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"Hier haben wir gelebte Integration"

19.05.2008 | 17:16 Uhr

Neheim. Leckere Düfte ziehen durch die Räume des Anton-Schwede-Hauses, es herrscht angeregtes erwartungsvolles Gemurmel. Dann werden die Platten aufgetragen, Berge von Essen, hergerichtet vom Allerfeinsten, und das ist nur die Vorspeise. ...

Die Nachwuchsköche sowie Beiratsmitglied Birgit Weigert (mit Plakat) und "Chefköchin" Grazia (hinten rechts). (Foto: Mono)

... Jetzt heißt es "essen" oder besser "mangiare", "comer", "yemek" und vieles mehr. Schließlich trifft sich der Internationale Arbeitskreis (IAK) und das bedeutet gelebte Integration. Grazia ist aufgeregt. Die 15 Jährige ist verantwortlich dafür, dass die knapp 50 Essensgäste auch zufrieden sind. Erst nachdem die ersten Mitglieder des IAK ein paar Bissen probiert haben und sichtlich angetan aussehen, fällt die Spannung von der Italienerin ab. "Ich bin schon im Verein seit ich ein kleines Kind bin", erzählt sie. Schon oft war sie bei den Kochabenden, die rund sechs Mal im Jahr stattfinden, doch für die Nahrungszubereitung war sie noch nie zuständig.

"Das machen sonst immer die Erwachsenen der verschiedenen Nationen, dann gibt es mal einen griechischen Abend, mal einen italienischen und so weiter. Aber dann hatte ich die Idee, dass ja auch wir Jugendlichen mal kochen könnten." Gemeinsam mit acht Deutschen und Italienern im Alter von 14 bis 25 Jahren legte Grazia los und präsentierte am Freitag für gut 50 Personen das umfassende Menü, in dem Bruscette, Calman, Putenschnitzel, Kartoffeln und Tiramisú nur einige der Highlights sind.

"Hier schmeckt es immer wie im Urlaub", freuen sich zwei Frauen aus Deutschland, die schon seit mehreren Jahren im IAK Mitglied sind. "Die Mentalitäten hier sind einfach klasse, und wenn es mit der Sprache mal harkt, dann verständigt man sich halt mit Händen und Füßen, ist doch kein Problem." Auch mehrere Italiener am Tisch gegenüber fühlen sich sichtlich wohl. "Hier funktioniert die Integration und das Essen ist jedes Mal gut, auch heute", loben die Südländer.

"Jeder muss probieren und beim Essen redet es sich doch sowieso am besten", lädt Beiratsmitglied Birgit Weigert fröhlich auch die WR ein und fängt an zu erzählen. "Unser Verein umfasst Griechen, Portugiesen, Spanier, Türken, Russen, Deutsche und Italiener. Seit über 20 Jahren gibt es schon die Kochabende. Die wurden zunächst nur von und für Frauen gemacht, aber mittlerweile kommen alle mit." Deutsche und Italiener seien am stärksten vertreten, Türken dagegen kämen nur wenige in den IAK.

"Wir bieten auch Sprachförderung"

"Aufgrund ihrer Religion haben die meisten leider Schwierigkeiten mit der Zubereitung des Essens. Aber diejenigen Türken, die kommen, fühlen sich wohl. Hier verstehen sich sogar Griechen und Türken, das nenne ich gelebte Integration", freut sich Weigert. Sie versucht, alle Rezepte der Kochabende zu sammeln, um eines Tages ein Rezeptbuch für alle zu erstellen "aber das kann noch dauern", lächelt sie. Denn die Vorbereitungen für den 30. Dies Internationalis laufen bereits auf Hochtouren, schließlich soll der Neheimer Marktplatz am 7. Juni wieder einmal von multikulturellen Aufführungen, Workshops und Aktionen übersät sein.

Doch nicht nur die Kochabende und die Organisation des Dies Internationalis machen den IAK aus. "Wir bieten auch Sprachförderung, Hausaufgabenhilfe und Ganztagsbetreuung in Schulen an. Vor allem aber kann man hier Kontakte und Freundschaften knüpfen, das ist wertvoll", findet Weigert und betont: "Jeder ist hier willkommen und man gehört ganz schnell mit dazu."

Mit ihrer Behauptung scheint Weigert recht zu haben, denn von Grüppchenbildung oder Abgrenzung ist im Anton-Schwede-Haus nichts zu erkennen, Herzlichkeit und Offenheit dagegen spürt man von allen Seiten. Schneller sein als die anderen heißt es nur in der Schlange am Buffet, denn die Werke der Nachwuchsköche sind heißbegehrt. "Ich glaube es bleibt gar nichts mehr übrig, aber das ist wohl ein gutes Zeichen", freut sich Chefköchin Grazia.

Von Sophie Mono

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Kommentare
20.05.2008
11:08
Hier haben wir gelebte Integration
von Weigert Birgit | #1

Sehr geehrte Frau Mono,
vielen Dank für Ihren Superartikel. Laut unserer Frau Schelp (81 J.)ist dies der beste Artikel, den sie in ihrer über 20 jährigen Mitgliedschaft gelesen hat.
Ich danke Ihnen persönlich recht herzlich und freue mich auf ein Wiedersehen.
Birgit Weigert IAK

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