Das aktuelle Wetter Oberhausen 9°C
BILDUNGSPOLITIK

Fußball schützt vor Schule nicht

28.06.2012 | 08:00 Uhr
Fußball schützt vor Schule nicht
Ein kleiner Fussballfan "schaut" am Sonntag (13.06.10) im Zentralstadion in Leipzig durch eine Vuvuzela die WM- Partie Deutschland gegen Australien. Am Abend spielt das deutsche Team in Durban, Suedafrika, sein erstes Spiel gegen Australien.Foto: Sebastian Willnow/ddp

Oberhausen.   Auf das Angebot des Ministeriums, den Unterrichtsbeginn wegen der Deutschland-Spiele verschieben zu dürfen, können Oberhausener Schulen gut verzichten

Die laxe Regelung des NRW-Schulministeriums, einen späteren Unterrichtsbeginn am Tag nach dem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Italien zu genehmigen, findet an Oberhausener Schulen wenig Anklang. An allen Schulen, an denen die NRZ sich gestern umhörte, beginnt der Unterricht am Freitag zur regulären Uhrzeit. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hatte den Schulen freigestellt, ob sie den Unterricht wegen des späten Anstoßes um 20.45 Uhr eine Stunde später beginnen lassen oder nicht. Voraussetzung: Es darf kein Unterricht ausfallen.

Von dieser Möglichkeit wollen die meisten Oberhausener Schulen keinen Gebrauch machen. Axel Henn, stellvertretender Schulleiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule, hält das Angebot gar für „eine Schnapsidee“. Es ließe sich nicht garantieren, dass tatsächlich kein Unterricht ausfiele. „Wir könnten ja generell erst um zehn anfangen“, witzelt der Lehrer. „Dann könnten wir alle ausschlafen und die Schüler ihren privaten Verpflichtungen nachkommen.“

Wenig Verständnis für späteren Unterrichtsbeginn

Wenig Verständnis für das Ansinnen zeigt trotz aller Fußballeuphorie auch Rolf Winkler, Leiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Wegen des Spiels den Unterrichtsbeginn zu verschieben, habe für ihn einen „populistischen Beigeschmack“. Außerdem setze das Ministerium die Schulen durch eine solche Ausnahmeregelung unter Druck, weil sie gewisse Erwartungen schaffe. Dass viele Schüler am Freitagmorgen wohl etwas müder als sonst in die Schule kommen werden, sehe man gelassen. „Wenn so etwas nicht ständig vorkommt, können die Schüler ein bisschen weniger Schlaf als üblich auch mal wegstecken – das macht nichts kaputt“, so Winkler.

Gar nicht zur Diskussion steht das Thema Fußball dagegen an den Grundschulen: Peter Kovac, Leiter der Astrid-Lindgren-Schule, sieht in der Linie des Schulministeriums gar ein Symptom für eine Gesellschaft, in der es zunehmend als normal gilt, wenn Kinder wegen ausufernder Freizeitaktivitäten immer später zu Bett gehen. „Oft erst zwischen 23 und 24 Uhr“, sagt Kovac. „In diesem Alter halte ich das für problematisch.“

„Bildungsauftrag hat Vorrang“

Ingrid Wenzler, Leiterin der Gesamtschule Osterfeld, ergänzt: „Die Menschen und die Politik erwarten von uns, dass wir unseren Bildungsauftrag erfüllen. Die übrige Welt bietet aber ständig Anlässe, uns von diesem Ziel abzubringen“, erklärt die Pädagogin. „Davon dürfen wir uns nicht beirren lassen.“ Erika Ilgen, Leiterin der Friedrich-Ebert-Realschule, will die Fußballfreude nicht schmälern – ein Freibrief zum Ausschlafen sei dies aber auch für sie nicht. „Wir können die Stunden nicht ohne Weiteres nachholen, da die Aufmerksamkeit der Schüler nun mal frühmorgens am größten ist.“ Wenn die Lehrer allerdings merkten, dass bei den Schülern Redebedarf über das Spiel herrscht, würde dies aufgefangen. „Vielleicht müssen wir auch ein paar Tränchen trocknen.“

Die simpelste Begründung, warum am Freitag auch an der Katholischen Hauptschule St. Michael „Dienst nach Vorschrift“ angesagt ist, liefert Schulleiter Thomas Betting: „Wer feiern kann, der kann auch arbeiten.“

Kristin Dowe



Kommentare
28.06.2012
09:42
„Bildungsauftrag hat Vorrang“
von leseraa | #2

Dass ich nicht lache....mal sehen, was demnächst als Ausrede kommt, wenn man wieder der Sportunterricht ausfällt.

28.06.2012
08:51
Fußball schützt vor Schule nicht
von Robert_Meier | #1

„Oft erst zwischen 23 und 34 Uhr"

Ob die Kinder dann überhaupt ins Bett kommen....

„Wer feiern kann, der kann auch arbeiten.“

Antwort: "Wer vögeln kann, kann auch nicht fliegen!"

Aus dem Ressort
Für Schüler aus Ukraine ist Austausch in Oberhausen Erholung
Schüleraustausch
Zwölf Schüler aus der Ukraine besuchen zurzeit das Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Den Krieg in ihrem Heimatland können sie nicht ausblenden, denn die Kämpfe zwischen ukrainischer Armee und Separatisten drohen die Ukraine auseinander zu reißen. Eine Auszeit ist die Reise aber dennoch.
Kaum einer in Oberhausen will bei der Kultur mitreden
Bürgerforum
Zum ersten Bürgerforum in Sachen Haushalt 2015 kamen kaum Interessierte. Dabei hätte das Thema Kultur auf einem so kulturell-bewegten Pflaster wie Oberhausen ein spannendes sein können. So aber blieben die Experten beinahe unter sich.
SPD Oberhausen will neue Tribüne fürs RWO-Stadion
Fußball
Anstatt den kaputten Flutlichtmast im RWO-Stadion in Oberhausen durch einen neuen zu ersetzen, spricht sich die SPD dafür aus, eine neue überdachte Stehplatztribüne zu bauen. Dort soll die Flutlichtanlage bereits im Dach montiert sein. Wie das finanziert werden soll ist dabei noch offen.
Fast täglich wird in Oberhausen ein Vermisster gemeldet
Polizei
Rund 400 Hinweise auf vermisste Personen gehen jährlich bei der Oberhausener Polizei ein. Die meisten erledigen sich nach wenigen Stunden oder Tagen. Aber nicht alle. Doris Seyffarth (57) ist seit Pfingsten 2013 spurlos verschwunden. Die Kripo geht von einem Tötungsdelikt aus.
Viele Investitionen ins Oberhausener Stadtleben
Stadtplanung
OGM-Chef Schmidt informierte die SPD-Fraktion bei ihrer Klausurtagung in Erfurt über den Stand der Bauprojekte. Der Abriss der Markthalle soll bereits im Januar beginnen. Das Bauhandwerk will im HDO eine Lehrstätte einrichten. Die Entscheidung fällt bis Ende des Jahres.
Fotos und Videos
Tunnelweihe vom Emschertunnel
Bildgalerie
Emscher-Umbau
Oberhausener Sportfest
Bildgalerie
Sportvereine
1. Heimniederlage für RWO
Bildgalerie
Regionalliga