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Der Irrglaube

17.06.2012 | 15:00 Uhr
Der Irrglaube

Oberhausen. In Deutschland herrscht bei vielen akademisch gebildeten Eltern seit Jahrzehnten ein Irrglaube: Wenn gute und schlechte Schüler gemeinsam in einer Schule, in einer Klasse lernen würden, dann könne da ja nichts herauskommen, meinen sie. Das wäre etwa so, als ob man schlechten mit gutem Wein mischen würde.

Deshalb trennte das deutsche Schulsystem die Kinder sehr früh - mit zehn Jahren. Das Ergebnis: Weltweit eher unterdurchschnittliche Lernresultate (die sich nach Pisa allerdings besserten) und vor allem eine soziale Ausgrenzung: Schüler aus ungebildeten Haushalten haben praktisch keine Chance, irgendwann einmal ein Studium aufzunehmen, egal, wie gut ihr Anfangstalent war. Ein Debakel für ein gesetzliches Pflicht-Schulsystem, das eigentlich allen Chancengleichheit bieten muss.

Gegenseitige Unterstützung

Internationale Studien haben gezeigt, dass heterogene Klassen, also mit sehr verschiedenen Schülern bestückte Gruppen, sehr gute Lernerfolge erzielen, wenn Lehrer in der Lage sind, individualisierte Unterrichtseinheiten anzubieten.

Kaum jemand ist in allen Fächern schlecht oder in allen super - in heterogenen Klassen lernen die schwächeren von stärkeren Schülern; stimmt das Klassenklima, unterstützen sie sich, bringen sich untereinander das meiste bei.

Schrumpfende Kinderzahl

Die neue Sekundarschule sichert wie die Gesamtschulen das gemeinsame längere Lernen von Kindern unterschiedlicher Eltern ab - das erfolgreiche System der Grundschule (die erste „Schule für alle“) wird verlängert. Auch wegen der schrumpfenden Kinderzahl kann sich Deutschland keine Trennung von Schülern mehr leisten - das ist zu teuer.

Für Oberhausen ist die neue Sekundarschule daher eine Zukunftslösung: Zumindest eine Realschule sollte sich einen Ruck geben und den Neustart wagen. Wer hier zuerst kommt, wird durch sprunghafte Anmeldezuwächse belohnt - wie die Erfahrungen anderer Städte zeigen. Langfristig wird sich wohl die Sekundarschule neben den Gymnasien durchsetzen.

Peter Szymaniak


Kommentare
18.06.2012
09:33
Der Irrglaube heißt Sekundarschule
von aberlouer | #3

Der Kommentar hat da recht, wo die Unzulänglichkeiten des dreigliedrigen Schulsystems beschrieben werden. Er hat auch da recht, wo der irrigen Ansicht widersprochen wird, dass das Niveau einer Lerngruppe immer von den Schwächsten bestimmt wird.

Falsch liegt der Kommentator aber da, wo die, einem faulen Kompromiss entsprungene, Sekundarschule als Lösung angeboten wird.

Was wir wirklich brauchen, ist "Eine Schule für Alle" und nicht eine neue Schulform neben den bereits existierenden.

18.06.2012
09:05
Der Irrglaube
von dcarleitermann | #2

Die Schülerzahlen einer Schule müssen auf höchstens 500 Schüler und Schülerinen beschränkt werden.Die Einrichtung einer Schule muss den pädagogischen Ansprüchen halten können. Die Politik macht in den Schulen wiederum den zweiten Schritt vor den ersten.Den viele Schulen können bisher nicht einmal den baulichen Grundsatz halten das ein gemeinschaftlicher Unterricht mit körperbehinderten Schülern und Schülerinnen (Inklusion) problemlos stattfinden kann.Wir haben viele Baustellen auf den Oberhausenern Schulen und keine ist bisher vom Ansatz her richtig behandelt worden (siehe auch die Betreuung in den Schulen). Bei sensationellen Planungen ist die Oberhausenere Verwaltung sehr rege. Doch bei den Umsetzungen mehr als träge.

18.06.2012
08:48
Der Irrglaube
von dcarleitermann | #1

Dieser Kommentar ist vom Grundsatz her vollkommen richtig.Doch die realen Voraussetzungen waren und sind nicht gegeben. Die Klassenstärken sind doch gelinde gesagt ein Skandal. Die Schulausfälle steigen immer mehr an.Der körperliche Ausgleich durch Sportaktivitäten werden immer geringer. Die Strukturen in der Lehrerschaft sind einfach überaltert.Die Lehrerreserve bei kurzfristigen Schulausfällen sind einfach nicht vorhanden. Der Anreiz zum lernen wird immer wieder gestoppt weil es zu wenig fördern und fordern in den Schulen angesagt ist.Und die Auflösung der Hauptschulen wird dieses Problem noch verstärken.Dies sehen die Realschulen mit Sorge. Mit dem derzeitigen Lehrerpersonal werden die Sachstände nicht verbessert sondern verschlechtert.Hauptschulen wurden schlecht geschrieben und sind besser als ihr Ruf.Geinge Klassenstärken und mehr Lehrpersonal müssen her. Nicht theoretisch sondern realistisch.

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