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Kriegs-Erinnerung

Invasion in Normandie: Neheimer erlebte grauenvolle Schlacht

06.06.2012 | 09:53 Uhr
Invasion in Normandie: Neheimer erlebte grauenvolle Schlacht
Der heute 84-jährige Josef Meinschäfer zeigt seinen damaligen Ausweis als 17-jähriger Soldat. Rechts oben hat er in den Ausweis ein Foto seines Vaters geklebt, das den Vater als 19-jährigen Soldaten im Ersten Weltkrieg zeigt. „Wir mussten beide als junge Menschen in den Krieg ziehen“, sagt Josef Meinschäfer.Foto: Martin Schwarz

Neheim.  68 Jahre nach der Invasion der Alliierten in der Normandie war der heute 84-jährige Neheimer Josef Meinschäfer erstmals bereit, über das Erlebte zu berichten. Er war damals 17-jähriger Soldat der Wehrmacht am „Atlantikwall“.

Eigentlich möchte Josef Meinschäfer nicht an die Bilder des Grauens erinnert werden, die er mit dem 6. Juni 1944 verbindet. Gellende Schreie, blutgetränktes Meer und dann die Massen von Toten, die auf dem Strand lagen. Die WESTFALENPOST bat ihn dennoch um seine Schilderungen, damit diese eine Mahnung an die nachfolgenden Generationen sein mögen, nie wieder Krieg führen zu müssen.

Denn Josef Meinschäfer musste damals - wie viele andere Männer - in den Krieg ziehen, er wurde im April 1944 einberufen. Wegen seines bei der Musterung festgestellten überdurchschnittlichen Sehvermögens wurde Meinschäfer als 17-jähriger Wehrmachtssoldat dem 333. Flakregiment, 3. Kompanie, zugeordnet.

Mitglied einer Spezialeinheit

Meinschäfer gehörte zur Spezialeinheit für 8,8-Flakgeschütze. Diese Einheit wurde im Mai 1944 an den „Atlantikwall“ in der Normandie abkommandiert. Meinschäfer wurde bei Arromanches-les-Bains stationiert, dessen Strand die Amerikaner später den Code-Namen „Omaha Beach“ gaben. Meinschäfers Aufgabe war es, mit speziellem optischen Gerät die genaue Zieleinstellung (das Abmessen der richtigen Entfernung) am Flakgeschütz vorzunehmen. Außerdem bediente er die Feuerglocke. „Ich kam in die Normandie, als die Alliierten die Invasion vorbereiteten“, erinnert sich Josef Meinschäfer. Schon in den Tagen vor der Invasion sichtete er ein Aufklärungs-U-Boot und einen Trawler, von dem aus Fotos gemacht wurden. „Meine entsprechenden Meldungen wurden von den Offizieren aber ignoriert“, erzählt Meinschäfer.

Im Morgengrauen des 6. Juni füllte sich dann der Horizont mit Schiffen und Landungsbooten. Der Neheimer Josef Meinschäfer war dabei ein kleines Rädchen in einer Kriegsmaschinerie, die auf einem insgesamt über 100 Kilometer langen Küstenstreifen tobte.

„Keine Zeit zum Nachdenken“

Durch die starke Optik des Geschützsystems konnte Meinschäfer den US-Soldaten in den Landungsbooten quasi in die Augen schauen, bevor sie ein paar Sekunden später durch Geschosse starben. „Im Gefecht bleibt keine Zeit, über das Schreckliche nachzudenken. Hier denkt man zuerst ans eigene Überleben und schießt“, versucht er das Geschehen jungen Menschen begreifbar zu machen, die einen Krieg nur aus Büchern kennen. Josef Meinschäfer hatte viel Glück, dass er das Grauen überlebte. Seine Kompanie erhielt gerade noch rechtzeitig den Rückzugsbefehl.

„Ich konnte nach der Schlacht drei Tage nichts essen und nicht schlafen. Ich war völlig fertig“, erinnert sich Josef Meinschäfer, der zum 5o. Jahrestag der Invasion im Jahr 1994 in die Normandie gereist war. Dort besichtigte er den Bunker, in dem er damals gekämpft hatte. Sein vorrangiges Gedenken galt aber den Tausenden von Soldaten, die in den Kriegsgräberanlagen beigesetzt wurden.

Hintergrund-Wissen:

Bei der Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944 landeten 150 000 Amerikaner, Briten, Franzosen, Polen, Kanadier sowie Commonwealth-Angehörige an fünf benachbarten Küstenstreifen. 1200 Kriegsschiffe gaben 3100 Landungsbooten Feuerschutz. Gleichzeitig wurden Fallschirmjäger und Luftlandetruppen im Hinterland abgesetzt.

Amerikaner rückten an mehreren Standabschniten vor, einer von ihnen trug den Code-Namen „Omaha Beach“. Zu den vielen deutschen Soldaten am dortigen „Atlantikwall“ gehörte auch Josef Meinschäfer aus Neheim.

„Die Alliierten hatten seit dem D-Day etwa 53 700 Tote, 8 000 Vermisste und 155 000 Verwundete, die Deutschen insgesamt 200 000 Tote, Vermisste und Verwundete.“ (laut Wikipedia)

Martin Schwarz



Kommentare
06.06.2012
12:27
Invasion in Normandie: Neheimer erlebte grauenvolle Schlacht
von Cha_os | #1

Ich glaube, so ein Geschehen vergisst man nie.
Klugscheissermodus an: Omaha Beach ist nicht der Strand von Arromanches-les-Bains. Omaha Beach liegt 20km weiter westlich bei Colleville-sur-mer.

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