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Turm vielleicht früher fertig als geplant

24.07.2007 | 05:35 Uhr

Kamen. Der Blick des Fachmanns wandert die Westwand entlang in die Höhe. Was er sieht, freut Thomas Kusch: "Da sind ja schon ganz viele Fugen verputzt." Einmal die Woche kontrolliert der Architekt die Sanierungsarbeiten am Schiefen Turm. Er möchte den Kam

Dabei hatte man mit dem Abschluss des zweiten Bauabschnitts und damit auch dem der gesamten Sanierung des Pauluskirchenturms erst für den Reformationstag Ende Oktober gerechnet. "Aber es sieht so aus, als würden wir schon ein paar Wochen früher fertig werden", sagt der auf Baudenkmäler spezialisierte Architekt des Kirchenkreises Hamm, "und so eine Einweihung zum Erntedankfest ist ja auch eine schöne Sache".

Lutz-Thomas Kusch hat die ersten Stufen des Gerüstes erklommen und steht jetzt knapp über dem Turmeingang auf der untersten Ebene des Metallgerüstes, das den ehrwürdigen Turm aus dem 12. Jahrhundert bis zum 30 Meter hohen Schaft in ein neuzeitliches Korsett zwängt.

Seine Hand gleitet über die Oberfläche der grünlich schimmernden Sandsteine und hält inne. "Hier, sehen Sie? Schon wieder Abplatzungen", sagt der Architekt und knibbelt ein paar Schuppen ab, die sich auf den Grünsandsteinen gebildet haben. Dabei seien die Steine auf der Westseite erst vor ein paar Wochen abgespachtelt worden.

"Dieser einzigartige Stein aus dem Haarstrang hat einen Nachteil: Der Kupferanteil, der ihm so eine schöne Farbe verleiht, dehnt sich aus, wenn er oxidiert - wie jedes Metall, das rostet", erklärt der Hammer Kirchenkreisarchitekt. Damit der Anröchter Grünsandstein nicht "abblättert", darf er nicht mit der Atmosphäre und besonders nicht mit Feuchtigkeit in Berührung kommen "Früher war der Schiefe Turm wie die meisten Kirchen verputzt", bezieht sich Thomas Kusch auf das 19. Jahrhundert. Damals waren die Turmwände mit einer Mörtelschicht überzogen, die das Herausbrechen der Steine verhindern sollte. "Aber wenn ich das heute gemacht hätte, bräuchte ich mich in Kamen nicht mehr blicken lassen", sagt der Architekt und lacht. Um aber dennoch den Turm - und Fußgänger - vor herabfallenden Steinen zu schützen, hat man sich für die bewährte Lasurmethode entschieden.

Die drei aus Weimar angereisten Restauratoren haben bereits begonnen, die erste der drei Lasurschichten auf die abgespachtelten Steine der Westseite aufzubringen. Der Vorteil der Lasur: Sie lässt in den Stein eingedrungene Feuchtigkeit wieder heraus, die Steine platzen nicht. Ost- und Südseite des Schiefen Turms sind bereits im ersten Bauabschnitt mit der Silikonharzlasur bestrichen worden - auch wenn das auf den ersten Blick gar nicht auffällt.

"Eine Fuge braucht ihre Zeit"

Aber genau das ist ja auch der gewünschte Effekt. "Durch die Beimischung von Gesteinsmehl nimmt die Lasur die gleiche grünlich schimmernde Farbe wie der Originalsandstein an", erklärt Kusch und deutet auf die aufgemalten "falschen" Fugen auf der Lasur, die die "steinsichtige" Optik zusätzlich unterstreichen sollen.

Verwundern mag den Beobachter allerdings der Schlauch, der in beträchtlicher Höhe über die Kante von nördlicher und westlicher Turmkante baumelt. Aus ihm rieselt ein schwacher Wasserstrahl und befeuchtet die Sandsteine. Sollten die denn nicht gerade vor Nässe geschützt werden? Lutz-Thomas Kusch klärt auf: Diese Bewässerung sei natürlich gewollt und war gerade in der letzen Zeit, als es so heiß war, sehr nötig. Sie verhindere, dass die neuen Fugen zu schnell trocknen und dann reißen. "Eine Fuge braucht ihre Zeit", erklärt Kusch, der diese jeder einzelnen ruhigen Gewissens gönnen kann. Schließlich liegen Steinmetze und Restauratoren nicht nur voll im Zeitplan, sondern übertreffen ihn sogar.

Was unter anderem wohl auch daran liegt, dass weit weniger Steine ganz ausgewechselt werden mussten, als zuvor angenommen. "Im zweiten Bauabschnitt machen die neu eingesetzten Sandsteine höchstens drei Prozent der gesamten Fläche aus", rechnet Kusch vor, der sich darüber freut, dass so viele der Originalsteine in den Turmwänden verbleiben konnten.

Von Susanne Dreisbach

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2007-07-24 05:35
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