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Uhu darf nur "verheiratet" in Freiheit

05.10.2007 | 16:55 Uhr

Esborn. Große, runde, orangefarbene Augen blicken aus dem Dunkel der Voliere. Fauchend empfängt der Uhu den menschlichen Besucher. Dass der nur Gutes im Sinne hat, ist der stattlichen Dame nicht klar.

Großes Glück hat sie gehabt, dass ein Spaziergänger sie vor rund zwei Wochen in Albringhausen fand. Das Tier kauerte am Boden, flugunfähig durch eine Flügelprellung. Bei Wildvogelpfleger Thorsten Kestner in Hattingen kann sich der Greifvogel nun von seiner Verletzung erholen. Wie es zu der Verletzung kam, kann Thorsten Kestner nicht genau rekonstruieren. "Vielleicht eine Fensterscheibe oder eine Hochspannungsleitung." Die Röntgenuntersuchung beim Tierarzt zeigte: nichts gebrochen, die Prellung heilt von selbst. Der Flügel wurde zunächst für eine Woche mit einem Verband fixiert. "Damit sie sich in der Voliere nicht fliegerisch betätigt", erklärt der Pfleger.

Mit Wildvögeln kennt sich der Hattinger bestens aus: In seiner privaten Pflegestation gibt es derzeit drei Uhus, zwei Schleiereulen, einen Bussard, neun Waldkäuze, zwei Turmfalken und etliche Schwäne und Krähen, die unterschiedlichste Verletzungen auskurieren. Der wettersche Vogel ist bereits der fünfte Uhu, der dort in diesem Jahr gesund gepflegt wird. "Der Uhu ist wieder im Aufwind, nachdem er Anfang der 1980er Jahre fast ausgestorben war", erklärt Dietrich Kolbe von der unteren Landschaftsbehörde. "Im Ruhrtal ist er seit mehreren Jahren wieder ansässig, seit drei bis vier Jahen gibt es auch wieder Brutplätze in Wetter."

Dass der Uhu sich in menschlicher Obhut nicht so richtig wohl fühlt, ist durchaus erwünscht. "Wenn sie sich an den Menschen gewöhnt, haben wir ein Problem. Dann können wir sie nicht wieder auswildern - und das ist ja schließlich unser Ziel", meint Kestner. So wird der Pflegling in Ruhe gelassen und nur zur medizinischen Kontrolle eingefangen.

Federn fürs Fliegen sind unbrauchbar

Bis er wieder in die Freiheit entlassen wird, könnte es noch etwas dauern - neben der Prellung machen ihr kaputte Handschwingen zu schaffen. "Der Vogel muss schon zwei bis drei Tage mit hängendem Flügel am Boden herumgelaufen sein. Dadurch sind die Federn fürs Fliegen unbrauchbar geworden", erklärt Kestner. Ohne diese Federn kann der Uhu nicht richtig fliegen - in der Freiheit müsste der Jäger, der seine Opfer aus der Luft greift, verhungern.

Bis die lädierten Handschwingen nachgewachsen sind, muss er mit der Voliere in Thorsten Kestners Pflegestation Vorlieb nehmen. Unterhaltung gibt es aus den Nachbarvolieren - nebenan erholen sich zwei Artgenossen aus Bochum und Hagen.

Wenn der Uhu genesen ist, wird er wieder in Wetter ausgewildert. Zuvor soll er noch einen Ring von der Vogelwarte Helgoland bekommen. "Wir verheiraten alle Vögel mit Helgoland."

Von Nina Estermann

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