe sein Großvater mütterlicherseits doch in Nächstebreck eine Möbelschreinerei betrieben, erzählt Evang. Weiteres spezielles Fachwissen über Möbelbau und Restauration eignete sich der Autodidakt über Fachbücher und Literatur an.
Wer nicht das passende Jugendstil-Vertiko oder die gesuchte Kommode in der Ausstellung findet, dem kann nur geraten werden, die der Restaurationswerkstatt vorgebaute Lagerhalle aufzusuchen. Hier stapeln sich noch ungeschliffene Möbelschönheiten, hängen unbearbeitet Stühle in Reihen an der Decke. Evang: "Natürlich kann auch jeder, der ein altes Möbel besitzt, zum Abbeizen und Aufarbeiten mit dem Stück vorbei kommen."
Aufgearbeitet hat der Schwelmer für seine Ausstellung aber auch ein besonderes Wohn-Accessoir, das statt holz- deutlich metallhaltig ist: eine alte Ritterrüstung. Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 10-19 Uhr, Sa. 10-18 Uhr und nach Vereinbarung, Tel: 0 23 36/ 81 3 91.
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